„Ein wunderbares Experimentierfeld für die Regensburger“

Von Marion Koller · 19. April 2023 um 17:00

Das Programm im Prinz-Leo-Kubus startet wieder – Bürgerstimmen, die einen Erhalt des alten Regensburger Militärbaus fordern, werden lauter.

Auf den ersten Blick wirkt der weißgraue Betonbau mit großen Fenstern auf dem Gelände der Prinz-Leopold-Kaserne unscheinbar. Sträucher wuchern neben der Fassade hoch. In der Nähe haben die Abrissbagger ganze Arbeit geleistet. Etliche Militärgebäude sind zu Schutthaufen zusammengefallen.

Doch den Kubus, wie ihn die Macher des Vereins Kulturviertel nennen, haben viele Regensburger zu schätzen gelernt. Die Stadt hat erst einmal auf den Abriss verzichtet – bis Ende des Jahres. Nun werden Stimmen lauter, die den Erhalt fordern.

Seit 2021 nutzen ihn das Kulturviertel e.V. und andere Kreative für Ausstellungen, Konzerte, Workshops. Hubertus Hinse aus dem Vorstand hofft, dass der Kubus langfristig bleibt. „Wir haben hier ein wunderbares Experimentierfeld und eine gewisse Narrenfreiheit, um Dinge auszuprobieren.“

Der Theaterpädagoge schlägt vor, den 150 Quadratmeter umfassenden Bau als offene Künstlerwerkstatt für die alternative Szene zu nutzen und dort zugleich die Besucher über den Fortschritt des Wohnungsbaus zu informieren. Das ehemaligen Militärgelände wird sich bis 2026 in ein klimaneutrales Stadtviertel mit zunächst 400 Wohnungen verwandeln. Insgesamt sollen bis zu 1200 entstehen.

Zugang zum Dach?

Auch ein Zugang zum Dach schwebt Hubertus Hinse und seinen Mitstreitern vor. Von dort aus könnten die Regensburger verfolgen, wie sich das neue Quartier entwickelt.

Vorstandskollegin Stephanie Reiterer sieht das genauso wie Hinse. Es gebe viele Gründe, den Kubus dauerhaft zu erhalten. Schließlich handele es sich um ein geschichtliches Zeugnis der Militärvergangenheit. In dem eigens dafür konzipierten Bau haben Soldaten getestet, ob ihre ABC-Schutzmasken dicht sind. Die Abkürzung ABC bezieht sich auf atomare, biologische und chemische Stoffe. „Der Kubus kann erzählen, was da mal war“, sagt Stephanie Reiterer.

Außerdem sei der Raum einfach schön. „Man blickt ins Grüne.“ Zum Begegnungsort habe er sich längst gemausert.

„Wir wollen die Regensburger mitnehmen in den neuen Stadtteil“, sagt die 46-Jährige. Die Lage zwischen Ankerzentrum und neuem Wohnquartier wollen die Akteure von Kulturviertel e.V. nutzen. Sie laden Geflüchtete zu den Veranstaltungen, die das auch gerne nutzen. „Bilder betrachten, Musik hören, einem anderen freundlich zunicken – das kann ich auch, wenn ich kein Deutsch verstehe“, sagt der 51-jährige Hinse.

Weil der Bau in der geplanten Grünachse liegt, sehen die Kulturveranstalter eine Chance. Sie sind auch bereit, die Trägerschaft zu übernehmen. Der Architekturkreis unterstützt den Erhalt. Das städtische Kulturreferat fördert die Zwischennutzung der letzten Räume der Prinz-Leopold-Kaserne 2023 wieder finanziell. Die ehemalige Panzerreparaturwerkstatt mit 550 Quadratmetern steht ebenfalls zur Verfügung.

Hubertus Hinse wäre es am liebsten, wenn auch dieser gut erhaltene Bau fortbestünde. „Da haben wir Ausstellungen und Konzerte.“

Die nächsten Termine: Am Mittwoch, 26. April, präsentiert Kulturviertel ab 18 Uhr Studierendenprojekte der Ostbayerischen Technischen Hochschule, von Architektur-Entwürfen bis zu kreativen Ideen für das Areal. Der Abend klingt mit einem Fest aus.

Wo das Leben pulsiert

Zum Tag der Städtebauförderung im Mai setzen sich Veranstalter und Gäste künstlerisch mit dem Abbruch des Geländes auseinander. Die Ausstellung „Bausubstanz“ eröffnet am Freitag, 12. Mai, um 17 Uhr mit Musik von Laser Gnu Show. Künstler aller Sparten können sich mit ihren Arbeiten beteiligen.

„Bausubstanz“ kann sich auf die Materialien beziehen, aus denen Gebäuden entstehen, aber auch auf die Materie und Energie, die in Gebautem stecken. Die Form eines Baus sowie seine Nutzung, das Leben, das dort pulsiert, können ebenfalls Thema sein.

Am Samstag, 13. Mai, folgen Workshops und Podiumsgespräche. Die Band Køndør spielt Post-Metal und das Trio Jeffk bringt Post-Rock auf die Bühne.

Stephanie Reiterer wirkt beim Verein Kulturviertel mit. -Foto: Koller
Will den Kubus unbedingt erhalten: Hubertus Hinse -Foto: Kurzfilmwoche/G. Fieger
Anziehungspunkt für Kreative, Nachbarn und alle Regensburger: das Gebäude bei Nacht -Foto: Reiterer