Große MZ-Diskussion zur Regensburger Stadtbahn: Kosten sind das Hauptthema

Von Rainer Wendl · 14. Mai 2024 um 17:00

Nicht finanzierbar oder auf lange Sicht sogar günstiger als ein reines Bussystem? Bei der großen MZ-Diskussionsveranstaltung zum Thema Stadtbahn ging es vor allem um die Finanzen.

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„Gibt’s hier keine Klimatisierung?“, fragte Michael Lehner, als er am Montag um kurz vor 22 Uhr den Konferenzraum der MZ verließ. Nach fast drei Stunden Stadtbahn-Diskussion war die Luft tatsächlich sehr verbraucht, doch nicht nur der CSU-Fraktionschef, sondern auch alle anderen der knapp 100 Gäste der Veranstaltung harrten bis zum Ende aus. Es lohnte sich, denn die von Christine Straßer, Leiterin der Lokalredaktion für Stadt und Landkreis Regensburg, sowie MZ-Chefreporter Christian Eckl moderierte Gesprächsrunde war höchst informativ, ausgewogen und fair.

Auf dem Podium vertraten Unternehmer Stefan Aumüller und Bahn-Experte Tobias Schiedermeier die Gegner des Projekts, als Befürworter der Stadtbahn traten Wolfgang Bogie vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Bernd Rohloff vom Architekturkreis Regensburg auf. Komplettiert wurde die Riege durch Frank Steinwede, Stadtbahn-Projektleiter beim Stadtwerk Mobilität (SMO).

OB: Bussystem gleich teuer

Wenig überraschend kristallisierten sich schon früh in der Debatte die Finanzen als Schwerpunktthema heraus. Die dafür eigens aufs Podium gebetene Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) hatte eine Vergleichsrechnung parat: Über einen Finanzierungszeitraum von 30 Jahren koste die Stadtbahn mit einem auf sie abgestimmten Bussystem 1,5 Milliarden Euro, der „Ohne-Fall“, also ein optimiertes Bussystem alleine, liege bei knapp unter 1,5 Milliarden Euro.

„In 30 Jahren sind die Kurven beieinander. Für ein Bussystem würden wir das gleiche Geld ausgeben, aber sehr viel weniger damit schaffen“, meinte das Stadtoberhaupt und betonte die Langfristigkeit des Projekts: „Wir planen dieses Verkehrssystem nicht für uns, vielleicht nicht einmal für unsere Kinder, sondern für unsere Enkel.“

Bogie bemühte das beliebte Bild von der privaten Hausfinanzierung. Die Stadtbahn sei zwar anfangs teuer, später aber viel günstiger im Unterhalt. Zudem liefere der Staat mit seiner großzügigen Bezuschussung „auf einem goldenen Tablett“ 60 Prozent des insgesamt nötigen Geldes. „Ich würde dieses Haus sofort nehmen.“

Bei den Gegnern drang er damit nicht durch. Schiedermeier forderte eine Neuberechnung für ein Schnellbussystem, Aumüller zweifelte den in der Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) ermittelten Wert von 1,54 an. „Der Nutzen wird hauptsächlich durch den Geschwindigkeitsgewinn definiert“, sagte er und argumentierte, dass in einer Stadt der kurzen Wege wie Regensburg eine Zeitersparnis von zwei, drei Minuten nicht ins Gewicht falle.

„Was sind die Alternativen, Herr Aumüller?“, griff Steinwede dies direkt auf und gab die Antwort gleich selbst: Wenn man nur Busse durch Busse ersetze, bleibe der Anteil des ÖPNV am Gesamtverkehr beim jetzigen Wert von elf Prozent hängen. „Das ist im Vergleich zu anderen Städten grottenschlecht. Die Akzeptanz einer Bahn ist doppelt so groß wie die eines Busses.“

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Der im Publikum sitzende Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg, Martin Kammerer, wiederholte derweil seine Zweifel an dem Projekt: „Die Mitglieder unseres Gremiums sind von der NKU nicht überzeugt.“ Durch die hohen Kosten für die Stadtbahn gerate überdies die Finanzierbarkeit anderer wichtiger Vorhaben wie die TechBase 2, die Sallerner Regenbrücke oder der Ausbau der Nordgaustraße in Gefahr.

