Ärzte-Donner in Mainburg: Co-Chefarzt und Leiter der Notaufnahme gehen unter Groll

Von Martin Rutrecht · 4. Oktober 2023 um 19:00

Die Ilmtalklinik in Mainburg verliert zwei führende Mediziner: Co-Chefarzt Otto Dietl und Oberarzt Andreas Harrieder verlassen das Haus. Vor allem Dietl verbindet seinen Abschied durchaus auch mit Kritik. Für Patienten hat der Aderlass Folgen.

Co-Chefarzt Dietl, der die Fachabteilung Allgemein- und Viszeralchirurgie (Bauchchirurgie) leitet, beendet seine Tätigkeit am zur Ilmtalklinik GmbH gehörenden Krankenhaus Ende Oktober. Er geht nach Doha (Katar) an eine neue Klinik unter deutscher Leitung. Oberarzt Harrieder, ebenfalls in Dietls Abteilung und zudem Ärztlicher Leiter der Notaufnahme, scheidet Ende des Jahres aus und wechselt an das Klinikum Ingolstadt. Als Notarzt wird er weiterhin Dienste im Raum Mainburg versehen.

Mit „Entscheidungen der Lokal- und Bundespolitik“ begründet Dietl seinen Abgang. Erst vor zweieinhalb Jahren war er an die Klinik gekommen und an die Seite von Thomas Pausch, dem Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, gerückt. „Als ich antrat, gab es das Versprechen einer Generalsanierung, das nicht gehalten werden konnte. Danach war die Rede vom Bau eines Medizinischen Versorgungszentrums. Auch das ist vom Tisch“, sagt der 51-Jährige. Weiteres Warten auf irgendeine Verbesserung hält er nicht für sinnvoll.

Die vom Kreistag 2021 beschlossene Zehn-Millionen-Euro-Sanierung sei nur eine „Schönheitsreparatur“. „So bekommen wir kein leistungsstarkes Krankenhaus. An anderen Kliniken werden unzählige Millionen investiert“, so Dietl, der in seinem Spezialgebiet der Adipositaschirurgie (Eingriffe am Magen-Darm-Trakt bei krankhaftem Übergewicht) die Zahl der Operationen auf fast 100 pro Jahr verdoppelte.

An Grenzen gestoßen

Ein weiterer Ausbau schwebte ihm vor. „Die Patienten kommen aus ganz Bayern, Mainburg könnte sich einen guten Ruf erwerben.“ Für eine höhere OP-Zahl – Dietl hält bis zu 200 für möglich – bedürfe es aber „leistungsfähiger Intensivstationen nach der Operation“.

Die Reformpläne von Bundesminister Karl Lauterbach täten laut Dietl ihr Übriges. „Kleine Krankenhäuser wie Mainburg sind politisch nicht mehr gewünscht“, findet er. In der Summe habe dies zu seinem Entschluss geführt. „Leicht fiel mir die Entscheidung nicht. Ich habe für Mainburg gekämpft.“

Zusatzqualifikation in Mainburg nicht möglich

Oberarzt Harrieder geht auch „schweren Herzens“. Der Hauptgrund beim 43-Jährigen ist eine Zusatzqualifikation, die er erwerben möchte, in Mainburg aber nicht machen kann. Für den Notaufnahme-Bereich will er eine Weiterbildung in Akut- und Notfallmedizin absolvieren. Sie ist mit 24 Monaten Dienstzeit veranschlagt. „22 Monate habe ich, aber die fehlenden zwei Monate lassen sich nicht einfach anhängen.“

Mit der Bayerischen Ärztekammer habe er sich deshalb „intensiv auseinandergesetzt“. Letztlich bleibe nur die Möglichkeit, nochmal die vollen zwei Jahre abzuleisten. „Das geht an einem großen Krankenhaus wie Ingolstadt.“ Dass er als Notarzt in Mainburg weiter arbeite, zeige seine Verbundenheit zur Region.

