„Als Waldbesitzer sind wir stark vom Klimawandel betroffen“: Gloria von Thurn und Taxis setzt auf Windräder

Die Energiewende ist auch im ansonsten eher konservativen Haus Thurn und Taxis angekommen. Bis zu 55 Windräder sollen in den Wäldern rund um das Denkmal Walhalla im Landkreis Regensburg gebaut werden. Die Mediengruppe Bayern hat mit der Leiterin des Familienunternehmens, Gloria von Thurn und Taxis, über das Vorhaben und ihre ansonsten harsche Kritik an den Grünen und der Ampel-Regierung gesprochen.
Wann hat das Haus Thurn und Taxis ins Auge gefasst, Windanlagen zu realisieren?
Gloria von Thurn und Taxis: Wir befinden uns in einer frühen Anlaufphase zu Windvorhaben in der Region Regensburg. Als großer Waldeigentümer im Landkreis Regensburg haben wir Ende 2023 eine Potenzialstudie zur Windkrafteignung im östlichen Landkreis Regensburg fertigstellen lassen. Erst das Wissen über die generelle Eignung und Windhöfigkeit der Kulisse war Anlass für weitere Überlegungen. Vorab wurden erste Ideen bereits bei Gemeinden vorgestellt, so zum Beispiel im Tegernheimer Gemeinderat im Oktober 2023.
Es ist die Rede von 55 Windrädern. Trifft die Zahl zu?
Von Thurn und Taxis: Es handelt sich nicht um einen großen Windpark, sondern um mehrere potenziell geeignete Teilgebiete innerhalb einer Gebietskulisse, die dreimal so groß ist wie der Altöttinger Forst. Eine angestrebte Anzahl von Anlagen gibt es nicht. Der Denkmalschutz macht eine Einzelfallprüfung von Windenergieanlagen in der Nähe zu Denkmälern wie der Walhalla erforderlich. Deshalb vergeben wir lediglich Potenzialstandorte und keine festen Parklayouts. Unter Berücksichtigung aktueller Abstandsregelungen zwischen modernen Anlagen könnten jedoch rein rechnerisch maximal 55 Anlagen Platz finden.
Ist das eine Zahl, die notwendig ist, um eine solche Anlage wirtschaftlich zu betreiben?
Von Thurn und Taxis: Wir streben keine vollständige Ausschöpfung der Standortpotenziale an. Allerdings haben die Flächen für die Energiewende vor Ort eine zentrale Bedeutung, da es an restriktionsarmen und ähnlich windhöfigen Alternativen im Landkreis mangelt. Damit ist auch klar, dass die Gebietskulisse einen relevanten Beitrag zur Energiewende liefern sollte, wenn es um die Versorgungssicherheit in der Region geht. Dies legt auch der digitale Energienutzungsplan von Stadt und Landkreis Regensburg nah. Dieser weist auf den zusätzlichen Strombedarf aus 150 Windkraftanlagen bis 2030 hin.
Ab welcher Zahl von Windrädern wäre es nicht mehr wirtschaftlich, wenn weniger als 55 realisiert werden können?
Von Thurn und Taxis: Das ist gebietsweise zu betrachten und wird mit den Projektentwicklern konkret zu klären sein.
Fürchten Sie Protest von Naturschützern und wenn ja, welche Argumente würden Sie entgegnen?
Von Thurn und Taxis: Innerhalb der Potenzialstandorte sind keine wesentlichen Bedenken des Naturschutzes zu erwarten. Da es sich um intensiv bewirtschaftete Nutzwälder mit hohem Fichtenanteil handelt, wird es nur sehr wenig Konfliktpotenziale mit dem Artenschutz geben. Weiterer Vorteil dieser Wirtschaftswälder ist der sehr günstige Erschließungszustand, welcher einen sehr Wald- und Ressource schonenden Ausbau ermöglicht. Sensible und wertvolle Waldbereiche werden hingegen grundsätzlich ausgeschlossen.
Sie selbst haben sich immer wieder kritisch über die Energiewende geäußert. Hier würde das Haus aber sicher von Förderungen profitieren. Macht hier die Bundesregierung einen guten Job, in dem sie auf den Ausbau der Windenergie setzt?
