Drogen-Labor in Regensburg: Packt 31-Jähriger über seinen flüchtigen Vater aus?

Von André Baumgarten · 4. März 2024 um 19:00

Nach der BKA-Razzia in einer Hinterhof-Werkstatt in Regensburg geht es vor Gericht um Chemikalien für Tonnen von Drogen. Die sollen zwei Männer gehortet und daraus illegale Tabletten gepresst haben. Nun hat der Prozess begonnen.

Es geht um den Handel mit Amphetamintabletten im großem Stil: Das Bundeskriminalamt griff deshalb im Juli 2023 in Regensburg zu. Zum Prozessauftakt um das „größte Drogen-Labor für Captagon“ Deutschlands schob ein Angeklagter nun alle Schuld auf einen flüchtigen Dritten, dessen Sohn (31) schwieg – zumindest vorerst. Im Verfahren vor dem Landgericht in Ellwangen (Baden-Württemberg) geht es um 300 Kilo der sogenannten Terror-Droge, die laut der Anklage für den Raschgiftmarkt im arabischen Raum bestimmt war.

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Zeitgleich hatten BKA-Fahnder mit weiteren Kräften am 3. Juli spätabends nicht nur in Regensburg zugeschlagen: In der Werkstatt im Stadtnorden, die ein 48-Jähriger angemietet hatte, und in dessen Haus in Bruck (Lkr. Schwandorf) fanden sie laut Anklage rund 300 Kilo Captagon. Der Mieter der Werkstatt und Vater des 31-Jährigen aus Regensburg, der in Ellwangen vor Gericht steht, setzte sich wohl kurz vor dem Zugriff ab – Ermittler vermuten ihn in Syrien, wo alle drei beschuldigten Männer herstammen.

Neben den Adressen in der Oberpfalz rückten die Fahnder damals auch in Niedersachsen und in Baden-Württemberg an. Dort soll der zweite Angeklagte, ein 52-Jähriger aus Heidenheim, unter anderem gemeldet gewesen sein. In einer Garage in Rüdershausen (Lkr. Göttingen) wurde das BKA zudem fündig: Gut zweieinhalb Tonnen Streckmittel – allein 70 Säcke und mehrere Kanister voller Chemikalien – wurden in jener Nacht dort beschlagnahmt. Damit hätten laut Experten rund drei Tonnen der aufputschend wirkenden und schnell süchtig machenden Tabletten produziert werden können.

Drogen im Wert mehrerer Hundert Millionen Euro

Bestimmt gewesen sein sollen die Drogen im Wert von mehreren Hundert Millionen Euro für den Nahen Osten. Vor allem in Saudi-Arabien wird Captagon für 15 bis 20 Dollar je Tablette gehandelt. Wie Recherchen der Mediengruppe Bayern mit BR, MDR, SWR, RBB und F.A.Z. zeigten, ist Deutschland zuletzt immer mehr zum Transitland internationaler Schmuggler geworden zu sein. Das Drogen-Labor in Regensburg war einer der größten Funde und das erste und bisher einzige Mal, dass eine eigene Produktionsstätte hierzulande entdeckt wurde.

In der versteckt gelegenen Hinterhof-Werkstatt, um die es im Prozess in Ellwangen geht, standen mehrere professionelle Tablettiermaschinen. Die beiden Angeklagten wurden beim Zugriff vor acht Monaten festgenommen, als sie gerade neues Captagon produzierten, so die Anklage. Ein Großteil der gelblich-weißen Tabletten mit der auffälligen Prägung als Doppel-C oder Halbmond waren bereits abgepackt. Sie sollten vermutlich unter Tarnware gen Saudi-Arabien gehen.

Mann aus Regensburg will über flüchtigen Vater auspacken

Dazu erklärten sich die Angeklagten zum Prozessstart aber nicht – vorerst zumindest. Im Mittelpunkt stand ein Rechtsgespräch, das Strafverteidiger Burkhard Benecken angeregt hatte. Der Jurist vertritt den 31-Jährigen aus Regensburg mit Anwältin Levinia Stevens. Im Laufe des Prozesses werde man sich aber äußern – vor allem mit Blick auf den Vater, der laut den Akten als Drahtzieher gelte. „Da gibt es doch einiges etwas geradezurücken“, betonte Benecken auf MZ-Nachfrage.

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Das Landgericht in Ellwangen hat für den Prozess gegen Ibrahim S. (31) und Majdilden F. (52) bis 18. März terminiert. Den Männern drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu 15 Jahren. Neben BKA-Ermittlern soll auch ein Sachverständiger zu Wort kommen.

Tag eins im Prozess drehte es sich im Rechtsgespräch vor dem Landgericht Ellwangen vor allem um die Frage, ob die Angeklagten Mittäter oder nur Beihelfer sind. Foto: Dennis Bechtolt/SWR
Der 52-Jährige (2.v.li.) belastete den flüchtigen Vater des Mitangeklagten als Haupttäter. Foto: Dennis Bechtold/SWR