Hallhuber schließt nach Insolvenz Regensburger Filialen – Neuer Supermarkt im Kaufhof

Von Christian Eckl · 6. September 2023 um 07:33

Umbruch am Handelsstandort Regensburg: Schließungen, Umzüge und Neueröffnungen sind in den Arcaden, dem Donau-Einkaufszentrum und der Regensburger Altstadt derzeit an der Tagesordnung. Derweil hat die gerettete Kaufhof-Filiale Überraschungen parat: Ein neuer Supermarkt soll einziehen und noch viel mehr neue Läden kommen neben die Galeria-Verkaufsflächen.

Wie hätte die Altstadt wohl ausgesehen, wenn die Kaufhof-Filiale am Neupfarrplatz geschlossen worden wäre? Einen Eindruck davon hat man in den vergangenen Tagen gewinnen können. Der Ausverkauf zeigte: Für die Altstadt wäre eine leerstehende Handelsimmobilie ein Debakel geworden. Doch jetzt wird umgebaut – und Roman Kasimir, Geschäftsführer des Kaufhofs am Neupfarrplatz, verspricht: „Das wird ganz große Klasse!“

Umgebaut wird bis voraussichtlich 14. September, sagt der Kaufhof-Geschäftsführer. Dann werde es ein Soft Opening geben, da die Arbeiten nicht zu 100 Prozent abgeschlossen werden können. Das Restaurant werde noch geschlossen bleiben, im Hintergrund laufen Verhandlungen mit einem Gastronomen über die Nutzung. Auch zukünftig sollen alle Etagen des Kaufhauses als Verkaufsflächen genutzt werden, vom Untergeschoss bis in den dritten Stock.

WMF und StreetOne kommen

Es gibt zahlreiche Neuerungen, wie Kasimir verrät. Demnach werden neue Läden in dem markanten Gebäude einziehen. Der Modeartikler Street-One wird im Kaufhof angesiedelt. Mit der Marke WMF wird ein Shop-im-Shop eröffnet, der den Haushaltssektor abdeckt. Im Untergeschoss wird die größte Veränderung vor sich gehen. „Wir befinden uns gerade im Vertragsabschluss mit Go Asia. Dieser wird voraussichtlich Mitte oder Ende Oktober im Untergeschoss eröffnen“, sagt Kasimir. Go Asia ist ein asiatischer Supermarkt, den es in zahlreichen Kaufhof-Filialen beispielsweise in Köln gibt. Edeka bleibt als Anker-Lebensmittler, Go Asia soll das Angebot ergänzen.

Den größten Wandel erlebt derzeit wohl die Modebranche. Während mit der Ansiedlung von Anson’s am Neupfarrplatz ein Coup gelungen ist, ringt die Modekette Hallhuber gerade ums Überleben. In der Filiale in der Weißen-Lilien-Straße hängen Plakate, nachdem diese Filiale geschlossen wird. Sie gibt es seit drei Jahrzehnten an der Stelle. Eine Mitarbeiterin sagt: „Wir wissen noch nicht, ob wir doch wieder aufmachen.“ In den Arcaden steht fest, dass zum 26. September geschlossen wird. Hallhuber lässt über einen Sprecher mitteilen, dass derzeit Mietverträge gekündigt werden, man verhandle aber mit einem Investor über die Übernahme. 16 Mitarbeiter sind bei den beiden Regensburger Filialen beschäftigt.

Andere ziehen um: „Wir haben uns genau vor drei Jahren für die Stadt Regensburg entscheiden“, sagt Nikolai Kusmenko von Loft Fashion. Momentan findet man das Modegeschäft in der Drei-Helm-Gasse 3. „Leider ist die Drei-Helm-Gasse in den vergangenen Jahren stark geschrumpft. Durch den Weggang von Zara, Royal Donuts und Photo Porst merkt man den Verlust an der Kundenfrequenz“, so Kusmenko. Doch Regensburg sei ein starker Standort, man zieht nun in die Weiße-Lilien-Straße, wo gerade das Schuhhaus Görtz nach Insolvenz die Filiale geschlossen hat.

Umstrukturierung in den Arcaden

Auch in den Arcaden beobachten Kunden in den vergangenen Monaten eine große Umwälzung. Das sagt auch Anica Helbing , die Center-Managerin. „Der Wandel in den Regensburg Arcaden ist bedingt durch die laufende Umstrukturierung“, sagt sie. Im vergangenen Jahr feierten die Arcaden das 20. Jubiläum des Centers, „was auch mit auslaufenden Mietverträgen einhergeht. Viele Mieter nutzen diesen Zeitpunkt, um umzubauen oder auf angepasste Flächen innerhalb des Hauses umzuziehen“, so Helbing weiter. Dies seien normale Vorgänge. Vor wenigen Tagen eröffnete die Modemarke Bershka ihr Geschäft in den Arcaden. Wie Zara zählt Bershka zum spanischen Inditex-Konzern.

Der Standort Regensburg werde am Mietermarkt „sowohl national wie international sehr gut besprochen. Gerade die großen Filialisten sind interessiert und aktiv auf Flächensuche“, sagt die Center-Managerin. Doch die Branche leide unter Personalmangel. „Dies gilt für Bestandsmieter ebenso wie für potenzielle Mieter. Es gibt Marken, die beispielsweise gerne Shops eröffnen würden, jedoch kein Personal finden“, sagt Helbing.

Peek&Cloppenburg bleibt im DEZ

Im Donau-Einkaufszentrum ist Geschäftsführer Thomas Zink in Urlaub, eine Anfrage kann erst kommende Woche beantwortet werden. Mit Peek&Cloppenburg und Galeria Kaufhof hatte man in den vergangenen Monaten gleich mit zwei Insolvenz-Nachrichten zu kämpfen. Doch in der Debatte um den Kaufhof wurde deutlich, dass das Haus im DEZ ein Umsatzbringer ist – das sind keine schlechten Nachrichten in diesen Zeiten. Und bei Peek&Cloppenburg wurde vergangene Woche von der Gläubigerversammlung ein Insolvenzplan beschlossen, der einen Abbau von 350 der 1500 Beschäftigten in der Düsseldorfer Zentrale vorsieht. Alle Standorte und Mitarbeiter in den Filialen vor Ort bleiben, auch im DEZ.

Der neue Jack-Wolfskin-Store gegenüber dem Alten Rathaus eröffnete kürzlich.
Loft-Fashion zieht in die Weiße-Lilien-Gasse um.
Bei Kaufhof geht es ab 14. September weiter.
In die ehemaligen Corvus Wohnitäten an der Ecke zur Goliathstraße zieht ein Goldschmied ein.