Von Thurn und Taxis: Meine Kritik an der Energiewende geht in Richtung Versorgungssicherheit. Es ist richtig alternative Energien zu nutzen, aber nicht auf Kernkraft zu verzichten, zumal sich die Sicherheit der modernen Nuklearanlagen enorm verbessert hat. Auch die Wiederaufbereitung von Atommüll, die Endlager zukünftig überflüssig machen, ist bereits im Kommen. Die von Deutschland entwickelte Technik der CO2-Abscheidung, CCP genannt, die der Weltklimarat IPCC seit Jahren einfordert, ist bei uns aus ideologischen Gründen verboten. Warum? Damit ja keine Kohlekraftwerke mehr genutzt werden. Dabei verbrennt die ganze Welt fleißig Kohle und könnte durch diese Technik auch weiterhin umweltfreundlich Kohle verbrennen. Nach langem hin und her, dürfen jetzt wenigstens Müllverbrennung und Zementanlagen diese Technik einsetzen. Der sündteure und industrievernichtende CO2-Preis könnte mit diesem Verfahren auch erheblich reduziert werden.
Noch dazu ist das abgeschiedene CO2 so rein, dass es in der Getränkeindustrie für Sprudelflaschen eingesetzt werden könnte. Kurzum: Was sich Klimaschutz nennt, ist ein Vorwand, uns ärmer zu machen. Das Klima verbessert sich durch diese Maßnahmen jedenfalls nicht. (Anm. d. Red.: Wirtschaftsminister Robert Habeck hat kürzlich angekündigt, dass die hier erwähnte CO2-Speicherung möglich werden soll).
Welche Auswirkungen hat der Klimawandel auf Ihr eigenes Unternehmen?
Von Thurn und Taxis: Wir sind als Waldbesitzer sehr stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Aktuell können wir nur jeden zweiten Baum aufgrund von Borkenkäfer oder Sturm nutzen. Im Harz sind nach der letzten Dürre ganze Landstriche entwaldet. Die Windkraft dient als neues Standbein des Forstbetriebs, um den Wald- Umbau in klimatisch resistentere Baumarten, finanzieren zu können.
Sie profitieren jetzt ausgerechnet von grüner Politik und von den Grünen, die Sie selbst so harsch kritisieren, etwa bei Ex-Bildchef Julian Reichelt. Ist das nicht bizarr?
Von Thurn und Taxis: Das Haus Thurn und Taxis muss sich bei seinen wirtschaftlich Aktivitäten in die von der Politik festgelegten Rahmenbedingungen einfügen, unabhängig von eigenen Kritikpunkten. So sind die demokratischen Spielregeln.
Das Haus Thurn und Taxis wollte im Gäuboden früher einen Solarpark bauen, doch die Förderungen wurden von der damaligen Bundesregierung kurzfristig gestrichen. Hätte man bei der Energiewende viel schneller sein können?
Von Thurn und Taxis: Im Nachhinein ist man immer schlauer. Der Solarpark war ein Millionenprojekt und ich hatte einfach nicht den Mut, so viel Geld zu investieren.
Denkmalschützer könnten angesichts der Nähe Ihrer Wälder zur Walhalla einwenden, dass das Denkmal „verschandelt“ werden könnte. Wie begegnen Sie dieser Kritik?
Von Thurn und Taxis: Der Denkmalschutz macht eine Einzelfallprüfung von Windenergieanlagen in der Nähe zu Denkmälern wie der Walhalla erforderlich. Insofern soll ein Ausbau behutsam passieren. Ganz ohne Veränderung des Landschaftsbildes wird es jedoch nicht funktionieren.
So ist der Stand der Planungen
Gemeinderäte: Erstmals berichtete die Mediengruppe Bayern im Oktober vergangenen Jahres über fünf Windräder, die im Gemeinderat Tegernheims (Landkreis Regensburg) behandelt wurden. Neben Tegernheim sind aber auch die Gemeinden Donaustauf, Wenzenbach, Wiesent, Bernhardswald oder Wörth an der Donau betroffen. Genehmigungsbehörde ist aber das Landratsamt.
Projekt: 150 Quadratkilometer Wald sind seit vielen Jahrzehnten im Besitz der Familie Thurn und Taxis. Der Forstbetrieb Thiergarten mit 10.000 Hektar ist historisch: Hier wollte Ministerpräsident Franz Josef Strauß mit Fürst Johannes auf die Jagd gehen, als er im Oktober 1988 einen Herzinfarkt erlitt und wenige Tage später starb. Die Fürstenfamilie zog sich ins Aschenbrenner Marterl bei Kriegsende zurück.
Höhe: Nach Angaben des Thurn und Taxis‘schen Forstbetriebs sind von den 150 Quadratkilometern etwa 30 als Ausbaufläche für die Windräder vorgesehen. Sie sollen eine Höhe von bis zu 200 Metern haben. Naturschutzrechtlich spielt hier das Flora-Fauna-Habitat des sogenannten Donaurandbruchs eine maßgebliche Rolle. Auch der Denkmalschutz wird wegen der Walhalla gefragt.
