Drogen-Labor in Regensburg: Haftstrafe für Sohn des Captagon-Paten

Als das BKA zugreift, läuft die Tabletten-Produktion in der Autowerkstatt: Das Landgericht hat einen 31-Jährigen aus Regensburg zu vier Jahren Haft verurteilt. Sein Komplize (52) muss acht Jahre und neun Monate ins Gefängnis.
Er hat geholfen, im großen Stil Drogen für den internationalen Schmuggel zu produzieren: Ein 31-Jähriger aus Regensburg ist deshalb zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht in Ellwangen (Baden-Württemberg) sprach den Automechaniker wegen Beihilfe zum Rauschgifthandel in nicht geringer Menge schuldig. Im Prozess um Deutschlands „größtes Drogen-Labor für Captagon“ in Regensburg ging es um Amphetamin-Tabletten im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro – das letzte Wort aber noch nicht gesprochen.
Am 3. Juli 2023 hatte das Bundeskriminalamt (BKA) eine Autowerkstatt in Regensburg gestürmt. Zwei Männer wurden verhaftet. Der mutmaßliche Drahtzieher jedoch wurde nie gefasst. Der Vater des 31-jährigen Angeklagten aus Regensburg war der Mieter der Autowerkstatt – und wohl auch der Kopf des Drogen-Labors. Nach ihm wird international gesucht; er war nur einen Tag vor der Razzia ausgereist, wie am Montag bekannt wurde. Dennoch griffen die Fahnder zu.
Das Landgericht verurteilte seinen Sohn nun wegen Beihilfe. Er hatte im Prozess gestanden, bei der Herstellung der Tabletten geholfen zu haben, betonte aber, vom Vater abhängig gewesen zu sein. Mit dem Urteil lag die Strafkammer über dem Antrag der Strafverteidiger Burkhard Benecken und Levinia Stevens. Die hatten in den Plädoyers Bewährung oder hilfsweise eine Strafe, die offenen Vollzug ermögliche, beantragt. Der Staatsanwalt hatte dagegen sechs Jahre gefordert, hatte zum Tatbeitrag aber ebenfalls nur Beihilfe angenommen.
Gericht sieht 52-Jährigen als Mittäter des Paten
Anders endete der Prozess für den Mitangeklagten, der ebenfalls aus Syrien stammt: Der 52-Jährige wurde zu acht Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt. Laut der Kammer war er tief in die Drogengeschäfte involviert. Dafür sprächen überwachte Telefonate und Chats, aber auch Reisen, wie eine mehrtägige Fahrt nach Wien. Das hatte das BKA anhand von Standortdaten auf dem Handy rekonstruiert. Von Österreich war der 52-Jährige direkt nach Bruck (Lkr. Schwandorf) gefahren, wo der bis heute flüchtige 48-Jährige lebte.
Strafverteidiger Markus Bessler, der den Mann aus Heidenheim vertrat, hatte zu Prozessbeginn eine Einlassung verlesen. Sein Mandant räumte ein, dem flüchtigen Paten geholfen zu haben. In seinem Plädoyer hatte der Anwalt für Beihilfe zwei Jahre und zehn Monate beantragt. Die Staatsanwaltschaft forderte dagegen elf Jahre Gefängnis. Mit dem Urteil blieb das Gericht in der Mitte beider Schlussanträge, hatte aber keine Zweifel, dass der Heidenheimer ein Mittäter war.
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Für die Ermittler ist das Drogen-Labor in Regensburg ein außergewöhnlicher und einzigartiger Fall – es war das erste Mal, dass auf deutschem Boden eine Produktionsstätte gefunden wurde. Mengen wie diese sind selbst beim Bundeskriminalamt kein Alltag. In Summe geht es um 3,3 Tonnen Captagon. Ein Stoff, der hierzulande in der Rauschgiftszene kaum bekannt ist. Die gelblich-weißen Pillen sind vor allem im Nahen Osten weit verbreitet.
Gehandelt werden sie vor allem in Saudi-Arabien für etwa 15 bis 20 Dollar. Immer öfter rückt dabei jedoch Deutschland als Transitland im internationalen Captagon-Schmuggel in den Fokus. Das zeigen Recherchen eines Investigativ-Verbunds, an dem die Mediengruppe Bayern, die F.A.Z. und Sender der ARD beteiligt sind. Zuletzt waren mehr als 400 Kilo im Raum Aachen entdeckt worden. Die Staatsanwaltschaft prüft dazu Parallelen nach Regensburg.
Eine große Frage im nun beendeten Prozess in Ellwangen war, warum nach weniger als drei Wochen zugegriffen wurde. Das BKA hätte die bislang einmalige Chance gehabt, Hinterleute und Strukturen zu ermitteln – im Zeugenstand erklärte der Sachbearbeiter das mit einer spätabendlichen „Eilanordnung“ der Staatsanwaltschaft. Die ordnete den Zugriff an, obwohl klar war, dass Mohammed Ali S. wieder nach Regensburg zurückkommen würde. Der 48-Jährige aus Bruck dürfte seit längerem im Captagon-Schmuggel aktiv gewesen sein. Das ergab sich aus sichergestellten Frachtpapieren.
Bereits der zweite Fund in der Region Regensburg
Der Fund vor acht Monaten war nicht der erste Fall in der Region. Im Mai 2022 hatte das LKA in einer Lagerhalle unweit von Regensburg 251 Kilo Captagon gefunden. Auch hierbei war ein seit Jahren weltweit gesuchter Drogenpate im Spiel. Seine einst gefassten Handlanger (35 und 37 Jahre) wurden im Oktober 2022 vom Regensburger Landgericht zu siebeneinhalb und achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist auch rechtskräftig.
Das Urteil des Landgerichts in Ellwangen wird dagegen den Bundesgerichtshof beschäftigte. Die Verteidigung vom Sohn des Paten gehen gegen den Schuldspruch in Revision.

