Klares Ja zur Regensburger Stadtbahn: Ex-OB Schaidinger bricht zehnjähriges Schweigen

Überraschende Wortmeldung eines Mannes, der Regensburg geprägt hat: In einem Video positioniert sich Ex-Oberbürgermeister Hans Schaidinger als Stadtbahn-Befürworter.
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Exakt seit zehn Jahren ist Hans Schaidinger nicht mehr im Amt. Genauso lange hat sich der frühere Regensburger Oberbürgermeister an den selbst auferlegten Grundsatz gehalten, sich nicht zu tagesaktuellen Fragen der Lokalpolitik zu äußern. Eine kleine Ausnahme war lediglich sein öffentlicher Jubel über die Beförderung des Theaters Regensburg zum Staatstheater.
Jetzt aber bezieht Schaidinger zu einem viel brisanteren Thema Stellung: Einen Monat vor dem Bürgerentscheid positioniert er sich als klarer Befürworter der Stadtbahn-Planung.
„In welcher Stadt will ich in 20, 30 Jahren wohnen?“
In einem gut zwei Minuten langen Video, das unter regensburg.de/stadtbahn zu sehen ist, antwortet der Ehrenbürger auf die Frage, warum Regensburg jetzt auf eine Stadtbahn setzen sollte: „Man muss immer schauen: In welcher Stadt will ich in 20, 30 Jahren wohnen? In dieser Zeit wird sich die Stadt verändern und unser Verkehrssystem wird sich verändern. Jetzt wissen wir, dass es geht mit einer Stadtbahn, dass wir Zuschüsse bekommen, Und daher ist jetzt der Zeitpunkt zu entscheiden.“
Im weiteren Verlauf des Videos blickt Schaidinger auf seine Amtszeit zurück, in der das Thema „Stadtbahn“ ebenfalls bereits eine Rolle gespielt hatte. „Das haben wir früher auch schon gerechnet, 2004 und 2008“, sagt er.
Damals sei jedoch das für „ordentliche Zuschüsse“ maßgebliche Ergebnis der Nutzen-Kosten-Untersuchung nicht über dem erforderlichen Wert von größer eins gelegen. „Aber jetzt sind wir drüber, ordentlich drüber. Das heißt, der Nutzen ist belegt, jetzt können wir uns entscheiden. Und es gibt auch keinen Grund mehr, lange zu warten“, so Schaidinger.
„Stadt verändert sich immer“
Zu einer etwaigen bei den Bürgern bestehenden Angst vor Veränderung meint das langjährige Stadtoberhaupt: „Eine Stadt verändert sich immer. Wer in Regensburg 25 oder 50 Jahre zurückschaut, hat eine ganz andere Stadt vor sich.“ Entscheidend sei, ob man den Wandel gestalten wolle.
Mit einem Bussystem, das selbst bei gravierenden Investitionen an sein technisches Ende gelange, sei keine Weiterentwicklung möglich. Daher stelle sich die Frage: „Wollen wir ein System, das deutlich leistungsfähiger ist, oder wollen wir das nicht? Wenn man schaut, wie sich die Stadt verändern wird, dann kommt man zu einer positiven Entscheidung.“
Schaidinger weiß, dass diese Worte Gewicht haben – insbesondere nach einer eisern durchgehaltenen zehnjährigen Sendepause. „Das Thema ist mir wichtig genug, um eine Ausnahme zu machen. Das ist eine für Regensburg und die Zukunft von Regensburg sehr wichtige Frage“, erklärt er. Ob er sich bis zum Bürgerentscheid nun öfter äußern werde, wisse er noch nicht. Dieses eine Mal aber habe er es „gerne und aus Überzeugung“ getan.
Wortmeldung aus politischer Sicht pikant
Schaidingers Wortmeldung ist nicht nur überraschend und deutlich, sondern vor allem auch aus politischer Sicht pikant. In der aktuellen Generation der Regensburger CSU sind die Stadtbahn-Befürworter nämlich extrem rar gesät. Fraktionschef Michael Lehner bemüht sich, die nicht mit der Partei abgestimmte Äußerung der früheren CSU-Lichtgestalt betont unaufgeregt zu kommentieren: „Er ist Privatier und darf sagen, was er meint. Das passt schon so.“