Auch 2024 sollen in Wackersdorf viele Projekte realisiert werden – Neue Bürgerbefragung geplant

Von Philipp Breu · 27. Januar 2024 um 19:00

Das vergangene Jahr war für die Gemeinde Wackersdorf ein sehr erfolgreiches. Viele Großprojekte konnten abgeschlossen werden – von der Trauerhalle bis zum Ärztehaus. Ans Ausruhen denkt Bürgermeister Thomas Falter (CSU) aber auch heuer nicht. Im Interview spricht der Rathauschef über seine Pläne für 2024. Fest steht: Der Bürger soll wieder aktiv mit einbezogen werden.

Herr Falter, mit dem Ärztehaus haben Sie das zweite der beiden Hauptanliegen der Bürgerbefragung abschließen können. Die Nahversorgung wurde mit dem neuen Edeka schon 2021 sichergestellt. Was hat nun Priorität?

Thomas Falter: Wir haben heuer zwei große Bauprojekte. Zum einen werden wir im Zuge der Gestaltung der neuen Ortsmitte den Vorplatz der Sporthalle sanieren, der auch in der Bürgerbeteiligung breiten Raum eingenommen hat. Die Arbeiten sollen bis Ende dieses Jahres fertig sein. Wir investieren rund 3,4Millionen Euro, wobei der Großteil mit 60 Prozent durch die Regierung der Oberpfalz gefördert wird. Der Platz wird barrierefrei gestaltet, mit mehr Grünanlagen und neuem Bewässerungssystem. Zudem gibt es einen Veranstaltungsraum mit optimierter Infrastruktur, wovon unser Bürgerfest, der Weihnachtsmarkt und andere Events profitieren. Ein Highlight wird auch das neue Beschattungssystem mit ausfahrbaren Sonnensegeln sein.

Das zweite große Bauprojekt wird wohl die Industriestraße betreffen.

Falter: Richtig, da haben wir ja bereits 2022 den Grundsatzbeschluss gefasst. Die ersten vorbereitenden Maßnahmen sind dann Ende 2023 gestartet. Betroffen ist der gesamte Abschnitt zwischen der Anschlussstelle B85 und dem Kreisverkehr an der Kartbahn. Im ersten Bauabschnitt soll ein Flüsterasphalt aufgetragen werden, wie er auch auf der Autobahn zu finden ist. Dazu müssen wir die Straße leicht verbreitern, in Richtung der ortsabgewandten Seite. Der Anwohner- beziehungsweise der Lärmschutz spielen bei allen Planungen eine entscheidende Rolle. Der erste Abschnitt soll heuer starten, der zweite erfolgt 2025. Die Kosten schätzen wir auf 3,5 Millionen Euro, abzüglich der noch nicht feststehenden Förderung.

Apropos Straßenbau: Auch die Lohbauer-Kreuzung dürfte vielen Bürgern weiter unter den Nägeln brennen.

Falter:Auch hier laufen die Planungen nach wie vor weiter. Was die langfristigen Lösungen für die Verkehrsführung an der B85 angeht, prüft aktuell das Straßenbauamt. Eine kurzfristige Lösung ist bereits in Arbeit. Da sind wir mit dem Staatlichen Bauamt wie auch bei anderen Projekten in gutem Austausch. Eine sogenannte Versatzlösung wird kommen. Die vierastige Lohbauer-Kreuzung wird dadurch auf zwei dreiastige Lösungen geändert. Erst Anfang 2025 sollen die Arbeiten starten. 2024 stehen ja schon die ersten Sanierungsarbeiten in der Industriestraße an. Ebenfalls gibt es aus Mappenberg und Meldau immer wieder die Anfrage, ob man die Tempo-70-Begrenzung weiterziehen kann. Auch da stehe ich in Kontakt mit Bauamt und Landkreis.

Was steht baulich sonst noch an?

Falter: Vor allem Sanierungen. Die Ringstraße wird ebenso in Angriff genommen wie der teilweise Umbau der Außenanlagen des Friedhofs, wo unter anderem die WC-Anlagen barrierefrei zugänglich gemacht werden. Zudem wird die Sanierung des Kinderhauses Regenbogen fortgeführt; in der Villa Kunterbunt wird umgebaut für eine neue altersgemischte Gruppe. Ein weiteres Projekt betrifft unsere Wasserversorgung. Da wird eine Pumpenanlage installiert zur Druckerhöhung in höher gelegenen Wohnbereichen am Wasserturm. Und dann wäre da noch der Start des vollumfänglichen Glasfaserausbaus durch die Telekom.

Die Gemeinde hat ja auch zwei Gebäude in unmittelbarer Nähe zum Ärztehaus für weitere Projekte erworben. Wie sehen da die aktuellen Planungen aus?