„Koste es, was es wolle“, lautet hingegen die Haltung von Rohloff zur Stadtbahn, denn dieses Projekt sei entscheidend für die Zukunftsfähigkeit der Stadt, nicht zuletzt im Hinblick auf die Verkehrswende. Zugleich forderte er mehr Vertrauen in die Expertise der Fachleute, die den Busverkehr schon jetzt am Limit sehen. „Ja Himmel-Herrgott, lassen Sie uns das doch mal glauben!“, so sein Appell. Die Streckenführung der Stadtbahn bewertete er folglich als „gut geplant“.

Auch das sah Schiedermeier anders, denn für die meisten Stau-Schwerpunkte bringe die Stadtbahn keine Entlastung. Aumüller kritisierte, dass 30 Prozent der 17 Kilometer langen Strecke im Mischverkehr verlaufen. Hier stehe die Stadtbahn dann mit im Stau. An Abschnitten wie der Wöhrdstraße und der Galgenbergstraße werde zudem die Situation für Radfahrer schlechter.

Hier konterte Steinwede, dass gerade in diesen Bereichen eigene Radwege ein elementarer Teil der Planung seien. Was die oft bemängelte fehlende Anbindung des Landkreises angeht, verwies VCD-Mann Bogie auf mögliche Erweiterungen nach Neutraubling, Pentling und Lappersdorf.

Applaus für den OTH-Chef

Zu den am heißesten diskutierten Routen zählt die Querung des Hochschul-Campus. OTH-Präsident Ralph Schneider berichtete, dass es hier noch keine Lösung gebe, die laufenden Gespräche aber zu einer führen würden. Grundsätzlich merkte er an, dass in der Forschung andere Zeithorizonte relevant seien. Die Perspektive sei das Jahr 2040 und später, mit Blick auf die Kinder und Enkel gelte daher: „Wir brauchen mehr Mut, solche Dinge anzupacken.“ Damit gehörte ihm der lauteste Beifall des Abends.

Bezüglich der Planung in Burgweinting meldete sich aus dem Publikum Barbara Krause zu Wort und prangerte die nötigen Baumfällungen an: „Wo ist da das Thema Umwelt?“ Bogie sah hier kein Problem. Er zitierte ein Mitglied vom Bund Naturschutz, wonach es an der Strecke durch den Aupark keinen Baum mehr gebe, an den man sich ketten müsse.

Einen denkwürdigen Auftritt legte Ludwig Artinger hin. Der Umwelt-Bürgermeister von den Freien Wählern, bislang noch nie öffentlich als Stadtbahn-Gegner in Erscheinung getreten, verkündete aus Kostengründen seinen Abschied von dem Projekt und äußerte seine Verwunderung darüber, dass die Baumfällungen keine Proteste hervorrufen. Die Oberbürgermeisterin reagierte sichtlich fassungslos. Von den Wortmeldungen ihrer anderen Bürgermeister-Kollegin schien sie hingegen nicht überrascht. Astrid Freudenstein (CSU) ließ kein gutes Haar an der Stadtbahn und sagte: „Jetzt ist mal gut mit Planen.“

Der leitende Planer Steinwede sah dies naturgemäß anders. Mit den Worten „Es ist zu früh, das Projekt abzubrechen“ warb er für ein weiteres Jahr Planungszeit. Am 9. Juni entscheiden die Regensburger darüber, ob er es bekommt.

Die Stadtbahn-Befürworter Bernd Rohloff (l.) und Wolfgang Bogie mit Moderatorin Christine Straßer