Zwischennutzung auf Regensburger Kasernenareal: Stadtrat soll über Abriss des Kubus entscheiden

Von Heike Haala · 12. Februar 2024 um 12:00

Kurse, Ausstellungen und Konzerte: Das und vieles mehr ermöglichte seit 2021 die Zwischennutzung rund um das Gas-Testungsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne in Regensburg. Ob das so bleiben kann, ist aber offen.

Dabei kann einen Kubus – dieser Name hat sich inzwischen für das Gebäude etabliert – so schnell eigentlich nichts umhauen. Es sei denn, jemand will das unbedingt machen. Genau das ist aber laut Katrin Holzgartner von der städtischen Pressestelle aktuelle Beschlusslage des Stadtrats. Die sieht den Abriss aller Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne vor, sagt sie. Immerhin: Die Zwischennutzung kann laut Holzgartner bis Mitte des Jahres 2025 weitergehen und soll so lange wie möglich erhalten werden.

Die OB ist offen

Gerade sind aber auch ganz andere Töne aus der Stadtverwaltung zu hören. Zum Beispiel sagte Planungsreferent Florian Plajer beim vergangenen Netzwerkdienstag ziemlich deutlich nicht „Nein“ zu dem Wunsch vieler Besucher im Degginger, diese Zwischennutzung zu verstetigen. Auf die Zukunft des Kubus angesprochen, antwortete er, dass er Identifikationspunkte auf Konversionsarealen für maßgeblich und auch für ein wichtiges Merkmal für die neue Bevölkerung hält. Deswegen wolle er die Zwischennutzung so lange wie möglich erhalten. Außerdem sagte er: „Dass wir darüber nachdenken, was wir weiter machen, ist wichtig.“ Aber auch die Rathaus-Chefin ist offen: „Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) steht dem dauerhaften Erhalt des Kubus positiv gegenüber“, schreibt Holzgartner.

Bei der Stadt werde wahrgenommen, dass die Nutzung – das Präfix „Zwischen-“ steht in der Antwort der Pressestelle lediglich in Klammern – einen positiven Beitrag zur Entwicklung des gesamten Areals leistet. Und: Sollte der Kubus bleiben, würde das manche Nutzungen und Entwicklungen beeinträchtigen oder ausschließen, andere hingegen begünstigen. Der Stadtrat soll sich nun auch bezüglich des Erhalts des Kubus im weiteren Projektfortlauf damit befassen, gibt Holzgartner Auskunft.

„Dass das so wahrgenommen wird, das habe ich so noch nicht gehört“, freut sich Joachim Buck vom Verein Kulturviertel, der für die Zwischennutzung verantwortlich ist. Er und Philipp Eichhorn, Vorsitzender des Vereins, erklären, warum es ihnen so wichtig ist, dass es weitergeht. Für Buck ist der markante Würfel mit den großen Glasfronten so etwas wie das Markenzeichen des gesamten Zwischennutzungsprojekts. „Er hat Identifikationskraft. Dadurch könnten die künftigen Bewohner des Viertels eine kulturelle Begegnungsstätte vorfinden“, sagt er. Kultur aber müsse wachsen, das brauche seine Zeit und diesen Vorlauf habe der Kubus im Moment, weil die Wohnbebauung erst noch erfolgt, erklärt Buck. Gleichzeitig sind die Wohnungen ihm zufolge ohnehin nicht für den Bereich vorgesehen, auf dem der Kubus steht. Und es gebe in einem Bebauungsplan immer Verhandlungsspielräume.

Auch der Architekturkreis setzt sich dafür ein, dass die Gebäude auf dem Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne bleiben und wiederholte dieses Anliegen jetzt in einem Positionspapier: Die Stadt soll die noch vorhandenen Hallen und Gebäude als Identifikationspunkte der künftigen Bewohner erhalten, ist darin gefordert. Die Bauten könnten eine Verbindung zur Vergangenheit des Areals schaffen und zu seiner Entwicklung beitragen: etwa als Aussichtspunkt oder Dokumentationszentrum. Deswegen soll die Zwischennutzung verstetigt werden.

Programm startet bald

Schützenhilfe haben die Regensburger Architekten dafür von Frank Schönert, Mitbegründer des Büros „Hütten & Paläste“ aus Berlin, bekommen, der sich einen Namen für nachhaltige Bauweise in der Branche gemacht hat. Er plädiert für die Sanierung statt dem Abriss der verbliebenen Gebäude auf dem Gelände der Prinz-Leopold Kaserne. „Die inzwischen allgemein akzeptierte und für jedermann spürbare Endlichkeit der globalen Ressourcen erfordert es, keine Gebäude mehr abzureißen“, heißt es in der Stellungnahme.

Architektin Ulla Basqué von Architects for Future, die ebenfalls dafür ist, dass der Kubus bleibt, spricht von ungeheuren Mengen an Energie, CO2 und Ressourcen, die in einem Bestandsbau gebunden sind und die ihrer Meinung nach nicht als Müll verschwendet werden dürfen. Sie warnt: „Gesichts- und geschichtslose Stadtviertel hat man doch überall.“ Der Kubus aber repräsentiere den einzigartigen Charme der Prinz-Leopold-Kaserne und könnte mit einer Dachterrasse auf dem Flachdach zu einem Besuchermagneten des neu-alten Stadtviertels werden.

Zudem muss er Basqué zufolge auch gar nicht abgerissen werden. „Der Bebauungsplan lässt sich wie auch der Wettbewerbsentwurf problemlos ändern“, sagt sie.

Eichhorn vom Verein Kulturviertel hat jetzt andere Sachen im Kopf. Er möchte jede Minute auf dem Gelände nutzen. Deswegen feilt er an dem Programm für diese Saison. Sie soll starten, sobald es warm genug ist. Auf jeden Fall wird es dann Biergartenabende geben, sagt er. Auch schweben ihm regelmäßige Treffen wie der Mittmach-Mittwoch vor. Der Architekturkreis hat sich schon einen Tag reserviert: Am 7. Mai kommen Ben Pohl und Ivo Balmer von der Denkstatt Basel. Sie setzen sich mit Stadtvierteln auseinander, die sich gerade verändern. Es wird Vorträge, eine Podiumsdiskussion und eine Ausstellung geben.