Hans Schaidinger feiert 75. Geburtstag – und alte Weggefährten geben sich die Ehre

Hans Schaidinger war 18 Jahre Regensburger Oberbürgermeister. Nun feiert er 75. Geburtstag. Im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses lief am Freitag die politische Prominenz von heute und früher auf, um dem Ehrenbürger der Stadt zu gratulieren.
Als der Festakt läuft, verfolgt Hans Schaidinger mit festem Blick, in sich gekehrt, die Reden der Laudatoren. Jedes Wort scheint er genau zu notieren. Manchmal nickt er bedächtig, manchmal kommt ihm ein leichtes Schmunzeln aus. Aber aus der Ruhe bringt ihn heute eigentlich nichts. Nun, bis auf seine drei Enkelkinder, die eine Reihe hinter ihm sitzen. Mal mehr, manchmal weniger ruhig. Und wenn er aus dieser Ecke was hört, dreht Schaidinger den Kopf. Sein strahlendes Lächeln und der Stolz in seinen Augen sprechen dann für sich: Es gibt in der Tat noch weit mehr als die Politik.
Kurz vor 11 Uhr ballt es sich am Freitag vor dem Eingang zum prachtvollen Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses. Es ist, wie soll man es anders bezeichnen, eine illustre Schar an Gästen. Da ist zum einen die aktuelle Riege der Regensburger Politik. Schaidinger ist seit zehn Jahren nicht mehr im Amt. Eine neue Generation hat übernommen.
Jeder stellt sich korrekt an
Die Bürgermeister Astrid Freudenstein und Ludwig Artinger sind da, Landrätin Tanja Schweiger und die Landtagsabgeordneten Jürgen Eberwein und Patrick Grossmann. Selbst die Hausherrin, Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer, stellt sich ganz korrekt in der Reihe an und wartet, bis sie dran ist, das Geburtstagskind zu begrüßen. Der schüttelt natürlich auch die Hände enger Weggefährten von früher. Die einstige Regierungspräsidentin Brigitta Brunner ist gekommen, der frühere Landrat Herbert Mirbeth, der frühere Bürgermeister Gerhard Weber, die einstigen städtischen Referenten Dieter Daminger, Wolfgang Schörnig und Klemens Unger und auch prominente CSU-Politikerinnen wie Emilia Müller und Maria Eichhorn.
Eins fällt beim sich lange hinziehenden Empfang auf: Schaidingers Händedruck, sein Lächeln oder sein Schulterklopfen, das alles scheint nicht im Geringsten vom Parteibuch des Gegenübers abzuhängen. Später wird er das auch sagen: Dass er sich immer in erster Linie der Stadt Regensburg verpflichtet gefühlt habe, und erst dahinter – manchmal sogar auch ziemlich weit dahinter – der CSU.
Die Oberbürgermeisterin zeichnet dann in einer schwungvollen Rede ein detailliertes Bild Schaidingers. Von einem Menschen, der als Arbeitstier galt. Einer, auf den sich seine Mitarbeiter verlassen hätten können. Der, wenn er an eine Sache geglaubt habe, keinen Konflikt scheute. Und der am Ende des Tages vor allem eines gewesen sei: „Ein überzeugter Regensburger.“
Den Sturm der Korruptionsaffäre, der aufkam, als Schaidinger schon im Ruhestand war, hakt Maltz-Schwarzfischer kurz und knapp ab. Sie sei froh, dass sich die Vorwürfe gegen Schaidinger nicht bewahrheitet hätten, sagt sie. Und übergibt ihm wie zur Illustration als Präsent der Stadt ein Bild des Regensburger Künstlers Jörg Schemmann. Die stürmische See, welche er gemalt hat, könnte sinnbildlich auch die sein, durch die Schaidinger manches mal Regensburg geführt habe, meint Maltz-Schwarzfischer.
„Bei Bedarf Zähne zeigen“
Danach spricht Straubings Oberbürgermeister Markus Pannermayr. Der ist mittlerweile auch Vorsitzender des Bayerischen Städtetags, genauso wie einst Schaidinger. Und diesem attestiert er, dass er das, was es für diesen Posten braucht, zweifellos gekonnt habe: „Bei Bedarf Zähne zeigen und manchmal auch kräftig zubeißen können.“
Schaidinger hing zu seinen aktiven Zeiten stets der Ruf eines strammen Machtpolitikers an. Einem, der Gefühle, wenn sie ihn vom Kurs abbringen könnten, bis nach Dienstschluss ausblendet. Nun, an seinem Ehrentag, wirkt er anders. Als er selbst ans Rednerpult tritt, spricht er übers Loslassen. Sein Amt habe ihm unwahrscheinlich viel Freude bereitet, erzählt er. Als es vorbei war, habe er sich aber gesagt: Andere haben auch gute Ideen, andere können auch was. Es müsse nicht immer er selbst sein. Und noch mehr: Er habe sich auch aus voller Überzeugung gewissen Abstand verordnet, hat die Arbeit seiner Nachfolger nicht öffentlich kommentiert und dabei, wie er sagt, frei nach Karl Valentins Leitsatz gehandelt: „Der hat gesagt: Wenn man nichts mehr zu sagen hat, soll man trotzdem den Mund halten.“
Allerdings: Wenn er will, spielt er als Redner doch noch irgendwie in seiner ganz eigenen Liga. Wie als ob die Zeit zehn Jahre zurück gedreht wurde, hat er am Freitag bereits mit den ersten Sätzen den ganzen Raum im Griff.
Der Blick in die Zukunft
Mal scheinbar lose vom Manuskript ablesend, mal scheinbar spontan referiert er über sein Verständnis von Kommunalpolitik. Und in diesem habe er sich früher immer und immer wieder aufs Neue eine Frage gestellt: „In welchem Regensburg wollen wir in 20 Jahren leben?“ Dies sei sein Antrieb gewesen. Einfach stehenbleiben, das sei Rückschritt, das sei ein großer Fehler, findet er.
Immer wieder ist während des Festakts von Schaidingers Verbundenheit zu Regensburg die Rede. Er selbst bittet um Spenden für die ansässigen Hilfsorganisationen Donum Vitae und den Strohhalm. Für wundervolle Musik sorgen Schüler des Von-Müller-Gymnasiums. Am Ende wechseln alle Gäste noch auf einen kurzen Umtrunk ins Nebenzimmer. Der Mittelbayerischen verrät der Jubilar zuvor, dass es ihm gesundheitlich sehr gut gehe und sein Leben immer noch voll ausgefüllt sei. Schaidinger hat viele Hobbys, ist unter anderem passionierter Pilot. Auch seine Stammtischrunden in der Altstadt pflege er nach wie vor, erzählt er. Und am Freitag wird nach dem Festakt noch weitergefeiert. Dann allerdings „im engsten familiären Kreis“, erzählt er. Mit seiner Frau Edelgard, seiner Tochter Saskia und seinem Sohn Veit. Und vor allem mit seinen Enkeln, denen er dann wieder ganz alleine gehört.


