Nach vier Monaten plätscherte nichts mehr: Regensburgs Millionen-Brunnen ist schon kaputt

Von Jonas Raab, Juliana Ried · 23. Mai 2024 um 05:00

Asphaltwüste statt Wasserspiel: Der neue Brunnen im Regensburger Stadtpark bleibt auf ungewisse Zeit trocken. Ein „größerer Umbau“ steht auch an der Brunnenanlage auf dem Dachauplatz an. Hat die Stadt ein Neu-Brunnen-Problem?

Dunkle Wolken hängen über dem Stadtpark. Hinter dem Kunstforum immer wieder dasselbe Spiel: Ein Schauer macht den Brunnen nass, der Wind trocknet die ovale Asphaltplatte schnell wieder. Das ist aber auch das einzige Wasserspiel, das man auf dem neu gestalteten Platz geboten bekommt. Nicht einmal ein Jahr hat der sogenannte „Himmelsspiegel“ gehalten. Der Stadtpark-Brunnen ist außer Betrieb – „aufgrund von baulichen Mängeln“, wie die Stadt kürzlich mitteilte.

Neuer Brunnen im Regensburger Stadtpark: „Geld gut angelegt“

Groß war sie, die Freude, als der neue Brunnen vergangenen Juli nach acht Jahren Durststrecke eingeweiht wurde. Die Anlage verbessere die Aufenthaltsqualität im Stadtpark spürbar, schwärmte Bürgermeister Ludwig Artinger damals. Hubert Schmid von der Regierung der Oberpfalz zeigte sich überzeugt, dass das Geld – die Rede ist von rund 1,2 Millionen Euro für das Gesamtprojekt, wobei 90 Prozent von der EU gefördert wurden – „gut angelegt ist“. Die Freude hielt nur kurz: Seit November liegt das ovale Becken quasi dauertrocken; die 23 Wasserfontänen waren seitdem kaum mehr gesehen.

„Ich habe mich schon gewundert, was los ist“, sagt ein Mann, als er am Mittwoch mit seinem Hund spazieren geht. „Mehr als ein, zwei Mal hab ich da heuer noch kein Wasser gesehen“, berichtet er. Vor ein paar Wochen sei eine Firma am Brunnen zugange gewesen. Da sei er kurz gelaufen, seitdem nicht mehr. Gerade im Sommer sei der Brunnen eine schöne Erfrischung, meint der Mann und blickt auf seinen Vierbeiner. Das knappe Resümee: „Schade.“

Wo liegt das Problem? „Zum einen bilden sich Risse im Gussasphaltbelag, zum anderen verliert der Brunnen eine größere Menge an Wasser“, hieß es in der Mitteilung der Stadt. Die Risse, die man laut Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra bereits vergangenes Jahr entdeckt habe, seien von einer Fachfirma nachbehandelt worden – doch es seien weitere Rissbildungen aufgetreten. Um dem Wasser, das der Brunnen verliert, auf die Spur zu kommen, habe man die Leitungen durchgespült und mit Kameras untersucht. Auch Druckprüfungen habe man angestellt. „Das Ergebnis war bislang unauffällig.“ Weitere Maßnahmen würden derzeit besprochen.

Regensburg: Stadtpark-Brunnen ist nicht der einzige, der streikt

Der Brunnen im Stadtpark reiht sich in eine illustre Liste an kürzlich errichteten Wasserspielen ein, die nicht so richtig spielen wollen. Die Wasserbänke am Schwanenplatz – 2019 in Betrieb genommenen, 290000 Euro teuer – waren vergangenes Jahr fast den gesamten Sommer über trockengelegt. Grund war eine defekte Pumpe. Auch die Brunnenanlage am Dachauplatz macht seit geraumer Zeit Ärger. Zwar plätschert dort das Wasser, doch die knapp fünf Jahre alten, 650000 Euro teuren und als wartungsarm angepriesenen Lichtsäulen der Fontana Regina müssen in der Nacht angestrahlt werden anstatt selbst zu leuchten. Der Sockel roste, die Technik vertrage die Gemengelage aus Chlor und Feuchtigkeit nicht, erklärte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) vergangenen Sommer, nachdem Stadtrat Jakob Friedl (Ribisl) eine entsprechende Anfrage gestellt hatte. Laut von Roenne-Styra werden derzeit Angebote für einen „größeren Umbau“ eingeholt. Zu den Kosten kann sie noch nichts sagen.

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Instand gesetzt werden musste der Brunnen am Dachauplatz auch schon vor seiner Inbetriebnahme im Jahr 2018, im September 2019 und im März 2021. Diese Arbeiten hätten wegen der damals noch laufenden Gewährleistung nichts gekostet, erklärte die Oberbürgermeisterin Friedl im Kulturausschuss. Auch die Reparatur des Stadtpark-Brunnens decke die Gewährleistung, sagt von Roenne-Styra. Das Münchner Landschaftsarchitekturbüro, das nach dem Vergabeverfahren beauftragt wurde, wollte sich auf MZ-Anfrage nicht äußern.

Regensburg und sein Problem mit neuen Brunnen: Komplizierte Technik

Hat Regensburg ein Neu-Brunnen-Problem? „Die historischen Brunnen sind meist mit einer einfachen Mechanik und Steuerung ausgestattet. Diese fällt zwar auch aus, kann aber in der Regel ohne größere Ausfallzeiten repariert werden“, sagt von Roenne-Styra. Oft seien spezielle Bauteile erforderlich, die nicht immer schnell geliefert werden könnten.

Es sind allerdings nicht nur die Neubauten, die Probleme bereiten. „Die beiden Brunnen in der Fürst-Anselm-Allee können aufgrund des äußerst schlechten baulichen Zustands derzeit nicht in Betrieb genommen werden“, erklärte Stadtsprecherin Katrin Holzgartner der MZ kürzlich. Einen Zeitplan zur Instandsetzung gebe es nicht. Wann der Brunnen im Stadtpark wieder sprudelt: ebenfalls unklar.

Ein langer Riss im Asphalt des neuen Brunnens im Regensburger Stadtpark macht Probleme.