Mainburg soll Klinik-Status verlieren, aber als Notfall-Anlaufstelle fungieren

Das Mainburger Krankenhaus soll zum „Erweiterten regionalen Gesundheitszentrum“ abgestuft werden und als „Anlaufstelle für Notfälle“ eine Schnittstelle bilden zwischen stationärer und ambulanter Versorgung. Dies jedenfalls sieht eine am Dienstag (16.1.) vorgestellte Medizinstrategie vor, mit der insgesamt sechs Kliniken in und um Ingolstadt künftig unter einem Dach agieren sollen.
• Ausgangslage: Drastisch steigende Kosten und Defizite, fehlende Fachkräfte, strengere Vorgaben und Regeln für den Krankenhausbetrieb sowie der Trend zur „Ambulantisierung“ von bislang stationären Behandlungen: Das sind die wesentlichen Gründe, warum die Träger von sechs Krankenhäusern in der Region Ingolstadt jetzt gemeinsame Sache machen und ihre Häuser zu einem „integrierten Gesundheitsnetzwerk“ zusammenspannen wollen, per Fusion oder Bildung einer Holding.
• Netzwerk: Im Zentrum des Verbunds: das Klinikum Ingolstadt, ein Haus der Versorgungsstufe 2 mit über 1000 Betten. Ringsherum Krankenhäuser mit Stufe 1: Schrobenhausen, Eichstätt, Kösching sowie die Ilmtalklinik (ITK) Pfaffenhofen - Mainburg; letzteres mit 90 Betten das kleinste Haus des Verbunds. „Nabe – Speichen - Modell“ nennt die Beratungsfirma PricewaterhouseCoopers (PwC) ihr Konzept.
Die verantwortlichen Autoren haben das Konzept am Dienstag in Ingolstadt vorgestellt, gemeinsam mit den zuständigen kommunalen Spitzenvertretern, darunter auch Kelheims Landrat Martin Neumeyer. Der Kreis Kelheim als Eigentümer des Mainburger Krankenhauses (KH) ist via ITK-Verbund indirekt Teil der Planungsregion Ingolstadt und hat sich deshalb dem PwC-Gutachten angeschlossen.
• Mainburgs neue Rolle: Die zentrale Empfehlung des Gutachtens lautet, „dass Leistungen medizinisch sinnvoll konzentriert, größere Einheiten gebildet und kleinere Standorte umgewandelt werden“. Für Mainburg (und auch für das KH Kösching) würde diese Umwandlung bedeuten, dass es den Status als Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung verlieren würde, mitsamt den dortigen „klassischen“ Abteilungen für Innere Medizin, Chirurgie und Notaufnahme / Intensivmedizin. Als „Erweitertes regionales Gesundheitszentrum“ wäre es stattdessen rund um die Uhr eine „Anlaufstelle für Notfälle“ und damit eine Art Spiegelbild zur Integrierten Leitstelle.
Bei der Leitstelle landet man telefonisch per 112-Notruf; zu der Anlaufstelle kommt man physisch an die Klinik. Dort wird einem, nach entsprechender Untersuchung und Anamnese, entweder der Rettungsdienst-Transport ins nächstgelegene geeignete Krankenhaus organisiert, oder eine ambulante Versorgung im Mainburger Haus selbst, entweder im Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) oder der Notfallpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung. Beide Einrichtungen gibt es im Haus bereits, und es ist und bleibt laut Konzept auch Standort von Notarzt und Rettungswagen.
Als zweite Säule im „erweiterten Gesundheitszentrum“ ist eine „Kurzstationäre Einheit“ vorgesehen. Dabei würden 40 (oder auch mehr) der bisherigen Krankenhaus-Betten zusammengefasst zu einer „pflegerisch geführten“ Einheit. Diese Pflegestation soll eine Lücke schließen, die sich bislang oft am Ende eines Krankenhausaufenthalts auftut: wenn zwar die klinische Behandlung beendet, aber der Patient noch nicht fit ist für die Reha, für die Rückkehr nach Hause oder ins Altenheim.
Als dritte Säule soll Mainburgs jetziger Schwerpunkt Endoprothetik als eine Art Fachklinik erhalten bleiben. Für diese planbaren Behandlungen könnte ein weiterer Teil der bisherigen Klinik-Betten genutzt werden. Zudem ist Geriatrie als neue Fachrichtung laut Landrat Martin Neumeyer zumindest denkbar.
• Bewertung: Der Landrat räumte in der Pressekonferenz ein, er sehe die Rolle, die das Gutachten für Mainburg vorsehe, schon „mit Tränen in den Augen“. Denn „als Krankenhaus ist Mainburg nicht haltbar“, da gebe es „nichts zum Schönreden“. Vor allem könne der Landkreis auf Dauer nicht die Millionensummen für seine beiden Kliniken (siehe Info am Textende) stemmen, so Neumeyer.
Angesichts dessen sei in Mainburg der Umbau zum Erweiterten Gesundheitszentrum eine Alternative und „die Chance, dass wir für die Gesundheit der Menschen in der Region etwas tun können“: nämlich durch einen Ausbau des – bislang rein chirurgischen – MVZ und als rund um die Uhr erreichbare Notfall-Anlaufstelle, so der Landrat.
• Modell: Eine solche Anlaufstelle wäre laut Prof. Christian Lackner bayernweit modellhaft, weil erstmals Rettungsdienst, ambulante und stationäre Versorgung miteinander verschränkt wären. Der Chirurg hat mit Fabian Schülke, PwC-Bereichsleiter Krankenhaus-Beratung, in den letzten neun Monaten die Medizinstrategie erarbeitet. Das Konzept, so die beiden, nehme de facto eine Entwicklung vorweg, die sich bundesweit bereits abzeichne. Auf Bund und Länder könne man aber nicht mehr warten angesichts der Millionendefizite, bekundeten die fünf Landräte und der Ingolstädter OB am Dienstag übereinstimmend.
Millionenschwere Lasten
Betrieb: Die Ilmtalkliniken Pfaffenhofen und Mainburg haben 2023 ein Betriebsdefizit von prognostiziert rund 19 Mio. Euro erwirtschaftet. Vertragsgemäß muss der Landkreis Kelheim davon 27 Prozent tragen. Überdies hat der Kreis Kelheim die alleinige Zuständigkeit fürs Kelheimer Caritas-Krankenhaus und dessen Defizit, das 2023 wohl bei 9,3 Mio. liegen wird.
Investitionen: Hinzu kommen an Kelheims beiden Häusern gewaltige bauliche und technische Investitionen; in Mainburg wäre über kurz oder lang eine Generalsanierung fällig.
