Emmeramsplatz in Regensburg: Von der Asphaltwüste zur grünen Klima-Oase

Die Stadt Regensburg plant eine radikale Umgestaltung des Emmeramsplatzes. Ob die geplante Tiefgarage kommt, ist dabei fraglich.
Wie geht es weiter mit dem Emmeramsplatz? Bei dieser Frage standen in jüngster Zeit stets die ungewisse Zukunft des ehemaligen Evangelischen Krankenhauses sowie die mögliche Errichtung einer unterirdischen Parkgarage im Mittelpunkt. Weitaus greifbarer ist jedoch die Neugestaltung des Platzes an sich. Die Stadtverwaltung hat dazu eine Planung erarbeitet, über die am kommenden Dienstag im Planungsausschuss diskutiert wird.
Schon vorab lässt sich feststellen: Das Konzept ist spektakulär bis revolutionär. Denn zum ersten Mal überhaupt soll aus einem steinernen Altstadt-Platz eine großzügige Grünfläche werden. Aus der heutigen Asphaltwüste mit ihren knapp 50 Parkplätzen will die Stadt eine „Klima-Oase“ machen.
Die Notwendigkeit dieser Wandlung wird in der Beschlussvorlage klipp und klar erklärt. Regensburg ist, vor allem im historischen Zentrum, die heißeste Stadt Bayerns, heißt es da. Abgestellte Autos werden als zusätzliche erhebliche Hitzequelle beschrieben.
Emmeramsplatz Regensburg: Parkende Autos sollen verschwinden
Die radikale Umgestaltung des Platzes sei daher eine unumgängliche Maßnahme: „Für eine künftig klimaresiliente Stadtentwicklung muss auf die Schaffung neuer Grünräume in der zentralen Altstadt gesetzt werden.“
Bis auf einige Behindertenstellplätze soll daher der komplette Platz vom ruhenden Verkehr befreit werden. Die geplante zentrale Grünfläche hat exakt die Ausmaße des jetzigen Großparkplatzes. Neben Rasenflächen mit Sitz-, Liege- und Spielmöglichkeiten, Bäumen und Stauden – die Stadt rät hier zur Wahl von „hitzeresilienten Zukunftsstauden und -bäumen“ – ist auch eine Wasserinstallation vorgesehen. Die Durchfahrt bleibt möglich, allerdings unter dem Label „Verkehrsberuhigter Geschäftsbereich“. Das bedeutet, dass sich hier alle Verkehrsteilnehmer „auf Augenhöhe“ begegnen sollen.
Emmeramsplatz: Petersweg soll wegfallende Parkplätze kompensieren
Die wegfallenden öffentlichen Parkplätze sollen durch das nahe Parkhaus am Petersweg kompensiert werden, für Anwohner ist nach wie vor eine Tiefgarage unter dem Emmeramsplatz angedacht. Diese unterirdische Anlage will die Stadt nicht selbst bauen, sondern von privaten Investoren errichten und betreiben lassen. Per Vorinformation im Amtsblatt der Europäischen Union wurde im Verlauf des letzten Halbjahres ausgelotet, welche Unternehmen Interesse an diesem Projekt hätten. Rückmeldung: keine.
Nun aber wird ein zweiter Versuch gestartet. „Zweistufiges europaweites Verhandlungsverfahren mit Teilnahmewettbewerb“ heißt das Instrument, das doch noch Fachfirmen für diese automatisierte Parkierungsanlage begeistern soll. Sofern auch dieser Vorstoß ergebnislos bleibt, hält die Stadt einen Spezialfall der Volkswirtschaftslehre für erfüllt: „Falls sich im Teilnahmewettbewerb keine geeigneten Unternehmen bewerben,, kann ein Marktversagen festgestellt werden.“
In den Augen von SPD-Fraktionschef Thomas Burger ist der Zug aber noch nicht abgefahren: „Ich glaube schon daran, dass sich bei diesem Verfahren jetzt Unternehmen beteiligen. Das ist ja eine schöne, interessante Aufgabe.“
Für 6,5 Millionen Euro ab 2030
Für die oberirdische Zukunft des Emmeramsplatzes ist es im Grunde aber völlig egal, ob die Garage darunter kommt oder nicht. Maria Simon, Vorsitzende der Stadtratsfraktion der Grünen, hatte schon im vergangenen Herbst betont, dass das Parkregal keine zwingende Voraussetzung für die Autofreiheit sei.
Genau dies unterstreicht nun auch der Beschlussvorschlag für Dienstag, über den Burger sagt: „Diese Vorlage macht deutlich, wo wir bei Themen wie Überhitzung, Klimawandel und Lebensqualität eigentlich hinwollen – und das alles mit klarer Projektplanung und Zeitschiene. Das ist progressiv und im positiven Sinn revolutionär.“
Allerdings wird bis zur Umsetzung der 6,5 Millionen Euro teuren Neugestaltung noch einige Zeit vergehen. Da bei den Sanierungsprojekten in der südlichen Altstadt zunächst die Bereiche Am Brixener Hof, Drei-Kronen-Gasse, Schäffnerstraße und Obermünsterviertel auf der Liste stehen, muss sich der Emmeramsplatz bis 2030 gedulden.