Viel besser als Leerstand: Pop-up-Store in Regensburg wurde zum Hingucker

Von Rainer Wendl · 10. Januar 2024 um 10:00

Zwischennutzungen von leeren Geschäften können auch in wenigen Wochen große Wirkung entfalten, wie ein Beispiel aus der Regensburger Gesandtenstraße zeigt. Im Pop-up-Store wurden unter dem Label „Callm“ Whiskey, Gin, Liköre und klare Schnäpse verkauft.

Am Dienstagvormittag wurde nicht nur die Weihnachtsbeleuchtung in der Gesandtenstraße abgehängt, auch Franziska Luber-Böhm und Jürgen Böhm räumten ihren Laden im Arkadengang neben dem Fotohaus Zacharias aus. Seit Anfang Dezember hatten die beiden Kallmünzer (Landkreis Regensburg) in der ehemaligen Bäckerei-Filiale einen Pop-up-Store eingerichtet, also ein nur für kurze Zeit geöffnetes Geschäft. Zu kaufen gab es Whiskey, Gin, Liköre und klare Schnäpse, die das Paar unter dem Label „Callm“ mit seinem eigenen Bier als Grundlage herstellt.

Ein Erlebnis in Regensburg, das der Online-Shop nicht bieten kann

Hat sich die sechswöchige Präsenz in der Altstadt gelohnt? „Auf jeden Fall“, sagt Franziska Luber-Böhm. „Wir sind bekannter geworden, das war das Ziel. Außerdem hat sich gezeigt, dass es schön und gut ist, einen Shop im Internet zu haben – aber besonders in der Weihnachtszeit wollen die Leute halt doch das richtige Einkaufserlebnis haben.“

Das angesprochene Bedürfnis nach mehr Bekanntheit klingt überraschend, schließlich wird das Begriffspaar „Luber“ und „Kallmünz“ auch von vielen Regensburgern automatisch mit den Traditionswirtshäusern Zum Goldenen Löwen und Zum Bürstenbinder in Verbindung gebracht. Doch dieses Einheimischen-Wissen trägt heutzutage nicht mehr weit. „Die Leute ab 50 aufwärts kennen uns zwar, haben aber noch nie gehört, dass wir auch Schnaps machen“, sagt Jürgen Böhm. Seine Frau ergänzt: „Und von den Jüngeren kennen viele Kallmünz nicht.“

Diese generationsübergreifenden Wissenslücken konnten im Pop-up Store in der Gesandtenstraße geschlossen werden, ein Hingucker war er dank seiner geschmackvoll-minimalistischen Gestaltung obendrein. Eine dauerhafte Niederlassung in der Stadt ist dennoch keine Option: „Das rentiert sich nicht, beim ,Callm‘-Sortiment handelt es sich ja nur um ein Nischenprodukt“, meint Jürgen Böhm.

Regensburger Altstadt-Kümmerer wünscht sich mehr Offenheit

Genau für so etwas ist ein Pop-up-Store die optimale Lösung, wie Altstadtkümmerer Stephan Bergmann von der städtischen Wirtschaftsförderung sagt: „Das bietet den Gewerbetreibenden die Möglichkeit, sich mit ihrem Geschäftsmodell, ihren Produkten oder Leistungen auszuprobieren und ein Stimmungsbild von der potenziellen Kundschaft einzuholen.“ Nebenbei werde sichtbarer Leerstand vermieden. Was ein solcher anrichtet, war in dem Arkadengang zu sehen; seit dem Auszug der Bäckerei Ebner war er alles andere als ein Schmuckstück.

Trotz der positiven Effekte und trotz hoher Nachfrage „sind nur wenige Hauseigentümer offen gegenüber einer derartigen Zwischennutzung eingestellt“, bedauert Bergmann. Ihren Kurzzeit-Vermieter in der Gesandtenstraße loben die beiden Kallmünzer hingegen als „sehr unkompliziert“. Was aus dem Laden nun wird, steht noch nicht final fest, im Gespräch ist offenbar eine Bar. Eine wertvolle Erkenntnis hat der Eigentümer nach Überzeugung von Franziska Luber-Böhm auf jeden Fall gewonnen: „Er hat gesehen, was man aus dem Laden machen kann.“