Handel in der Regensburger Altstadt: Experte sieht „klaren Aufwärtstrend“

Von Rainer Wendl · 13. September 2023 um 18:20

Lange waren Leerstände das beherrschende Thema – jetzt scheint sich der Wind beim Handel in der Regensburger Altstadt etwas gedreht zu haben.

Der Herbst gilt traditionell als beste Zeit für den Handel. Im hiesigen Altstadthandel zeichnet sich zu Beginn des Herbsts 2023 sogar eine kleine Aufbruchstimmung ab. Oder besser gesagt: eine Aufmachstimmung.

So ist ganz Regensburg gespannt, wie sich Galeria Kaufhof am Neupfarrplatz zur Wiedereröffnung am Donnerstag präsentiert. Kaum weniger interessant ist, was sich direkt nebenan tut. In der ehemaligen Zara-Filiale, Traditionalisten sprechen immer noch vom „Rothdauscher-Haus“, ist ab 28. September der Herrenausstatter Ansons zu Hause. Bereits Anfang des Monats hat der Jack Wolfskin-Store am Kohlenmarkt für das Ende eines neunmonatigen Leerstands gesorgt, der durch die Standortaufgabe der Reisebuchhandlung Freytag & Berndt entstanden war.

Bei Ansons wie bei Jack Wolfskin war Gerald Loers für die Neuvermietung zuständig. Der Regensburger Immobilienmakler ist auffallend oft mit von der Partie, wenn es um die Vermittlung von Ladenflächen im Altstadtbereich geht. Zur aktuellen Situation sagt er: „Momentan ist nicht Leerstand das Thema, sondern Rotation, Wechsel und Erweiterung. Es tut sich viel Positives, meiner Meinung nach gibt es einen klaren Aufwärtstrend.“

Ein Karree, fünf neue Läden

Quasi als Beleg für diese These macht Loers eine kleine Führung durch das Karree Gesandtenstraße/Untere Bachgasse/ Neue-Waag-Gasse. Allein in diesem U-förmigen, in weniger als fünf Gehminuten zu passierenden Bereich kann er fünf Neueröffnungen in jüngster Zeit vorweisen. Neben Jack Wolfskin zählt dazu die Filiale von Aus dem Hinterland.

Der schicke Gemischtwarenladen mit edlen Getränken, Delikatessen und Accessoires von ausgesuchten Manufakturen (Motto: „Feines, Gutes und Schönes für alle“) war knapp drei Jahre in der Neue-Waag-Gasse zu finden, bevor er im August ums Eck in die Untere Bachgasse gezogen ist. „Der Laden hat gefühlt etwas mehr Platz. Vor allem aber haben wird das gemacht, weil die Kundenfrequenz in der Bachgasse noch höher ist“, sagt Filialleiterin Christina Friedrich. Schon nach wenigen Wochen sieht sie die Erwartungen an den neuen Standort vollauf bestätigt.

Doch auch für die Geschäftsflächen in der Neue-Waag-Gasse hat Loers Mieter gefunden. Bereits eröffnet hat die Iris-Galerie. Die Augen der Kunden werden hier mittels hochauflösender Digitalfotografie zum „Rohstoff“ für Gebrauchskunst. In ganz Europa sowie in Kanada gibt es Iris-Galerien bereits in den besten Lagen vieler Städte, die groß, hip, wichtig oder alles zusammen sind – dass nun auch Regensburg zu dieser illustren Reihe gehört, empfindet Loers als Auszeichnung für die Altstadt.

Gleich nebenan zeichnet sich die Eröffnung einer Bäckerei ab. Für den Familienbetrieb Glaab aus Schwandorf, seit 2021 in der Fröhliche-Türken-Straße und seit April in den Arcaden präsent, wäre es die dritte Filiale in Regensburg, die zweite davon in der Altstadt. „Das passt sehr gut für uns“, erklärt Daniela Glaab. Denn obwohl die Altstadt an keinem Backwaren-Mangel leidet, sieht sie hier zusätzliches Potenzial: „Wir produzieren ohne Vor- und Fertigmischungen. Das schätzen die Kunden.“

Auch die Telekom kommt

Derlei Besonderheiten sind für Loers der wichtigste Faktor, um in der Altstadt erfolgreich ein Geschäft betreiben zu können. „Es geht nicht nur um Parkplätze und Verkehr – die Konzepte entscheiden über den Umsatz“, lautet seine Überzeugung. Dabei spiele es auch keine Rolle, ob wie bei Glaab ein regionales, wie beim Hinterland ein bayernweites oder wie bei der Iris-Galerie ein internationales Unternehmen dahintersteht.

Bei der fünften Neueröffnung im Karree handelt es sich übrigens um einen echten Global Player: Die Deutsche Telekom macht einen Store in der Gesandtenstraße 5 auf. „Seit mehr als zehn Jahren stehe ich mit der Telekom in Kontakt um einen Standort in der Altstadt. Jetzt hat es endlich geklappt“, freut sich der Makler.