Östlicher Landkreis: Thurn und Taxis plant Windräder im Wald

Nördlich von Tegernheim an der Hohen Linie sollen fünf Windkraftanlagen entstehen. Der Grund gehört dem Fürstenhaus Thurn und Taxis. Es wird nach Projektierern gesucht, die das Vorhaben umsetzen. Öffentlich wurde das Projekt im Gemeinderat Tegernheim. Die Entscheidungshoheit liegt aber beim Landratsamt.
Geradezu philosophisch argumentiert Gemeinderat Sebastian Zirngibl (FW) in der Sitzung am Donnerstag: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen.“ Er gehört zur Windmühlen-, genauer Windräder-Fraktion, ebenso wie das Fürstenhaus Thurn und Taxis.
In seinem Forstgebiet an der Hohen Linie will Thurn und Taxis Flächen vermieten für Windkrafträder. Längst nicht alle Gemeinderäte sind so begeistert wie Zirngibl von der Idee, doch verhindern können sie die Anlagen nicht. Die Entscheidung trifft der Grundbesitzer, die Genehmigung obliegt dem Landratsamt.
Fünf Anlagen empfohlen
Forstbetriebsleiter Raoul Kreienmeier und Marten van Horsten von Caeli Wind, ein digitaler Marktplatz für Windflächen, stellten dem Gemeinderat die Pläne vor. Durch das Aufheben der 10-H-Regel habe das Thema Windenergie neue Fahrt aufgenommen, sagt Kreienmeier, ein transparentes Vorgehen sei dem Fürstenhaus im Hinblick auf gesellschaftliche Akzeptanz wichtig. Selbst bauen wird Thurn und Taxis die Anlagen nicht. Über Caeli Wind soll ein Projektierer gefunden werden, der die Flächen anmietet und Windräder errichtet.
Fünf Anlagen empfiehlt van Horsten für die analysierte, knapp 150 Hektar große Potenzialfläche im nordöstlichen Gemeindegebiet. Bei einer Nabenhöhe von 199 Metern und 80 Meter langen Rotorblättern beträgt die Gesamthöhe der Windräder fast 280 Meter. Über 73.000 MWh Strom pro Jahr sollen die Anlagen erzeugen können. Damit ließen sich 23.600 Durchschnittshaushalte mit Energie versorgen, wenn ein Projektierer die Berechnung von Caeli Wind umsetzt. Das Investitionsvolumen wird mit 53,4 Millionen Euro veranschlagt. 0,1 Hektar werden pro Turm und Fundament im Wald an Fläche beansprucht, 0,5 Hektar im Bau für Kran- und Lagerflächen. Dazu kommen Zufahrtswege für Lastwagen. „Daher werden gerne Kalamitätsflächen dafür genommen“, sagt van Horsten.
Gemeinde profitiert finanziell
Neben der Gewerbesteuer wird Tegernheim finanziell am erzeugten Strom beteiligt. Rund 100.000 Euro zusätzlich würde das jährlich in die Gemeindekassen spülen, wenn das Projekt in der vorgestellten Größenordnung umgesetzt wird. Ein Zuckerl, das die Akzeptanz solcher Anlagen vor Ort erhöhen soll, wenngleich Bürgermeister Max Kollmannsberger ohnehin klarstellt: „Rechtlich haben wir keine Handhabe.“ Genehmigt wird das Vorhaben vom Landratsamt. Und da haben Windräder sehr gute Chancen, wenn sie außerhalb von Restriktionen geplant sind, sagt Zirngibl. Der Ökostrom-Ausbau ist gesetzlich privilegiert.
Auch ohne die Möglichkeit, die Windräder zu verhindern, sprach sich etwa Volker Rößler (CSU) gegen das Vorhaben aus. Seine Parteikollegen Jürgen Beier und Alfred Federl mahnten an, zumindest alle Aspekte abzuwägen und nicht alles dem einen Ziel Windenergie unterzuordnen. Nach der Information des Gemeinderats könne dieser nun zumindest Bürgerfragen beantworten.
Bürgerbeteiligung soll Akzeptanz schaffen
Für das Projekt machten sich neben Zirngibl auch Pacal Nick (SPD) und Maria Weigert stark. „Man muss da mal die Perspektive wechseln. Ja, man wird die Windräder sehen, aber wunderbar, die bringen uns Strom“, sagte die CSU-Gemeinderätin.
Um die Akzeptanz bei den Bürgern zu erhöhen, soll die Möglichkeit geschaffen werden, sich an der Energieerzeugung zu beteiligen. Gespräche zwischen Thurn und Taxis, der Kommunalen Energie Regensburger Land (KERL) und der Gemeinde laufen. Beim Energietag der Gemeinde am 11. November können sich Bürger zur Beteiligungsmöglichkeit informieren.