Dieser Schnauzer prägte Regensburg: Was wäre, würde Hans Schaidinger noch regieren?

Von Christian Eckl · 13. Februar 2024 um 05:00

Der frühere Oberbürgermeister und Ehrenbürger Hans Schaidinger wird 75 Jahre alt. Wegbegleiter und frühere Kontrahenten zeichnen von dem den CSU-Politiker das Bild eines Entscheiders, der Regensburg prägte. Dabei agierte Schaidinger nicht immer nur zimperlich.

Es gibt ein Buch über ihn, das trägt den Titel: „Wer ist das?“ Schon der Untertitel verrät ein wenig mehr: „Wie man Oberbürgermeister wird“, steht im 90er-Jahre-Style auf dem giftgrünen Büchlein, das 1998 im Verlag der Mittelbayerischen Zeitung erschien. Der Titel kommt nicht von Ungefähr: „Wer ist das?“ war der Wahlkampfslogan auf den Plakaten, mit denen ein gewisser Hans Schaidinger in den Wahlkampf 1996 zog – und die amtierende SPD-Oberbürgermeisterin Christa Meier aus dem Amt hievte.

So ziemlich genau vor zehn Jahren saß der sonst durchaus schlachterfahrene CSU-Politiker Schaidinger mit einer Träne im Auge unter dem Kaiser-Baldachin im Reichssaal. Neben ihm saß Horst Seehofer, damals noch im Amt des Ministerpräsidenten. 2014 war das, der Anlass sein Abschied. Zehn Jahre später feiert Hans Schaidinger am 23. Februar nebenan im Kurfürstenzimmer seinen 75. Geburtstag.

Schön wäre sicher gewesen, wenn an dieser Stelle zu lesen wäre, wie Hans Schaidinger die heutige Stadtpolitik kommentiert und wie er die eigene Ära bewertet. Das wird die Öffentlichkeit aber nicht erfahren. „Ich bitte um ihr Verständnis, dass ich Ihnen für ein Interview nicht zur Verfügung stehe. Grüße, Hans Schaidinger“ war das einzige, was der Alt-Oberbürgermeister und Ehrenbürger der Stadt mitteilen wollte. Damit blieb er sich treu: Schaidinger ist seit dem Ausscheiden aus seinem Amt Pensionist. Ausschließlich. Damit unterscheidet er sich von anderen unter ihm in der Hierarchie, die aus dem Pensionistensessel heraus gerne Leserbriefe schreiben und durchaus in der Öffentlichkeit auftreten. Letzteres macht Schaidinger nur sehr dosiert.

Er kommt – und schweigt

Kürzlich kam er beispielsweise, als das frisch sanierte Kepler-Museum eröffnet wurde. Seine hohe Stirn kräuselt sich dann etwas und der Schaidinger-Schnauzer lüpft sich, wenn seine Verdienste am Rande erwähnt werden. Journalisten grüßt er – zumindest manche – eher aus Versehen.

Einer, der mit ihm in seiner Amtszeit so manchen Strauß ausfocht, ist der frühere CSU-Stadtrat Hans Renter. „Ich habe bis heute großen Respekt vor seiner wirtschaftlichen Leistung als Oberbürgermeister“, sagt Renter. So sei es maßgeblich Schaidingers Verdienst, dass es heute den Biopark neben der Universität gibt, dessen dort angesiedelte Unternehmen im Bereich Lifesciences forschen. Auch seine Durchsetzungskraft erwähnt der CSU-Politiker: „Ob wir heute noch eine Erweiterung der Nibelungenbrücke hinbekommen würden wie er, das wage ich auch zu bezweifeln.“ Zudem sei auch das neue Fußballstadion sein Verdienst gewesen. Renters Aussagen führen dann aber auch zu den Schattenseiten der Ära Schaidinger. Das Fußballstadion, so viel wissen wir heute, war nicht denkbar ohne das Engagement des Bauträgers Volker Tretzel beim Jahn. Tretzel und Schaidinger verband, was Alpha-Männer wie der frühere Oberbürgermeister häufig pflegen: Zweckbeziehungen. Dass Schaidinger anders als sein Nachfolger Joachim Wolbergs in Sachen Spendenaffäre vollkommen mit weißer Weste herauskam, wunderte manchen Beobachter nicht. Schaidinger soll auf Tretzels Mails nie konkret, sondern stets allgemein geantwortet haben.

