Zwei Jahre Ukraine-Krieg: Hilfsbereitschaft bricht ein – Regensburger Promi warnt vor Putin

Ärzte aus Regensburg liefern seit zwei Jahren medizinische Geräte. Der Schauspieler Marcus Mittermeier sorgt sich um die Freiheit auch in Deutschland. Vor zwei Jahren war er mit dabei, als die Mediziner ihre Hilfsorganisation auf den Weg brachten. Doch nun, zwei Jahre nach Kriegsbeginn, ist die Solidarität längst eingebrochen.
Der Schock ist noch nicht überwunden. Seit zwei Jahren herrscht Krieg in Europa. Der Angriff Russlands auf die Ukraine hat die Weltpolitik durcheinander gerüttelt. Am 24. Februar 2022 marschierten russische Truppen in die Ostukraine. Damals gründete sich eine Initiative Regensburger Mediziner, die seither Hilfsmittel in die Ukraine bringen.
Schauspieler Marcus Mittermeier: „Freiheit muss unterstützt werden“
Einer der Unterstützer ist der in Regensburg lebende Schauspieler Marcus Mittermeier („München Mord“). Bis heute unterstützt er die Initiative. „Ich finde es wahnsinnig traurig und sehr bedenklich, dass sich der russische Staat mehr und mehr in eine Diktatur verwandelt hat“, sagt der Schauspieler. „Ich bedauere, dass Krieg in der Ukraine herrscht, sehe aber auch, dass die Freiheit der Ukrainer unbedingt unterstützt werden muss.“ Mittermeier gehört zu den Menschen, die politisch so sozialisiert wurden, dass sie sich gegen Krieg stellen. Die Abschreckungspolitik der 80er Jahre habe ihm damals Angst gemacht.
Nun sehe man aber: „Eigentlich hat die Ukraine nur zwei Möglichkeiten – entweder aufzugeben, oder zu kämpfen.“ In Deutschland könnte man es sich, 2000 Kilometer von der Front entfernt, leicht machen. „Aber dort sterben die Söhne von verzweifelten Müttern im Krieg. Es ist ein unglaublich trauriger Moment in der Geschichte Europas.“ Wir hätten aber auch die Verpflichtung, den Menschen dort zu helfen.
Inflation von 20 Prozent in der Ukraine
Der Regensburger Andreas Brunnbauer hat zwei Jahre lang für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Ukraine gearbeitet. Heute ist er im Bayerischen Finanzministerium tätig. Brunnbauer ist selbst mit einer Ukrainerin verheiratet, das Paar hat viele Freunde dort und auch zwischenzeitlich hier in Bayern.
„Für Unternehmen stellt sich die Situation sehr schwierig dar, weil die Absatzmärkte weggebrochen sind“, schildert der Experte. Eine Freundin des Paares arbeitet in einem kleinen Geschäft. „Der Konsum ist zurückgegangen“, sagt Brunnbauer, „auch weil die Menschen dort sparen, weil sie nicht wissen, wie lange der Krieg noch dauert“.
Die Inflation liege derzeit bei etwa 20 Prozent und auch in Kiew, wo sich viele Flüchtlinge aus der Ostukraine befinden würden, seien die Immobilienpreise und Mieten rasant gestiegen. Im besetzten Osten des Landes seien vorwiegend noch ältere Menschen. Diese würden vom russischen Regime unter Druck gesetzt. „Ein befreundetes älteres Paar hat sich geweigert, den russischen Pass zu beantragen. Ihnen steht deshalb keine Behandlung mehr im Krankenhaus zu“, berichtet Brunnbauer.
Eine Diskussion gibt es derzeit in der Ukraine über die Frage, ob der deutsche Staat den etwa 200000 Männern im wehrfähigen Alter aus der Ukraine Bürgergeld zahlen sollte. Präsident Wolodymyr Selenskyj habe ja sogar bei Kanzler Olaf Scholz angefragt, ob das Bürgergeld nicht der Ukraine zur Verfügung gestellt werden könnte. „Wir kennen ein Rentner-Paar, das nach Bayern gezogen ist, weil die Leistungen hier gut sind – mit einem Teil des Bürgergeldes unterstützen sie nun den Sohn, der noch dort lebt und der die finanzielle Unterstützung gut brauchen kann“, schildert Brunnbauer.
Die Unterstützung der Ukraine sei für die Menschen dort essenziell. Doch auch hierzulande hat der Krieg Auswirkungen – etwa, wenn mit Desinformation russischer Trollfabriken gearbeitet wird. „Unsere Demokratie ist wehrhaft“, sagt Schauspieler Mittermeier. „Aber es wird mit einer unfassbaren Flut von Desinformationen versucht, diese zu destabilisieren.“ Für Mittermeier sind die Medien – sowohl die Tageszeitungen, als auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk – von „entscheidender Bedeutung, gegen diese Flut von Fake News vorzugehen und zu berichten, was ist“. Auch den Staat wünscht sich der Prominente wehrhaft: „Unsere Behörden müssen darauf achten, woher die Falsch-Informationen kommen“, so Mittermeier.
Borys Frankewycz ist Arzt am Regensburger Uniklinikum und seit der ersten Stunden an der Ukrainehilfe beteiligt. „Die Spendeneingänge sind nach dem ersten Jahr drastisch gesunken“, bedauert der Mediziner. Der Krieg in der Ukraine spiele in der deutschen Öffentlichkeit leider nicht mehr eine so große Rolle. „Aber der Bedarf an Hilfsmitteln ist immer noch sehr groß“, so der Arzt.
Ausrangierte Geräte helfen in der Ukraine
Besonders hoch sei etwa die Nachfrage nach Antibiotika. Arztpraxen würden auch heute noch Geräte spenden, deren Zertifizierung ausgelaufen ist. „Mit einem Ultraschallgerät kann man relativ kostengünstig die wichtigsten Diagnosen etwa bei Kriegsverletzungen stellen“, weiß der Mediziner. Doch die Lage in der Ukraine habe sich ohnehin verändert: „Die medizinische Versorgung hat sich weitgehend aus dem Osten der Ukraine in den Westen verlagert“, sagt Frankewycz. Das liege auch daran, dass immer wieder Krankenhäuser regelrecht kaputtgeschossen werden, so Frankewycz.
Wer helfen will, kann dies über www.ukrhilfe.org tun.