Mehrarbeit lohnt sich nicht: Defizit der Ilmtalklinik Mainburg-Pfaffenhofen steigt weiter

Von Martina Hutzler · 17. Januar 2024 um 19:59

Gute Auslastung, viele Behandlungen – und trotzdem ein Defizit, das heuer auf fast 23 Millionen Euro hochschnellt: Die Ilmtalklinik mit Pfaffenhofen und Mainburg bleibt, wie so viele andere Häuser, in der finanziellen Abwärtsspirale. Dabei hatte Geschäftsführer Christian Degen dem Kreisausschuss medizinisch durchaus auch Positives zu berichten.

Am Montag erst ist in Ingolstadt eine Medizinstrategie vorgestellt worden, mit der Kelheim und vier weitere Landkreise sowie die Stadt Ingolstadt den galoppierenden Zuschussbedarf an insgesamt sechs ihrer Krankenhäuser bremsen wollen. Unter anderem, indem Mainburg vom Krankenhaus zum „Erweiterten regionalen Gesundheitszentrum“ abgestuft wird. Am Dienstag nun bekam der Kelheimer Kreisausschuss Zahlen vorgelegt, wie stark dieser Zuschussbedarf (auch) an der ITK mittlerweile jährlich steigt.

Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete die Ilmtalklinik einen Jahres-Fehlbetrag von 12,73 Millionen Euro –2023 dürfte das Minus bei 17,36 Millionen landen. Zwar 2,34 Mio weniger als ursprünglich prognostiziert. „Aber das hilft Ihnen und Ihrem Kämmerer auch nicht weiter“, räumte ITK-Geschäftsführer Christian Degen am Dienstag im Kreisausschuss ein. Das Gros des Defizits, nämlich 15,98 Mio., entfällt auf den laufenden Betrieb der beiden Kliniken. Und das, obwohl deren Auslastung im Jahresdurchschnitt 2023 bei 83 Prozent lag. Es sei ein Beweis für die „Absurdität des Systems“, dass die ITK in den Jahren 2021 bis 2023 zwar jährlich mehr klinische Leistungen erbracht habe, aber dafür mit Entgelt-Abzügen bestraft wurde, bei denen schon der Name Strafe genug ist: „Fixkostendegressionsabschlag“.

Allerdings setzt Personalmangel der Leistungserbringung weiterhin Grenzen. Während sich in Mainburg das Endoprothetik-Zentrum unter Chefarzt Thomas Pausch als wahrer „Quotenbringer“ präsentiert, hat mit dem Viszeralchirurgen Otto Dietl ein weiteres „Zugpferd“ das Haus verlassen. Wie überall, ist die Gewinnung von Pflegekräften auch in der ITK ein Dauerthema. Erfolg habe man mit neuen Konzepten wie der „Ausbildungsstation“ in Mainburg, in der Pflege-Azubis unter enger Betreuung schon sehr eigenverantwortlich arbeiten dürfen. Auch habe man den Anteil an Leiharbeitskräften deutlich senken können. Deren Einsatz sei „nicht gerade förderlich fürs Betriebsklima“, und vor allem seien es die Vermittlungsagenturen, die daran verdienten.

MVZ soll heuer umziehen

In baulicher Hinsicht steht in Mainburg heuer der Umzug des bislang „ausgelagerten“ Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in die Klinik auf der Agenda. Bis Jahresende sollen die Räume dafür hergerichtet sein. Es ist Teil des „Zehn-Millionen-Pakets“, das Kelheims Kreispolitik vor zwei Jahren geschnürt hatte, als Alternative zu einer mehr als zehnmal so teuren Generalsanierung des Hauses. Unter anderem auch Brandschutz-Maßnahmen wurden hieraus finanziert, die heuer endlich abgeschlossen würden, kündigte Degen an. Die beiden OP-Säle sind noch an der Reihe und müssen dafür zwischen Mai und August abwechselnd gesperrt werden.

Vor „einem weiteren Schlag in die Magengrube“ warnte der Geschäftsführer, ehe er den ITK-Wirtschaftsplan für 2024 vorstellte. Der Jahresfehlbetrag dürfte nämlich erneut kräftig steigen, von 17,36 auf 22,91 Mio. Euro; auf den Kreis Kelheim entfällt dabei ein Anteil von rund 7,66 Mio. „Es ist einfach kein Land in Sicht“, weil das, was die Kliniken an höheren Entgelten bekommen, „bei weitem nicht“ die steigenden Kosten decke, bilanzierte Degen frustriert. Insbesondere schlagen heuer die kräftigen Tarifsteigerungen voll durch.

Ambulantisierung kostet

Das Gesundheitswesen werde aber auch nicht mit der erwarteten „Ambulantisierung“ sofort und zwangsläufig billiger, so Degen mit Blick auf den bundesweit und auch in der Ingolstädter Medizinstrategie prognostizierten Trend. Demnach werden immer mehr medizinische Leistungen ambulant statt stationär möglich. Theoretisch jedenfalls. Aber zum einen „ist die Ilmtalklinik - wie alle anderen Kliniken – dafür personell und bei der Infrastruktur noch nicht ausreichend ausgestattet“; es seien auch hier erst Investitionen nötig. Und zum anderen sei erst noch sicherzustellen, dass Kliniken für solche ambulante Leistungen „dann auch adäquat bezahlt werden“.

In Sachen medizinisches Regionalgutachten für die Kliniken im Ingolstadt-Verbund forderte der Geschäftsführer eine möglichst rasche Entscheidung der Politik: „Am schlechtesten wäre, auch für die Mitarbeiter, ein langer Schwebezustand!“