Kippen, Lärm und Erbrochenes: Nächster Anlauf für das Obermünsterviertel in Regensburg

Mehr Sauberkeit, Rücksichtnahme, Grün, Sitzgelegenheiten und Aufenthaltsqualität: Wer Geschäftstreibende im Regensburger Obermünsterviertel nach ihren Wünschen für das Quartier fragt, braucht nicht lange auf Antworten zu warten. Kein Wunder, es sind seit Jahren die gleichen.
Aber obwohl die Aufwertung des Bereichs längst im Raum steht, hat sich bisher kaum etwas getan. Friseursalons, Boutiquen, Lokale: Die Ladenzeile ist weitestgehend intakt. Es gibt kaum Leerstände. Die Corona-Freisitze auf Holzpaletten vor den Lokalen blieben erhalten. Vor Jahren hat die Bewegung Transition mit der grünen Oase den ersten davon errichtet.
Zwei neue Geschäfte
Allgegenwärtig sind die Geräusche von Autoreifen, die über die großen Kopfsteinpflastersteine rollen. Zuletzt gab es zwei Neueröffnungen. Dort, wo einmal der Oriental Bavaria Shop untergebracht war, residiert seit kurzem mit Kiosk24 ein weiterer Automatenladen. Zudem eröffnete im November ein Tedi am Jesuitenplatz.
Mehr Grün und mehr Mülleimer
Sebastian Plate, Chef im Café Friedl Zwo, und Andrea Baumgärtner vom Kleidungsgeschäft Frauenzimmer haben einige Ideen, die das Viertel in ihren Augen verschönern könnten: Plate zeigt durch das Schaufenster zu der Platane vor seinem Café. „Freisitze wären schon toll“, sagt er. Die Grüne Oase daneben wird laut Plate gut angenommnen. Hier sieht er aber die Stadt in der Pflicht, diese Plattform nicht verkommen zu lassen. Stadtmöbel haben Plates Beobachtung zufolge die Bachgasse zuletzt belebt. So etwas könne er sich auch in seinem Viertel vorstellen.
Baumgärtner fordert, dass die jungen Menschen, die sich in dem Bereich gerne die Nächte um die Ohren schlagen, mehr Mülleimer und Behälter für gerauchte Zigaretten vorfinden müssen. Was gut funktioniert habe, sei die Kunstaktion im Bereich der Simadergasse. „Dort ist es mit dem Müll nun viel besser geworden“, sagt sie. In der Obermünsterstraße aber sei alles beim Alten: Am Morgen finde sie hier Kippen sowie Flaschen auf der Straße und in den Hauseingängen Erbrochenes.
Altstadtfreunde und Architekturkreis sehen Handlungsbedarf
Auch andere haben ein Auge auf das, was im Obermünsterviertel passiert und – vor allem – was nicht. Peter Morsbach, Vorsitzender der Altstadtfreunde, hatte zuletzt die Entsiegelung des Obermünsterplatzes und eine Verkehrsberuhigung der Straße gefordert. Ein entsprechender Antrag der Brücke-Fraktion im Planungsausschuss wurde abgelehnt. Morsbach bleibt bei seinen Forderungen. Mit dem Tedi sei nun auch ein erster Filialist in das Viertel gezogen. „Bisher finden sich in dem Quartier fast ausschließlich inhabergeführte Geschäfte“, erklärt er. Diese Struktur solle erhalten bleiben. „Es darf nicht wie in der südlichen Maximilianstraße werden. Das wäre der Tod“, verdeutlicht Morsbach.
Auch der Architekturkreis, der kürzlich ein Positionspapier für eine neue Umbaukultur in Regensburg veröffentlichte, sieht Handlungsbedarf. „Für dieses sowohl städtebaulich und historisch bedeutsame als auch identitätsbildende Areal in der zentralen Altstadt Regensburgs wurden bereits vor zehn Jahren Sanierungskonzepte mit breit angelegter Bürgerbeteiligung entwickelt“, heißt es im Abschnitt zu dem Quartier. Um das Obermünsterviertel wieder zu einem attraktiven und lebendigen Stadtteil zu entwickeln, sollten die Parkflächen und die Durchgangsstraße zu öffentlichen Flächen umgewandelt werden, die Passanten zum Verweilen einladen, fordert der Verein. Der Architekturkreis will, dass das schnell über die Bühne geht, stattdessen sei die Umsetzung nicht absehbar, lautet die Klage im Positionspapier. Ausreichend Ersatzparkflächen sind in den Augen der Vereinsmitglieder mit dem Parkhaus am Petersweg entstanden.
Noch eine Beteiligung
„Die gestalterische Aufwertung des Obermünsterviertels ist derzeit in der Stadtplanung in Bearbeitung“, gibt Katrin Holzgartner von der städtischen Pressestelle Auskunft zum Sachstand. Sie spricht von ersten Abstimmungsgesprächen, die derzeit laufen. „Die Ausarbeitung der vorliegenden Ideen, Durchführung der Beteiligungsprozesse sowie eine Festlegung wesentlicher Maßnahmen sollen noch in diesem Jahr erfolgen“, kündigt sie an.


