Weihnachtsshopping in Regensburg: „1000 Euro geben wir bestimmt aus“

Von Marion Koller · 4. Dezember 2023 um 05:00

Bei Regensburgern und Gästen sitzt das Geld locker – Das Weihnachtsgeschäft kommt in Fahrt. Ein Stimmungsbild vom ersten Adventswochenende.

Am frühen Samstagnachmittag gab es viele freie Stellplätze beim Alten Eisstadion und in den Parkhäusern. Das ist ungewöhnlich für den ersten Adventssamstag, das wichtigste Einkaufsdatum des ganzen Jahres. Schneeregen und Matsch haben die Menschen zunächst von der Shoppingtour abgehalten. Am Spätnachmittag aber sind Besuchermassen durch die Altstadt gebummelt, darunter zahlreiche Gäste aus dem Ausland.

Fünf Kreuzfahrtschiffe lagen in Regensburg. Große Gruppen sind von der Anlegestelle bei der Königlichen Villa ins Welterbe gezogen.

Eine Krippe vom Architekten

Die Mehrheit der befragten Einzelhändler im Zentrum ist zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft. Bei Lauf und Berg König haben Fachverkäufer auf allen Etagen die Kunden beraten. Ein Sportler ist mit neuen Schuhen über das Laufband geflitzt. Andere Kunden schlüpfen in warme Jacken.

„Die Leute wollen von der Unterwäsche bis zum Handschuh, Schneeschuh und der Skitouren-Ausrüstung alles haben“, sagt Inhaber Ralf König. Der 57-Jährige freut sich nicht nur wegen des Umsatzes über den Schnee. „Das ist jetzt endlich von der Atmosphäre her eine schöne Vorweihnacht.“ Trotz der weißen Pracht sind alle Mitarbeiter pünktlich erschienen. In Stadt und Landkreis wurde gut geräumt.

Vera Piendl vom Concept-Store Vea in der Glockengasse sprüht vor guter Laune. Bei ihr gibt sich das Publikum die Klinke in die Hand. Eine Frau wählt eine Haarspange aus, andere fragen nach Seifen und probieren Schals an. „Viele Kunden suchen Weihnachtsgeschenke“, beobachtet Piendl (37) seit November. Sie macht beim Krippenweg von Kulturreferat, Kirchen und weiteren Akteuren mit. Im Schaufenster ist eine moderne, stilisierte Krippe des Architekten Prof. Markus Emde zu sehen. 69 weitere kann man in anderen Läden entdecken. Der einzige Wermutstropfen für Piendl: Die Weihnachtsbeleuchtung in der Gasse fehlt, weil sie diese mit den Whisky Brothers gegenüber alleine finanzieren hätte müssen.

Fast 70 Prozent der Deutschen wollen trotz höherer Preise und wirtschaftlicher Unsicherheit bei den Geschenken keine Abstriche machen. Das Budget liegt bei durchschnittlich 304 Euro pro Person, hat die Nürnberger GfK-Marktforschung Ende November festgestellt. Familien planten, 436 Euro auszugeben, Menschen mit einem Haushalts-Nettoeinkommen ab 3000 Euro investierten knapp 400 Euro. Wer ein niedriges Einkommen beziehe, spare bei Lebensmitteleinkauf und Essengehen.

Mit Sutor-Tüten in der Hand schlendert Uwe Hänel über den Neupfarrplatz. „1000 Euro geben wir bestimmt aus“, sagt der 58-Jährige aus Cottbus auf die Frage, wieviel er und seine Frau sich die Geschenke kosten lassen. Hänel hat sich zwei Paar Schuhe gekauft, während seine Gattin die Weihnachtsgaben für die Töchter und Enkel ersteht. Das Ehepaar reist jedes Jahr mehrmals nach Regensburg, da hier Bekannte leben. „Die Stadt ist einzigartig.“

„Die schönste Stadt“

Im Pop-up-Store der Schnapsbrennerei Callm aus Kallmünz hat Kay Schlotfeldt (58) einen Magenbitter für die Mama erstanden. Für ihn und seine Frau Carmen Dorscheid ist Regensburg „die schönste Stadt, die wir je besucht haben“. Die Hamburger finden die autofreien Gassen romantisch und sind begeistert von den Weihnachtsmärkten.

Etliche Kunden stehen beim Herrenausstatter Anson‘s an der Kasse. Die Filialleitung darf ohne Pressestelle nichts dazu sagen. „Super zufrieden“, ist die langjährige Verkäuferin Evi Kainz von La Donna in der Goliathstraße. „Wir haben tolle Stammkundinnen und die Christkindlmärkte, die anspruchsvolle Touristen anziehen. Und die Regensburger genießen ihre Stadt.“ Gefragt sind Kaschmirpullis, Daunenjacken und Pailettenkleider. Unzufrieden ist Margret Ermannsreiter vom Gewürz-Eckerl Unter den Schwibbögen, wo es Schmuck und Weihnachtsdeko gibt. Normalerweise ist es bei ihr am ersten Adventssamstag voll. Heuer nicht. Sie hofft auf die nächsten Samstage.

Zu Staus kam es nur vereinzelt. Foto: altrofoto.de
Im Sportgeschäft von Ralf König war am ersten Adventssamstag eine Menge los. Foto: Koller
Hat ihren Concept-Store Vea pünktlich zum Advent erweitert: Vera Piendl Foto: Koller
Hofft auf die nächsten Samstage: Goldschmiedin Margret Ermannsreiter vom Gewürz-Eckerl Foto: Koller