Bürger-Ideen: Wie kann man die Regensburger Maximilianstraße wiederbeleben?

Regensburg. Aus Prachtstraße wurde Schmuddel-Flair? Die Regensburger Maximilianstraße ist kaum noch Anziehungspunkt für die Bürger. Autorin und Regensburg-Kennerin Rita Lell will das ändern. Nun gab es einen Austausch unter Bürgern.
Beim Themenabend „Die Maximilianstraße im Wandel der Zeit“ blickte man vor Ort im M26 auf alte Zeiten zurück und sammelte Ideen zur Wiederbelebung der Straße. Rita Lell wurde am Freitagabend deutlich: „Die Regensburger haben den Bezug zu ihrer Straße verloren.“ Die 73-Jährige und auch viele Gäste haben die Straße noch ganz anders in Erinnerung.
Früher war die Maxstraße „der Nabel der Welt“, ein täglicher Treffpunkt und etwas, auf das die Bürger stolz waren. Und heute? Heute scheint das anders zu sein. „Gute Ideen sind nötig“, sagte Lell.
Eine Reise in die 1970iger Jahre
Was für eine Prachtstraße die Maximilianstraße in den 1970er Jahren war, das weiß Agnes Hierl noch genau. Denn sie hat dort in der Hypo-Bank nahezu ihr gesamtes Berufsleben verbracht. Im Fürstenhof – damals noch ein beliebter Treffpunkt – lernte sie sogar ihren Mann kennen. Zusammen mit den Gästen zog Hierl noch einmal durch die Straße und erzählte über die ansässigen Händler, die vielen Auslagen und das tägliche Treiben in der Straße.
Und obwohl es zu dieser Zeit das Donau-Einkaufzentrum schon gab: Die Regensburger zog es in die Maxstraße. Denn sie hatte einfach „ein anderes Flair“, so Hierl. Im M26, einem Raum zur kulturellen Zwischennutzung, war deutlich zu hören, dass auch beim Publikum immer wieder positive Erinnerungen aufkamen. „Verlieren wir die Maxstraße nicht aus den Augen“, lautete ihr Schlussappell.
Die aufgestellten Bäume überzeugen nicht
Die Meinungen über den optischen Zustand der Maxstraße schienen bei den Gästen ähnlich zu sein. Vor allem der Straßenbelag, die Beleuchtung und fehlende Grünflächen wurden kritisiert. „Bäume in Kübeln sind auch keine Lösung“, sagte eine Landkreisbewohnerin (75). Auch der 26-Jährige Eric findet, es fehlt Grün und „es ist nicht die schönste Straße“. Andere kommen mittlerweile kaum noch hierher: „Es ist nichts Beeindruckendes mehr da“, finden Roswitha Reichinger (74) und Martina Gierl (73).
Auch die drei Töchter von Rita Lell waren sich einig: „Die Maxstraße hat alles an Charme verloren.“ Das Flair der Straße sei jetzt „schmuddelig“. Insgesamt fehle die Bürger-Anziehung, die Läden gingen dadurch unter und die Maxstraße sei somit nur noch eine Durchgangsstraße.
Das entgeht auch den Geschäftsleuten nicht. „Viele Leute laufen einfach vorbei“, sagte Johanna Röhrl vom Bücherwurm. Sie und ihr Mann wollen deshalb die Bürger gezielt mit Veranstaltungen in die Maxstraße holen und so einen „kulturellen Hotspot“ schaffen.
Die Geschäftsleute fühlen sich in der Straße wohl
Trotz aller Kritikpunkte fühlen sich die Händler hier wohl. Das verdeutlichten die Besitzer und Vertreter vom Urban Coffee, dem Frischeparadies, dem Asia-Restaurant Good Ci, Coffee Fellows und dem nachhaltigen Modegeschäft Glore bei der Veranstaltung. Klar sei: Es geht aufwärts. 2018 war die Maxstraße noch „geprägt von Leerständen“, berichtete Katharina Neumeier vom Hotel Weidenhof, das es schon seit 1850 gibt.
Wie kann die Maxstraße nun wieder an ihr altes Image anknüpfen? Besonders Organisatorin Rita Lell hatte Ideen. So schlägt sie einen regelmäßig stattfindenden Seniorennachmittag vor. Dieser könnte im M26 oder auch im Frühstücksraum des Arthotel stattfinden. Managerin Martina Erös würde den Raum laut Lell zur Verfügung stellen. Auch eine Bürgerdiskussion im Stil von „Jetzt red i“ könnte sich Lell sehr gut im M26 vorstellen.
Maxstraße wird zur „Weihnachtsstraße“?
Außerdem könnte sich die Verbindungsstraße zwischen Hauptbahnhof und Dom Ende des Jahres zu einer „Weihnachtsstraße“ verwandeln. Mit Attraktionen wie einem Märchenerzähler, einem Drehorgelspieler oder einem Stockbrotstand könnte man die Bürger zum Verweilen einladen. Die Stadt könnte dieser Idee durch einen Verzicht auf die Standgebühr entgegenkommen, so Lell. Charmant fände die Regensburger Autorin, wenn man mit der historischen Straßenbahn vom Hauptbahnhof bis zum Dom fahren könnte.
In Regensburg leben mittlerweile viele Kulturen zusammen. Damit sich diese auch annähern, könnte sich Cherin Nabo vom Deutsch-Syrischen Kulturverein Veranstaltungen im M26 sowie draußen auf der Maxstraße vorstellen.
Das Wichtigste sei, so Lell, die Bürger durch „niederschwellige Angebote“ wieder in die Straße zu locken. Die 73-Jährige und auch ihre Töchter sind außerdem von dem Konzept einer autofreien Innenstadt überzeugt. Die nordspanische Stadt Pontevedra macht es vor: Autos raus aus der Stadt und dafür tausende Parkplätze außerhalb schaffen.
Nächster Kulturmontag widmet sich der Maxstraße
Thema: Am 5. Juni geht es um die Frage, ob es eine „Kulturachse Maximilianstraße“ gibt.
Ablauf: Bei einem Stadtspaziergang soll auf kulturelle Perlen aufmerksam gemacht werden. Start ist um 19 Uhr am M26. Anmeldungen unter kulturportal@regensburg.de.
