Feuerwehren der Hallertau wollen Söder für Erhalt der Klinik Mainburg gewinnen

Eine Abordnung von 55 Feuerwehren der Hallertau will am Mittwoch (19. Februar) einen Brief zum Erhalt des Krankenhauses Mainburg (Lkr. Kelheim) an Ministerpräsident Markus Söder übergeben. Sie warnen darin vor einer „gefährlichen Schwächung der Rettungskette“, falls das Mainburger Krankenhaus keine Notaufnahme und Intensivmedizin mehr vorhält.
„Machen Sie die Notfallversorgung im ländlichen Raum zur Chefsache!“, fordert die Mainburger Feuerwehr-Führung nach eigener Mitteilung von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder. Gemeinsam mit 54 weiteren FFWs aus der Hallertau wehren sich die Mainburger damit gegen die Pläne vom Landkreis Kelheim und den Nachbarregionen, die bisherige Ilmtalklinik Mainburg zum medizinischen Versorgungszentrum abzustufen.
Der Mainburger Feuerwehr-Kommandant Gerhard Müller und FFW-Vereinsvorsitzender Wolfgang Schöll sen. wollen am Mittwoch bei Hallertauer FFW-„Sondereinsatz“ in der Staatskanzlei an Bayerns Regierungschef appellieren, weiterhin eine stationäre Notfallversorgung in Mainburg zu gewährleisten. Deren Wegfall würde rund 42.000 Menschen in der Hallertau gefährden, weil sie im Notfall längere Wege zum nächsten Krankenhaus hätten. Das widerspreche auch einer Gleichberechtigung von Stadt und Land bei der Gesundheitsversorgung.
Ähnlich warnende Töne kommen von Allgemeinarzt Hans Maier. Der promovierte Mediziner und Obmann der Mainburger Hausärzte weist darauf hin, dass Notfallpatienten bislang noch mit zeit-, weil wohnortnaher Versorgung rechnen können. Etwa beim Verdacht auf Herzinfarkt werde man, nach notärztlicher Erstversorgung, „mit Notarztbegleitung ins Mainburger Krankenhaus transportiert, wo eine sofortige Diagnostik, Therapie und intensivmedizinische Überwachung eingeleitet wird.“ Die Mainburger ITK sei hierfür fast immer die Anlaufstelle für den Rettungsdienst, außer der Patient wolle ausdrücklich in ein anderes Haus. „Was aber in der Regel nicht der Fall ist“, ergänzt Maier. Auch bei sonstigen Notfall-Diagnosen wie zum Beispiel Lungenembolie oder Unfallverletzungen werde in aller Regel Mainburg angesteuert, schildert der Hausarzt im Gespräch mit unserer Zeitung; eine Ausnahme seien Schlaganfall-Verdachtsfälle, für die es spezialisierte Zentren gibt.
Fiele Mainburg als Anlaufstelle weg, hätten Notfallpatienten in der Region eine „unkalkulierbare Zeitverzögerung“ zu befürchten, warnt Meier: zum einen, weil ihre eigene Fahrt ins nächste Krankenhaus dann länger dauert; und zum anderen, weil wegen der längeren Rettungswege die Notärzte und Sanitätsfahrzeuge pro Einsatz länger blockiert sind.
Das erleben die Hallertauer FFW-Einsatzkräfte ähnlich: Die Notfallversorgung sei „bereits am Anschlag“, weshalb „Patienten unnötig lang am Einsatzort verbleiben müssen, da es für den Rettungsdienst zunehmend schwieriger wird, einen freien Schockraum bzw. ein Krankenhausbett zu finden“. Das gelte auch für Unfallbeteiligte auf den Autobahnen und Bundesstraßen rund um Mainburg.
Medizin und Finanzen
Mit Blick auf die Debatte ums Mainburger Krankenhaus sieht Hausarzt-Sprecher Meier die Politik in der Pflicht: „Jeder Entscheidungsträger wird dies bei seinen Überlegungen berücksichtigen müssen, unabhängig von den kaufmännischen Ideen eines Gutachters.“
Freilich kann es sich die Kelheimer Kreispolitik im wahrsten Wortsinn kaum leisten, auch die wirtschaftliche Tragweite ihrer anstehenden Entscheidungen außer Acht zu lassen. Etwa das drohende Ende der Ilmtalklinik GmbH, falls Kelheims Kreispolitik und -bevölkerung das gemeinsame Klinikkonzept der Region Ingolstadt nicht mittragen: „Wenn das Mainburger Krankenhaus bleiben soll, wie es ist, müssen sie es selbst betreiben“, hat der Pfaffenhofener Landrat Albert Gürtner in einem Gespräch mit unserer Mediengruppe unmissverständlich angekündigt.
Pfaffenhofen befürwortet wie berichtet das standort-übergreifende Klinikkonzept für die Region Ingolstadt, mit dem die ITK Pfaffenhofen erhalten bliebe und Mainburg zum „Erweiterten regionalen Gesundheitszentrum“ abgestuft würde, ohne klinische Notfallversorgung.
Freie-Wähler-Landrat Gürtner ist überzeugt, „das Mainburger Haus ist nicht zukunftsfähig“ ob mit oder ohne Pfaffenhofen als Partner. Das hält der FW-Sprecher im im Kelheimer Kreistag, Christian Nerb, längst nicht für ausgemacht. „Wir wollen nach wie vor nicht ausschließen, dass die Klinik Mainburg auch selbständig bestehen könnte, wenn Kooperationen mit anderen Kliniken verhandelt werden“, heißt es in einem der drei Anträge der Fraktion.
Freie Wähler auf Veto-Kurs
Erst wenn dies widerlegt sei, will sich die FW-Fraktion überhaupt auf eine weitere Kelheimer Beteiligung am Ingolstädter Klinikkonzept einlassen. Und dann auch nur, wenn dabei eine zweite Variante mitgeprüft werde: diejenige, die in etwa den Status quo aller beteiligten Kliniken erhält.
Was freilich auch für den drastischen Zuschussbedarf der Häuser gelten würde. Als (Noch-)ITK-Gesellschafter muss der Kreis Kelheim der GmbH heuer nach jüngster Schätzung rund 7,2 Millionen Euro aus Landkreis-Mitteln zuschießen.
Notfall-Versorgung in Mainburg
Vorgabe: Der Gemeinsame Bundesausschuss (Selbstverwaltungsorgan im Gesundheitswesens) gibt den Kliniken „Notfallstufen“ samt Kriterien vor, damit diese ihre Leistungen abrechnen können und Anspruch auf den Sicherstellungszuschlag haben.
Kriterien: Aktuell erfüllt die Klinik Mainburg die Anforderungen: Es gibt die Fachabteilungen Innere (und Kardiologie; Chefärztin ITK gesamt: Andrea Riemenschneider-Müller), Unfallchirurgie (und Orthopädie; Chefarzt in Mainburg: Thomas Pausch) und Anästhesie/Intensivmedizin (Chefarzt ITK gesamt: Privatdozent Hansjörg Aust), dazu die geforderten Intensiv-Betten. Ab 2025 ist dann ein speziell ausgebildeter Notfall-Mediziner vorgeschrieben, den es derzeit weder in Pfaffenhofen noch Mainburg gibt.
Zahlen: Im Jahr 2023 hat die Mainburger Notaufnahme 9963 Patienten ambulant behandelt, davon 7267 Notfälle. Hinzu kamen 3750 stationäre Notfälle. Die Intensivstation verzeichnete 658 Fälle. Dies teilte die ITK auf unsere Anfrage mit.