Das sagen Regensburger Unternehmen zu den Stadtbahn-Plänen

Von Marion Koller · 22. Mai 2024 um 12:10

Die Präsenz von Siemens am Standort Regensburg hat mit dem ersten Tram-Bau begonnen. Der Konzern unterstützt das Vorhaben, der Chef der Maschinenfabrik Reinhausen kritisiert die Planung.

Am 9. Juni fällt die Entscheidung über die Regensburger Stadtbahn. Am selben Tag, dem Termin der Europawahl, stimmen auch die Erlanger ab: über eine dort geplante Stadt-Umland-Bahn. In der mittelfränkischen Großstadt stellen sich Siemens, Schaeffler, Adidas und Puma öffentlich hinter das Verkehrsprojekt. Wie positionieren sich Regensburger Unternehmen beim Thema Tram?

• Vitesco Technologies unterstützt nachhaltige Mobilität

Bei Vitesco Technologies ist Nachhaltigkeit ein zentrales Thema der Unternehmensstrategie. Der Autozulieferer motiviert und unterstützt daher die Beschäftigten, möglichst klimaschonend mobil zu sein. Sprecherin Enzi Magerl-Ziegler nennt einige Beispiele: „Sei es mit dem Deutschlandticket im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV), mit dem Fahrradleasing oder mit Ladesäulen für E-Fahrzeuge auf dem Betriebsgelände.“ Vitesco begrüßt daher grundsätzlich jede Initiative der Stadt, die Verkehrs- und Infrastruktur in und um Regensburg zukunftsfähig weiterzuentwickeln – und damit nachhaltige Mobilität attraktiver zu gestalten.

• Chef der Maschinenfabrik für einen „Befreiungsschlag“

Nach Urteil von Nicolas Maier-Scheubeck, Geschäftsführer der Maschinenfabrik Reinhausen (MR), befindet sich der Großraum Regensburg infrastrukturell in einer kritischen Lage. „Insofern begrüßen wir es, dass sich die Politik um einen Befreiungsschlag bemüht.“ Maier-Scheubeck fordert aber, dabei über die Stadtgrenzen hinweg zu denken und zu handeln. Die unvollendete Pilsen-Allee solle hierfür – im Positiven, wie Negativen – eine Mahnung sein. Im Standortwettbewerb seien für Menschen und Unternehmen die Attraktivität, Mobilität und Wirtschaftlichkeit von entscheidender Bedeutung. Aus Sicht des nördlich der Donau angesiedelten Unternehmens kommt es auf die kurztaktige Anbindung des Umlands und ein schnelles, innerstädtisches Vorankommen an. „Leider greift keine der beiden geplanten Linien bis nach Haslbach oder die angrenzenden Landkreis-Gemeinden aus, in welchen die Mehrheit der MR-Mitarbeiter wohnt“, bedauert Maier-Scheubeck. Er vermisst eine Abstimmung mit Parkhäusern und anderen Verkehrsträgern.

Zudem lasse die Vielzahl der geplanten Haltepunkte im Zentrum kein zügiges Vorankommen erwarten, die teilweise parallele Streckenführung der beiden Linien überzeuge nicht. Nach Einschätzung des MR-Chefs wird kein Alleinstellungsmerkmal in puncto integriertes Verkehrskonzept und angewandte Zukunftstechnologie angestrebt. „Vermutlich wird die geplante Technik bereits bei Baubeginn durch fahrerlose Transportsysteme und mit künstlicher Intelligenz vernetzte Verkehrsträger überholt sein.“ Der Sprecher der MR-Geschäftsführung bezweifelt, dass die schienengebundene Lösung jemals kostendeckend betrieben werden kann. Die Planung erscheine auf den Stadtsüden und den ÖPNV fokussiert sowie zu Lasten der Straßen angelegt. Der Bedarf für eine rasche Überwindung von Distanzen im Großraum Regensburg sei auf Sicht vorhanden. Für die MR beinhalteten die Streckenführungen keinerlei Vorteile. „Mutiger gedacht könnte man mit weniger Kapitaleinsatz schneller mehr erreichen – zumal bei Stimulierung marktwirtschaftlicher Lösungen“, ist Maier-Scheubeck überzeugt. „Warum hat man nicht einfach verkehrsträgerunabhängige Trassen definiert und das Thema dann technologieoffen vorangetrieben? Neben einer Straßenbahn und E-Bussen gäbe es etwa die Möglichkeit flexibel verketteter autonomer Fahrzeuge innerhalb einer technisch abgegrenzten Spur.“

• Infineon hofft auf Lösungen für die Mitarbeiter

Infineon Regensburg steht dem Bau der Stadtbahn weder positiv noch negativ gegenüber. Jörg Recklies, Sprecher der Betriebsleitung, sagt: „Wir begrüßen jedoch grundsätzlich Bestrebungen, die es unseren Mitarbeitern ermöglichen, einfach und schnell an ihren Arbeitsplatz zu gelangen.“

• Continental setzt auf umweltfreundliches Pendeln

Für den Autozulieferer Continental Regensburg ist das Thema Nachhaltigkeit seit vielen Jahren ein zentraler Bestandteil. „Wir unterstützen verschiedene Initiativen für eine nachhaltige Mobilität in der Region“, betont Sprecherin Elke Härtl. Wichtig sei dem Unternehmen, den Beschäftigten ausreichend Möglichkeiten zu bieten, nachhaltig, umweltschonend und klimaneutral an den Standort zu kommen und sich fortzubewegen. Mit dem breiten Standort-Angebot biete Continental selbst bereits heute die Möglichkeit, auf diverse Arten emissionsarm oder emissionsfrei zur Arbeit zu kommen.

• Siemens unterstützt den Stadtbahn-Bau

Der Konzern stehe für Nachhaltigkeit und umweltfreundliche Mobilität, sagt Sprecher Bernhard Lott. „Daher begrüßt Siemens Regensburg die Initiative einer Straßenbahn für Regensburg.“ Sie erweitere das bisherige Angebot des Öffentlichen Personennahverkehrs der Stadt um ein zusätzliches, nachhaltiges Verkehrsmittel, das die Bürger zuverlässig von A nach B bringt und zugleich den Straßenverkehr entlastet. „Damit trägt die Straßenbahn auch dazu bei, die CO2-Bilanz der Stadt zu verbessern“, erinnert Lott. Im Übrigen hat die Präsenz von Siemens in Regensburg 1911 mit dem Bau der ersten elektrischen Straßenbahn der Stadt begonnen.

MR-Chef Nicolas Maier-Scheubeck fordert, über die Stadtgrenzen hinaus zu denken. Foto: altrofoto.de
Jörg Recklies, Sprecher der Betriebsleitung von Infineon Regensburg, wünscht sich, dass die Beschäftigten einfach und schnell in die Arbeit kommen. Foto: altrofoto.de