„Es gab eine Zeit, da ging es ihm deshalb nicht so gut“, weiß Astrid Freudenstein, Bürgermeisterin und CSU-Politikerin. „Es war ihm sehr wichtig, dass an den Vorwürfen überhaupt nichts dran war.“ Von ihm habe Freudenstein alles gelernt, was sie über Kommunalpolitik weiß: „Beeindruckt hat mich sein Credo, dass es egal ist, ob ein Vorschlag schwarz, grün, rot oder gelb ist – es muss der Beste für die Stadt sein“, schildert Freudenstein. Dass Schaidinger nicht in die Leserbriefschreiber-Fraktion wechselte und sich öffentlich nicht mehr zu aktuellem Geschehen äußert, findet die CSU-Politikerin „sehr klug“. Wenn man ihn um Rat fragt, antwortet er, sagt sie. „Ansonsten aber hält er sich zurück.“

Freudenstein sagt auch: „Jeder, der je mit ihm zusammengearbeitet hat, der kennt seine Kantigkeit. Er war nie Everybody’s Darling, aber eben auch nie Everybody’s Depp.“ Dass Schaidinger auch die Regensburger CSU vor eine Zerreißprobe stellte, als diese wegen rechtsextremer Umtriebe in die Schlagzeilen geriet, weiß auch Hans Renter, der damals zum Lager der Schaidinger-Gegner gehörte. Er sagt aber auch: „Schaidinger blieb bei Auseinandersetzungen fair.“

Regensburgs dritter Bürgermeister Ludwig Artinger findet, Schaidingers Regentschaft von 18 Jahren sei schon „eine lange Spanne gewesen“. Der Freie Wähler hat nach eigenem Bekunden „selbst unter seiner stringenten Art der Verhandlungsführung gelitten“. Aber aus heutiger Sicht müsse Artinger auch einräumen, „dass ich mir diese Zielorientiertheit und die Stringenz der Entscheidungsfindung selbst zu eigen gemacht habe“. Aus Ludwig Artinger sei auch ein Stück weit Hans Schaidinger geworden. „Er war immer top vorbereitet“, lobt der einstige politische Kontrahent den Kommunalpolitiker im Ruhestand.

Sein Lieblingsfeind grüßt

Ein bisschen wie Hund und Katz’, so kann man es beschreiben, verhielten sich stets Norbert Hartl (SPD) und Hans Schaidinger zueinander. Sechs Jahre regierten sie miteinander, zuvor war Hartl Oppositionsführer. „Es war eine Zeit zum Wohle unserer Stadt“, sagt Hartl zumindest über die Phase der gemeinsamen Regierung 2008 bis 2014. „Ich denke gerne an diese Zeit zurück, in der viel in Regensburg bewegt wurde.“ Hartl attestiert Schaidinger zwei Eigenschaften: Sein hohes Fachwissen. Und seine Fairness auch im Zwist.

Info: Ein Empfang für den Jubilaren

Empfang: Schon zu seinem 70. Geburtstag richtete die Stadt Regensburg einen Empfang im Kurfürstenzimmer des Alten Rathauses aus. Auch diesmal wird zu Ehren von Hans Schaidinger eingeladen: Nämlich am 23. Februar, also am Tag seines Geburtstages, um 11 Uhr.

Kosten: Die Stadt lädt für alle ehemaligen Bürgermeister und Oberbürgermeister ab dem 60. zu runden Geburtstagen ein, ab dem 70. auch zu halbrunden. Zuletzt wurde für Schaidinger 2019 ein solcher ausgerichtet, der kostete noch 3300 Euro – diesmal kostet‘s 3600.

Schaidinger gewann 1996 gegen die SPD-Politikerin Christa Meier.
Galt als einflussreich: Edelgart Schaidinger mit ihrem Mann.
2008 setzte sich Schaidinger knapp gegen Wolbergs durch.