Mit zur Entscheidung trug Dietls Abgang bei. „Wir sind dann nur noch drei Fachärzte mit nicht einmal zwei Vollzeitstellen in der Allgemein- und Viszeralchirurgie.“ In Mainburg werde man als Folge keine bauchchirurgischen (bariatrischen) Operationen mehr vornehmen können. Die Eingriffe würden in Pfaffenhofen, dem zweiten Standort der Ilmtalklinik GmbH, erfolgen.

Die Klinikleitung der beiden Häuser bestätigt Veränderungen in der Versorgung. „Die Ilmtalklinik Mainburg wird zunächst auf jeden Fall keine bariatrischen Operationen mehr anbieten können“, so Geschäftsführer Christian Degen. Mit „bariatrisch“ wird die Adipositaschirurgie bezeichnet.

Notaufnahme als Anlaufstelle

„Ganz wichtig ist zu erwähnen, dass sich für den Bürger, der die Notaufnahme aufsucht, keinerlei Einschränkungen ergeben.“ Wie bisher werde er untersucht und dann entschieden, ob Mainburg die Versorgung übernehmen könne oder ein Transport in ein anderes Haus erfolgen müsse.

Zum Abschied der beiden Ärzte sagt Degen: „Wir bedauern es natürlich sehr, zwei kompetente und bekannte Medizinier zu verlieren, respektieren aber deren Entscheidungen.“ Die Nachfolge sei noch nicht geregelt. „Die Nachbesetzung beider Vakanzen“ hänge sowohl mit Lauterbachs Krankenhausreform als auch mit einem Regionalgutachten der Kliniken der Region 10 (Ingolstadt, Schrobenhausen, Eichstätt, Kösching, Pfaffenhofen und Mainburg) zusammen. Einen auf Adipositaschirurgie spezialisierten Chefarzt wie Dr. Dietl „würde man vor diesem Hintergrund derzeit (bis zu einer finalen Entscheidung) wohl kaum für den Standort Mainburg gewinnen können“.

MVZ wird in die Klinikräumlichkeiten integriert

Auf Dietls Kritik geht der Geschäftsführer auf Nachfrage ein. „Den vorläufigen Verzicht auf eine Komplettsanierung sehen wir überhaupt nicht in Zusammenhang mit der Leistungsfähigkeit, sondern eher die Ausstattung mit Medizintechnik und Infrastruktur und in diese Bereiche wurde und wird auch mittels Unterstützung des Landkreises großzügig investiert“, so Degen. Und auf ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) werde nicht verzichtet. „Es gibt lediglich keinen Neubau. Hingegen ist geplant, um die Verzahnung von ambulanter und stationärer Medizin zu verbessern, das MVZ im Lauf des nächsten Jahres in die Klinikräumlichkeiten zu integrieren.“

Einig sind sich der scheidende Co-Chefarzt und die Klinikleitung in Sachen Folgen der Krankenhaus-Reform. „Aus den Lauterbach-Plänen lässt sich eine gewisse Tendenz zum Ausbau und zur Stärkung großer Kliniken ableiten“, sagt der Geschäftsführer. Für bestimmte Operationen sind Mindestmengen (Anzahl) vorgesehen, die erbracht werden müssen. Sonst darf die OP nicht mehr angeboten werden. Auch ein Leistungsspektrum wird stringenter vorgegeben. „Dies liegt bislang jedoch nur im Entwurf vor“, so die Klinikleitung.

Wegen Sanierung: Nur ein OP-Saal

Einschränkung: Wegen der anlaufenden Sanierung wird Mainburg „vorübergehend“, so die Klinikleitung, nur über einen der beiden OP-Säle verfügen. Das unfallchirurgische und orthopädische Spektrum kann aber weiterhin angeboten werden.

Standort: Aktuell sind in Mainburg 257 Mitarbeiter beschäftigt. 90 Betten stehen bereit. „Der Fachkräftemangel betrifft alle Kliniken. Das Krankenhaus Mainburg ist hier keine Ausnahme, hat jedoch eine gewisse Grundstabilität im Personalstamm.“

Otto Dietl geht Ende Oktober – an eine deutsche Klinik in Katar.
Andreas Harrieder wechselt Ende des Jahre nach Ingolstadt.