OB legt Zahlen vor: Auch ohne Stadtbahn hätte Regensburg Kosten von 1,5 Milliarden

Von Rainer Wendl · 21. Mai 2024 um 17:00

Das gleiche Geld für eine schlechtere Lösung? Dieses Szenario käme laut der Oberbürgermeisterin auf Regensburg zu, wenn die Stadtbahn scheitert.

Es war die vielleicht wichtigste Äußerung an einem an brisanten Wortmeldungen reichen Abend: „In 30 Jahren sind die Kurven beieinander. Für ein Bussystem würden wir das gleiche Geld ausgeben, aber sehr viel weniger damit schaffen“, sagte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer vergangene Woche bei der großen Stadtbahn-Diskussion der MZ.

Rund 1,5 Milliarden müsse die Stadt im genannten Zeitraum für einen leistungsfähigen ÖPNV aufbringen, egal ob die Stadtbahn gebaut wird oder nicht, lautete ihre Botschaft. Flankiert von Experten wie Stadtwerk-Geschäftsführer Manfred Koller präzisierte sie am Dienstag diese Zahlen.

Kostspieliges E-Bussystem

„Das war sicher für viele überraschend“, sagte Maltz-Schwarzfischer zu der Prognose, „aber das wurde kurz vorher erst errechnet.“ Zuständig dafür war ein Team aus Mitarbeitern des Stadtwerks und der Stadtkämmerei, das die langfristigen Kosten für ein Netz aus Stadtbahn und Bussen mit denen des nur mit Bussen betriebenen „Ohne-Falls“ verglich. „Ein reines Bussystem geht auch, aber das würde den Verkehr nicht so gut abwickeln können. Und es kostet fast das gleiche. Das sollte uns schon zu denken geben“, bilanzierte die Oberbürgermeisterin erneut.

Gemäß der Rechnung käme ein System ohne Stadtbahn insgesamt nur 30 Millionen Euro günstiger. Zugrunde gelegt wurde ein – von Stadtbahn-Gegner immer geforderter – ausgebauter Busverkehr mit deutlich verdichtetem Takt und neuen Tangentiallinien.

Im Vergleich zu einer Lösung mit Stadtbahn bräuchte man dafür unter anderem 505 statt 385 Fahrer, die Personalausgaben stiegen so um sieben Millionen Euro pro Jahr. Der Fuhrpark müsste 202 statt 130 E-Busse stark sein. Diese hätten nicht nur eine wesentlich geringere Lebensdauer als Stadtbahn-Fahrzeuge, sondern benötigten zudem nach rund acht Jahren eine frische Batterie. Diese sei mit 400 000 Euro halb so teuer wie ein neuer Bus.

„Auf lange Sicht kann man mit einer guten Wahrscheinlichkeit sagen, dass sich die Kosten beider Systeme einander annähern – mit einem deutlich geringeren Nutzen, was das Bussystem angeht“, kam Koller zu einem ganz ähnlichen Fazit wie die OB. Der Stadtwerk-Chef ergänzte noch, dass auch erhebliche Straßenbaukosten hinzukämen, „wenn 18-Meter-Busse mit Batterie durch die Stadt rollen“. Diese Ausgaben seien in die jetzt erstellte Prognose „noch gar nicht eingerechnet“.

Appell für fairen „Wahlkampf“

Kennt das neue Zahlenwerk auch das restliche politische Spitzenpersonal? „Das bekommen jetzt alle, ausführlich aufbereitet“, kündigte das Stadtoberhaupt an. Vor Wochenfrist war Maltz-Schwarzfischer von ihren Bürgermeister-Kollegen noch düpiert worden.

So legte sich Ludwig Artinger (Freie Wähler) angesichts eines prognostizierten Eigenkosten-Anteils von 500 Millionen Euro für die Stadt fest: „Das können wir uns leider nicht leisten.“ Astrid Freudenstein (CSU) brachte ihre Zweifel mit den Worten „Es ist nicht leicht zu finanzieren“ zum Ausdruck und untermauerte dies mit einer möglichen Schuldzinsen-Belastung von 50.000 Euro – pro Tag.

Diese bedrohlich wirkende Zahl kommentierte die Oberbürgermeisterin am Dienstag betont gelassen: „Da waren wir schon mal, unter OB Schaidinger. Und, ist die Stadt daran zugrunde gegangen? Das kann eine Stadt unserer Größenordnung schon schultern.“ Die Erkenntnis, dass ein System mit Stadtbahn auf Dauer nicht teurer sei als der „Ohne-Fall“, habe sie „noch einmal überzeugt, dass wir uns auf den richtigen Weg gemacht haben“.

Erwartungsgemäß skeptisch bleibt Christian Pöschl, Sprecher der Initiative „Gleisfrei Regensburg“. Selbst wenn beide Systeme auf 30 Jahre tatsächlich auf den gleichen Betrag von 1,5 Milliarden Euro kämen, gibt er zu bedenken: „Das eine muss die Stadt nach und nach bezahlen, das andere gleich.“

Nichts einzuwenden hat er gegen diesen Appell der OB: Sie fordert die Regensburger auf, sich in der Endphase des Stadtbahn-„Wahlkampfs“ trotz unterschiedlicher Auffassungen „demokratisch, vernünftig und anständig“ zu verhalten.