Wohl jüngster Starkbierredner Bayerns: Franz Neugebauer derbleckt in Wackersdorf

Premiere beim Starkbierfest in Wackersdorf: Der 23Jahre alte Franz Neugebauer tritt am Samstag in die Fußstapfen von Walter Buttler, der das Publikum in der Sporthalle über Jahre mit seinen Starkbierreden zum Lachen brachte. Nicht alle halten das für eine gute Idee – das spornt den Nachwuchsprediger aber umso mehr an.
Franz Neugebauer ist ein zünftiger Typ. Zum Pressegespräch erscheint er mit Trachtenhemd und Strickweste – eben genau so, wie er auch am Samstag in der Wackersdorfer Turnhalle auftreten möchte. Auf Mönchskutten oder sonstige Verkleidungen verzichtet er bewusst, auch einen Künstlernamen hat er (noch) nicht. „Ich bin im Zweifelsfall einfach da Franz und erscheine so, wie ich eben auch sonst aufs Starkbierfest gehen würde“, sagt er.
Starkbierfest viel zwei Jahre aus
Wenige Tage vor seinem großen Auftritt wirkt der junge Mann noch relativ gelassen. „Ich glaube, dass ich am Donnerstag das erste Mal richtig nervös sein werde, am Freitag dann eher weniger und am Samstag ist es dann eine Katastrophe“, prognostiziert er lachend – so sei es vor seinen Prüfungen auch der Fall. Denn Neugebauer, der in Wackersdorf aufgewachsen ist, studiert an der Uni in Bayreuth Internationale Wirtschaft und Governence im Master.
Dass er nun die Ehre hat, auf dem Starkbierfest die Lokalprominenz zu derblecken, sei reiner Zufall gewesen. Nachdem Fastenprediger Walter Buttler nach seiner 22. Rede 2018 aufhörte und zwei Jahre von Sebastian Dippold alias Bruder Ernst aus Neustadt an der Waldnaab vertreten wurde, suchten die Organisatoren, die Interessengemeinschaft der Vereine (IGV), nach einem Nachfolger. Dafür sollten die Verantwortlichen unverhofft mehr Zeit bekommen, da das Starkbierfest wegen Corona zwei Jahre in Folge ausfallen musste.
Franz Neugebauer ist im Ort kein Unbekannter
Vorsitzende Karin Rossmann sei schließlich auf Franz Neugebauer zugekommen. Der Wackersdorfer ist in der Gemeinde trotz seines jungen Alters wahrlich kein Unbekannter. Neugebauer steht an der Spitze des Ortsverbandes der Jungen Union und ist auch Teil der Vorstandschaft der CSU. „Und nun werde ich in wenigen Tagen womöglich auch noch der jüngste Starkbierredner Bayerns sein. Zumindest sagen das die Leute, dann wird das schon stimmen“, sagt Neugebauer und schmunzelt.
Das Sprechen vor Menschen liege ihm durchaus. In Bayreuth steht er an der Spitze einer studentischen Unternehmensberatung mit 50 Mitgliedern, moderiert dort regelmäßig die Sitzungen. Neugebauer hat auch schon auf einem Kongress eine Präsentation vor 450 sowie die Abiturrede vor 700 Leuten gehalten. Doch nicht alle standen Neugebauers Vorhaben positiv entgegen, allen voran wegen seines politischen Engagements. „Ich habe schon von einigen zu hören bekommen. Du bist doch ein Schwarzer, ein Parteiischer kann doch die Rede nicht halten“, sagt er. Für Neugebauer heißt das aber im Umkehrschluss: „Wenn die sagen, ich soll das nicht machen, dann mache ich das erst recht.“
Unterstützung von Profi Walter Buttler
Doch aller Anfang ist schwer. Eine derartige Rede hat der junge Mann vorher noch nie geschrieben. Etwa eine Stunde lang vor rund 650 erwarteten Gästen eine Pointe nach der anderen zu schmettern, erscheint da als durchaus ambitioniert. Wie gut, dass Neugebauer Hilfe von einem Mann bekam, der weiß wie es geht. Kein geringerer als Walter Buttler hat den Laien unter seine Fittiche genommen. Unterstützung gab es auch von Organisatorin Rossmann. „Ich habe von Walter alle Starkbierreden zur Verfügung gestellt bekommen, die er die vergangenen 20Jahre geschrieben hat“, sagt Neugebauer.
Zwischen Weihnachten und Silvester vergangenen Jahres begann er, sich einzuarbeiten. Zunächst las er alle Buttler-Reden genau durch, um ein Gespür für Themen, Formulierungen und die Länge zu bekommen. Gleichzeitig war für ihn aber auch klar: Einfach kopieren wollte er Buttlers Stil nicht. Neugebauer schrieb dann einfach drauf los und holte sich immer wieder Tipps vom Experten.
Mittlerweile umfasst die Rede rund 7000 Wörter und befindet sich in den letzten Zügen. Walter Buttler hat bereits exklusiv eine erste Hörprobe bekommen. „Das ist wirklich eine schöne Rede geworden“, sagt er am Telefon. „Bloß auf sein Sprechtempo muss er noch ein bisschen achten, dass auch der letzte Gast ganz hinten alles versteht.“
Erste Details aus der Starkbierrede genannt
Diesen Tipp hat sich Neugebauer bereits zu Herzen genommen. „Am Inhalt ändere ich im Normalfall nicht mehr viel. Jetzt geht es vor allem darum, das Vortragen zu üben“, erklärt er. Wen der Nachwuchsredner am Samstag auf die Schippe nehmen wird und zu welche Themen er seine Lästereien verteilt, verrät er aber freilich noch nicht.
Ein paar Einzelheiten gibt es auf Nachfrage aber dann doch. „Natürlich gibt es gewisse Personen des öffentlichen Interesses.Ich denke da zum Beispiel an einen Bürgermeister, der vor der Wahl der wohl nervöseste Mann war,obwohl er als einziger Kandidat antrat“, sagt der Redner mit einem verschmitzten Grinsen. Aber auch auf große Projekte, wie die Feuerwache, das Ärztehaus oder die Gestaltung der Ortsmitte wird er eingehen, ebenso wie auf die örtlichen Vereine. „Das sind einfach Themen, bei denen jeder Mitreden kann“, erklärt er.
Ob er damit die Lachmuskeln des Publikums strapazieren kann, wird sich am Samstag gegen 21 Uhr zeigen, wenn „da Franz“ in Tracht gekleidet das erste Mal am Rednerpult steht.
Details zum Starkbierfest in Wackersdorf
Start:Das Starkbierfest findet am Samstag ab 18 Uhr in der Sporthalle statt.
Programm:Für Unterhaltung sorgen die Neukirchner Blasmusik sowie der Wackersdorfer Volks- und Gebirgstrachtenverein Almenrausch. Höhepunkt ist die traditionelle Starkbierrede. Beim Bieranstich wird die Bayerische Bierkönigin Sarah Jäger erwartet.
