Essbarer Baum, Selfie-Kugel, Nadeln im Kochtopf: Ein paar Ideen zur Weihnachtszeit

Von Heinz Klein · 2. Dezember 2023 um 11:00

Na, was soll’s denn heuer für einer werden? Feine Nordmanntanne oder kratzige Blaufichte, edle Seetanne mit Orangenduftnadeln oder was Exotisches, eine Andentanne? Nö, lieber was Einheimisches. Aber wieder kein Mut zum Laubbaum, gell. Man könnte doch eigentlich den Weihnachtsbaum in einer Christbaumplantage mal selber schlagen.

Warum eigentlich schlagen? Man sägt doch. Ritsche, ratsche, ritsche … mit der Bügelsäge. Ist kein Kunststück bei so kleinen Bäumchen, geht ohne Fallkerbe, Bruchleiste und Keilen. Man muss auch keine Absperrung mit rot-weißen Plastikbändern im Umkreis von 20 Metern anbringen, das wäre übertrieben. Rufen Sie vor dem Fallen des Baumes laut und deutlich „timber“. Das wird international als „Baum fällt“ verstanden und ist als Warnruf völlig ausreichend. Dann kippt das Bäumchen federnd um und die Erde bebt – nicht.

Es hat sich zudem weltweit bewährt, Bäume beim Fällen ziemlich weit unten abzuschneiden. Doch nicht wenige Selbstfäller sägen eine Drei-Meter-Tanne gerne so in 50 Zentimeter Höhe ab, weil sie nur 2,50 Meter Baum brauchen. Ist bequemer, denn der Selbstfäller muss sich beim Sägen nicht so tief bücken und die untersten Äste sind eh meistens nicht so schön. Aber tun Sie’s bitte nicht, lieber Selbstfäller. Es schaut schrecklich aus, wenn überall geköpfte Halbmeter-Baumleichen rumstehen.

So wird man selbst zum Christkind

Ist die Baumfrage entschieden, geht es an die Schmuckfrage. Welchen Flitter soll der Baum bekommen? Ganz entscheidend ist natürlich die Kugel, wobei der allerletzte Schrei die personalisierte Christbaumkugel ist. Da ist man selbst mit einem Foto von sich auf der Kugel, statt vielleicht einem Engerl, was freilich fast aufs gleiche rausläuft. Die individuelle Selfiesierung erreicht auf der Christbaumkugel einen neuen Höhepunkt, man ist praktisch selbst das Christkind. Könnte freilich sein, dass das später mal beim Jüngsten Gericht als Amtsanmaßung geahndet wird.

Könnte es sein, dass auch Onkel Albert auf die Idee mit der personalisierten Kugel kommt und Kugeln verschenkt, von denen er frech runtergrinst? Wäre das dann ein Geschenk oder eine Provokation? Müsste man die dann tatsächlich aufhängen? Übrigens, bei einem Baum von 1,80 Meter empfehlen die Kugelhersteller 70 Kugeln für einen dezent geschmückten und 105 Kugeln für einen dicht behangenen Baum. 105 Mal Onkel Albert? Ist ja zum Kugeln, diese Empfehlung. Bleibt dann noch Platz für Nadeln?

Fichtennadeln mit Crème fraiche

Ach ja, um die geht’s auch. Es geht dem Weihnachtsbaum nämlich ans Grün, seit das Kochen mit Nadeln en vogue ist. Die braucht man zum Beispiel für die Fichtennadel-Hollandaise zum Schulterscherzel vom Kalb oder für die Lammkrone auf Fichten-Jus. Na gut, Sie können auch Fichtenflan machen. Mit 150 Gramm Fichtenspitzen, 400 Milliliter Schlagsahne, etwas Crème fraiche, 80 Gramm Zucker und sechs Eigelb. Wenn Sie das öfter machen und ständig Ihren Baum abfieseln, sieht der bald ziemlich kahl aus. Na, dann brauchen Sie halt mehr Kugeln. Wahrscheinlich auch die von Onkel Albert.