Falter: Wir haben dadurch neue Perspektiven und Möglichkeiten geschaffen. Ein weiteres Gebäude, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet und bereits im Besitz der Gemeinde ist, fließt ebenfalls in die Überlegungen mit ein. Bei den drei Gebäuden handelt es sich um die ehemalige Apotheke am Marktplatz 5, das ehemalige Meierhofer-Haus in der Kirchenstraße und das alte sanierungsbedürftige Mietshaus der Gemeinde in der Schulstraße. Heuer werden wir einen Masterplan für diese Grundstücke entwickeln. Die vorhandene Bausubstanz der drei Gebäude sehe ich mit einer wirtschaftlichen und gleichzeitig perspektivenreichen Nachnutzung nicht vereinbar. Ich favorisiere klar Neubau-Lösungen. Mögliche Nutzungen wären: Ein öffentliches Café, öffentliche WCs sowie ein Raum für den neuen Sitzungssaal, da der Saal im Feuerwehrgerätehaus nicht barrierefrei ist. Eine weitere Nutzungsidee geht in die abermalige Erweiterung der medizinischen Versorgung, auch die Schaffung seniorengerechter Wohnformen ist Teil der Überlegungen. Bei der Entscheidungsfindung wollen wir auch die Bürger mit ins Boot holen.

Es wird also eine weitere Bürgerbefragung geben?

Falter: Das haben wir vor, ja. Die letzte ist schon eine Weile her, das war 2016. Und der Großteil der damals vorgeschlagenen Projekte wurde bereits umgesetzt. Jetzt wollen wir wissen: Wo fehlt es noch? Ob wir das in der gleichen Basis wie 2016 machen oder ob es sich mehr um Feinabstimmungen handelt, wissen wir noch nicht. Die Befragung werden wir 2024 vorbereiten und wahrscheinlich dann 2025 durchführen.

Wenn wir schon bei den Bürgern sind: Auf welche Feste dürfen sich die Wackersdorfer heuer wieder freuen?

Falter: Wir beginnen am 2.März mit unserem Starkbierfest. Unser Redner Franz Neugebauer, der seine Feuertaufe 2023 hervorragend gemeistert hat, wird wieder die Leviten lesen. Daneben haben wir noch das Volksfest vom 12. bis 15. April. Da sind wir in Bayern mit am frühesten dran. Am 28. Juni danken wir allen Ehrenamtlichen bei einer großen Gala. Von 5. bis 7. Juli findet wieder die Wackersdorfer Kirwa statt. Am 26. Juli feiert unser Erlebnispark Wasser, Fisch, Natur Zehnjähriges. Ein Höhepunkt werden auch wieder die Kunst- und Kulturwochen sein vom 4. bis 27. Oktober. Der Weihnachtsmarkt vom 6. bis 8. Dezember bildet den Abschluss. Wir haben also auch ohne Bürgerfest ein ereignisreiches Jahr vor uns.

Weg von der Kultur hin zur Wirtschaft: Beim Jahresausblick für 2023 haben Sie verlauten lassen, dass das Gewerbegebiet an der Ottostraße erweitert werden soll. Wie steht es um diese Pläne?

Falter: Natürlich entwickeln wir uns auch im Bereich Industrie und Gewerbegebiete. Das Thema Ottostraße werden wir auch angreifen. 2024 planen wir noch und eine Realisierung ist für 2025 vorgesehen. Wir haben in der Ottostraße auch noch ein paar Flächen frei. Es gibt immer mal wieder Anfragen bezüglich einer Ansiedlung. Aber wir bereiten uns auch auf eine Kleinparzellierung vor. Gerade kleinere Grundstücke sind mittlerweile bei Firmen gefragt, vor allem bei Startups. Beim Thema Wirtschaft ist noch zu erwähnen, dass wir in 2024 die weiteren Schritte im interkommunalen Gewerbegebiet an der A93 gehen möchten mit unserem gemeinsamen Gründerzentrum samt Tech-Campus, das für unsere gesamte Region ein absoluter Meilenstein ist.

Wackersdorf lebt ja auch von seinen vielen Firmen. Die kämpfen aber momentan gegen hohe Strompreise. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer teilte kürzlich mit, dass fast ein Drittel der Industrieunternehmen eine Verlagerung von Kapazitäten ins Ausland oder die Einschränkung der Produktion im Inland planen.

Falter: Fast alles, was unser Wackersdorf so besonders macht, ist direkt oder indirekt mit unserer Wirtschaft verknüpft. Daher verstehen wir uns ganz bewusst als Dienstleister unserer Betriebe. So groß die Herausforderungen im Energiesektor sind, so sehr versuchen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten darauf zu reagieren. Zwei Beispiele: Zum einen findet im April unsere Wirtschaftsrunde statt. Alle unsere Betriebe werden dazu an einen runden Tisch eingeladen. Thematisch fokussieren wir uns bewusst auf das von Ihnen angesprochene Thema der Energie. Zum anderen befassen wir uns als Kommune mit der Frage, wie wir uns aktiv und sinnvoll in den Prozess der Energiewende einbringen können – und zwar so, dass unsere Firmen aber auch unsere Bürgerinnen und Bürger direkt davon profitieren können.

Vier große Sonnensegel sollen am Platz vor der Sporthalle installiert werden. Foto: Ippisch, Archiv