Anwohner fühlen sich nicht informiert: Rätselraten um Windräder in Tegernheim

Von Benedikt Baumgartner · 18. Januar 2024 um 12:00

„Ich habe ja nichts gegen Windräder.“ Hört man diesen Satz, muss man selten lange auf das „Aber“ warten. So auch bei Ferdinand Kiermeier. Er wohnt in Tegernheim am Fuße des Keilbergs. In seinem Waldgebiet auf der Hohen Linie hat der Forstbetrieb Thurn und Taxis die Errichtung von fünf Windrädern ausgeschrieben.

Kiermeier protestiert dagegen. Er hat sein „Aber“ in seinem Garten sichtbar gemacht, maßstabsgetreue Modelle des Sendeturms auf der Hohen Linie und eines Windrads in der geplanten Größe nebeneinander an seinem Gartenzaun aufgestellt. So will er die erwartbaren Dimensionen veranschaulichen. Vor allem stört ihn, dass kaum konkrete Informationen zur Windpark-Planung zu bekommen sind. Raoul Kreienmeier, Betriebsleiter des Thurn-und-Taxis-Forsts, erklärt dies mit dem noch laufenden Ausschreibungsprozess. Bald sei ein Projektierer gefunden, dann gebe es auch belastbare Infos.

„Warum so groß?“

Kiermeier sorgt sich um das Panorama unweit der Walhalla und die Biodiversität von Greifvögeln und Fledermäusen. Anwohner könnten vom Lärm belästigt werden, fürchtet er, wenngleich er um die leiseren modernen Windräder weiß: „Aber lautlos werden die auch nicht sein.“ Kiermeier hat Fragen. „Warum hier und warum so groß?“ Mit einer Nabenhöhe von 200 Metern und 80 Meter langen Rotorblättern seien die geplanten Windräder mächtiger als der Keilberg selbst. Der erhebt sich von den nächst gelegen Häusern in Tegernheim laut Kiermeier rund 170 Meter bis zum Wasserturm. Auch der genaue Standort der Windräder ist unklar.

Zuspruch für seinen Protest habe er von einigen Tegernheimern, die beim Spazierengehen seine Modelle am Gartenzaun gesehen haben, bekommen. Ihn wundert es, dass nicht mehr Wind um die Windräder gemacht wird, dass Bürger und Gemeinderäte bislang kaum protestieren. Mit seinen Fragen hat sich Kiermeier an Bürgermeister Max Kollmannsberger gewendet. Antworten kann der nicht liefern. Die geplanten Windrad-Standorte sind der Verwaltung nicht bekannt.

Im Oktober wurde im Gemeinderat eine Potenzialanalyse des Windkraft-Marktplatzes Caeli Wind für den fürstlichen Forst vorgestellt. Ein transparentes Vorgehen versprach Kreienmeier damals, man wolle die Bürger mitnehmen. Es wurde gezeigt, wie der Wind auf der Hohen Linie optimal genutzt werden kann. Einfluss hat der Gemeinderat auf die Entwicklung nicht. „Wenn es als Windregion freigegeben wird, sind wir außen vor“, sagt Kollmannsberger. Der Ausbau erneuerbarer Energien genießt Priorisierung. Auf Bürgeranfragen ist seine Antwort eindeutig und wenig hilfreich: „Ich kann nur sagen, wir haben nichts.“ Keine Pläne, keine Unterlagen, keine Informationen.

Genehmigungsbehörde sei das Landratsamt. An dieser Stelle stimme man aktuell die Vergabe des Projekts an einen Investor ab, informiert Kreienmeier. Daher gebe es noch keine fixen Entscheidungen. „Ohne Projektierer können wir nichts sagen, wir sind Förster“, ordnet Kreienmeier die Rolle der Forstverwaltung des Fürstenhauses ein. Er zeigt sich aber zuversichtlich, bald einen Projektierer vorstellen zu können.

Kreienmeier bedauert den Eindruck, dass intransparent vorgegangen werde. Das Gegenteil sei der Fall. Das Projekt sei nur zu einem sehr frühen Zeitpunkt bekannt geworden, da Bürgermeister Kollmannsberger die Information über die Pläne öffentlich im Gemeinderat angesetzt habe. „Das kann man so machen, ist aber eher unüblich“, sagt Kreienmeier. Eben weil die Planung zu diesem Zeitpunkt nicht über die Entscheidung zur Ausschreibung sowie die Benennung von Potenzialflächen und möglicher Nutzung hinausgegangen sei. Als Bürger dürfe man sich entsprechend nicht enttäuscht zeigen, sagt Kreienmeier, dass es noch nicht mehr Informationen gebe.

Fürstenforst kündigt Infos an

„Die Dinge sind nicht stillgestanden.“ Details könne er aber erst bekanntgeben, wenn die Verträge mit einem Projektierer unterschrieben und die Pläne mit dem Landratsamt abgestimmt sind. Schließlich baut Thurn und Taxis die Windräder nicht selbst, sondern stellt die Flächen dafür zur Verfügung. „Eine Entscheidung bezüglich eines geeigneten Vergabepartners wird zeitnah verkündet.“

Dann folgen Details zur Planung. Und dann werden auch Ferdinand Kiermeier und die weiteren Anwohner – nicht nur in Tegernheim, sondern auch in Keilberg und Grünthal, von wo die Windräder sichtbar sein dürften – erste Antworten auf ihre Fragen finden. Ob sich Kiermeier mit den Windrädern auf der Hohen Linie noch anfreunden wird? Er blickt skeptisch auf seine rot-weißen Modelle von Sendeturm und Windrad, zuckt mit den Schultern. „Naja“, sagt er, „einen Vorteil haben die zumindest schon gehabt. Die Autos fahren langsamer am Haus vorbei.“

Auf der Hohen Linie bei Tegernheim sollen im Thurn-und-Taxis-Forst Windräder gebaut werden: Wie viele, wie groß, wohin – alles noch unklar. Fotos: Baumgartner
165 Meter misst der Sendeturm. Die Windräder könnten eine Nabenhöhe von 200 Metern haben.