Nicht schon wieder: Die Lichtsäulen am Regensburger Dachauplatz sind kaputt

658000 Euro ließ sich die Stadt die Umgestaltung des Dachauplatzes vor einigen Jahren kosten. Mehrfach machte mit der Fontana Regina ausgerechnet das tragende und teuerste Element der Maßnahme Mucke. Nun sind die Lichter komplett ausgefallen. Es gibt aber noch andere Kritik.
Ein Umbau steht an. „DieBeleuchtung der Säulenist derzeit außer Betrieb“, bestätigt Katrin Butz von der städtischen Pressestelle. An Ostern sei das Problem aufgetreten. Wie lange das noch so bleiben wird, ist unklar. Bis es Auskünfte zu den Kosten geben könnte, werden noch über sechs Wochen vergehen.
Immerhin: DieInstandsetzung der Säulensei laut Butz aber beauftragt. „Es ist ein Umbau erforderlich, um zukünftigen Ausfällen vorzubeugen“, sagt sie. Es sei aber noch nicht abzuschätzen, wann diese Arbeiten beendet sein werden.
Wie kann das sein? Das will nun auch Stadtrat Jakob Friedl (Ribisl-Partie) wissen. Immerhin steht in derBeschreibung der Lichttechnikfür den Brunnen, dass mit einem Wartungsintervall von etwa 15 Jahren zu rechnen sei. Deswegen stellte Friedl bereits Ende März einen Antrag auf Berichterstattung im zuständigen Ausschuss. In dem Schreiben an Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD), das unserer Zeitung vorliegt, fragt er etwa nach den Kosten für den Unterhalt des Brunnens sowie nach denen für Reparaturen und Nachbesserungen. Weitere seiner Fragen drehen sich um die technischen Mängel der Fontana Regina und die Entwicklung dieser Unzulänglichkeiten bis heute. Auch will er wissen, wer die Wartungs- sowie die Reparaturkosten übernahm, wie es mit den Gewährleistungspflichten der ausführenden Firma aussieht und ob diese noch in Kraft sind.
Es wird noch einiges Wasser die unbeleuchteten Säulen hinunterfließen, bis Friedl die Antworten auf diese Fragen bekommt. Butz sagt, dass der Antrag voraussichtlich am 13. Juni im Kulturausschuss behandelt wird. Vorher werde es keine Auskünfte dazu geben, teilte sie auf Anfrage mit.
Vorwurf: Gedenken verdrängt
Durch Friedls Antrag wird aber auch klar, dass der Brunnen nicht das einzige Problem ist, das einige Regensburger gerade im Bereich des Dachauplatzes ausgemacht haben. „Um die stadträumlichen Bedeutungsebenen des restlichen Dachauplatzes und das Fehlen von Zugängen zum Thema Dachau können wir uns später kümmern“, schreibt er.
Andere sind da ungeduldiger. „So kann das nicht bleiben“, sagt etwa Hans Simon-Pelanda. Er sitzt im Donumenta-Vorstand, setzt sich für Erinnerungskultur ein und fordert einen Gedenkort an dieser Stelle. Zwar gibt es hier eine Stele für die letzten Opfer der Nazis in der Stadt und eine Steintafel. Allerdings seien diese bei der Umgestaltung völlig aus dem Blick geraten, klagt Simon-Pelanda. Auch Regina Hellwig-Schmid, Vorsitzende bei Donumenta, sieht den Platz voller Unbehagen. „Das ist weder ein Gedenkort noch ein Denkort oder ein Erinnerungsort“, sagt sie. Die Möblierung verwische die Prägnanz und setze nicht das Szene, was für das Gedenken wichtig ist.
Simon-Pelanda erklärt, warum das an dieser Stelle in seinen Augen notwendig ist: „Hier wurden mit Michael Lottner, Domprediger Johann Maier und Josef Zirkl nicht nur Regensburger in den letzten Kriegstagen von den Nazis umgebracht.“ Die Amerikaner haben den Platz während der Militärregierung seinen Informationen zufolge zudem in Dachauplatz umbenannt, um an das Konzentrationslager zu erinnern. Weiter sei der Platz zur Zeit des Nazi-Regimes quasi das Zentrum des Machtapparats von Stadt und Partei gewesen. Hier befanden sich etwa die Kreisleitung der NSDAP in der D.-Martin-Luther-Straße oder die Gestapo-Zentrale. Weiterhin kam es an der Stelle zu einer Demonstration von Frauen, die eine kampflose Übergabe der Stadt forderten.
Neue Ideen für den Platz
„Hier sollen sich Menschen, die sich für die NS-Zeit interessieren, informieren können“, fordert Simon-Pelanda. Einen Raum dafür hat er schon entdeckt: unter dem Sitzungssaal des Stadtrats im westlichsten der vier Bögen, die beim Neuen Rathaus die D.-Martin-Luther-Straße überspannen. „Das ist ein elf Meter langer, hoher und breiter Raum, in dem man vieles medial aufbereiten könnte. Und billiger als ein neues NS-Doku-Zentrum wäre er alle mal“, sagt Simon-Pelanda.
„Man kann im Kleinen beginnen“, schlägt Hellwig Schmid vor. Dafür würde es ihr schon reichen, die Kiste mit Streusand zu entfernen und auch die Fahrräder, die manchmal an der Gedenkstele lehnen. Zudem brauche es eine gut sichtbare Tafel mit Informationen. Auch temporäre Kunstaktion könnten helfen, die Bedeutung des Platzes in Erinnerung zu rufen. „Denn eine Geschichtsvergessenheit wäre das schlimmste, sie würde vielen Dingen nur Tür und Tor öffnen“, sagt sie.
Butz kündigt dazu an: „Die Stabsstelle Erinnerungskultur wird mögliche Ideen bei nächster Gelegenheit zusammen mit dem Runden Tisch Erinnerungskultur besprechen und nach Lösungen suchen.“

