Entschärfung der Lohbauer-Kreuzung bei Wackersdorf: Erster großer Eingriff geplant

Von Philipp Breu · 11. Juni 2023 um 11:00

Seit Jahren fordern Verkehrsteilnehmer und Anwohner eine Entschärfung der Lohbauer-Kreuzung in Heselbach bei Wackersdorf. Denn an der Stelle, an der die B85 und die SAD9 zusammentreffen, kracht es immer wieder. Kleinere Eingriffe in die Verkehrsführung erfolgten bereits – nun soll es den ersten großen geben.

Wer von Steinberg am See nach Schwandorf fahren will, oder von Wackersdorf-Heselbach nach Steinberg, der braucht gute Nerven. Denn der kürzeste Weg, über die Kreisstraße SAD9 und die B85, führt über die gefürchtete Lohbauer-Kreuzung. Als Linksabbieger muss man da schon mal eine Viertelstunde stehen, um auf die Bundesstraße einzufädeln. Immer wieder ereignen sich hier Unfälle. Das soll sich nun ändern.

Um die aktuellen Planungen vorzustellen, luden Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter (CSU) und Steinbergs Rathauschef Harald Bemmerl (SPD) zu einem Pressetermin ins Rathaus der VG Wackersdorf ein. Zunächst warfen beide einen Blick in die Chronik der Geschehnisse. Bereits vor vielen Jahren gab es bei Bürgerversammlungen, unter anderem in Heselbach, Forderungen, die Thematik Kreuzung B85/SAD9 aufzugreifen und die betroffenen Stellen zu entschärfen. Denn nicht nur an der Lohbauer-Kreuzung, auch an den benachbarten Einmündungen der Franz-Schubert-Straße und der Bodenwöhrer Straße in die B85 krachte es immer wieder.

Verantwortliche in Wackersdorf und Steinberg forderten Kreisverkehr – vergebens

Ein Kreisverkehr wäre für viele die ideale Lösung gewesen. Falter und Bemmerl hatten sich 2014 mit diesem Vorschlag an das zuständige Staatliche Bauamt Amberg-Sulzbach gewandt. Doch es gab kein grünes Licht von der Behörde. Der Einwand: Ein Kreisel, hieß es, erfülle nicht die erforderlichen Kriterien und würde den Verkehrsfluss auf der vielbefahrenen B85 beeinträchtigen. Außerdem seien die erforderlichen Grundstücke nicht verfügbar.

Dann passierte lange nichts mehr. Die Gemeinden Wackersdorf und Steinberg wagten zwar immer wieder den Vorstoß beim Straßenbauamt, doch noch über eine Kreisverkehrslösung nachzudenken – ohne Erfolg. „Wir können nur unsere Meinung kundtun und die Forderungen anmahnen. Die Planungshoheit lag und liegt immer noch beim Straßenbauamt“, erklärt Falter.

Doch beide Gemeinden blieben bezüglich einer Verbesserung der Situation hartnäckig. Ende September 2019 wurde dann in einer öffentlichen Gemeinderatssitzung die erste kurzfristige Lösung für eine Entschärfung der neuralgischen Stelle vorgestellt: eine Geschwindigkeitsreduzierung auf Tempo 70 in beide Richtungen von der Lohbauer-Kreuzung bis kurz vor dem Rasthaus Meldau. „Wir wollten die Geschwindigkeitsbegrenzung eigentlich von der Firma Lohbauer bis zum Mappenberg durchsetzen“, erinnert sich Falter. „Es wurde dann aber nur bis Meldau genehmigt.“ Auch eine Ampellösung sei kurzfristig in Erwägung gezogen worden. Doch die Heselbacher befürchteten, dass bei längeren Rotphasen der Ausweichverkehr Richtung Industriegebiet über die Bodenwöhrer oder die Franz-Schubert-Straße laufen würde – mitten durch die Wohngebiete.

Geschwindigkeitsbegrenzung, Überholverbot und Linksabbiegespur

Mitte November 2019 wurde dann die Geschwindigkeitsbegrenzung bis kurz vor dem Rasthaus Meldau umgesetzt, inklusive Überholverbot. Im November 2021 wurde dann nach einem weiteren Antrag der Gemeinde Wackersdorf noch die Linksabbiegespur beim Gasthaus Besenhardt in Heselbach realisiert. Für zusätzliche Sicherheit sorgt ein Wildschutzzaun, der im März vergangenen Jahres von der Ausfahrt der A93 bis zum Ortsteil Heselbach (bis zur Kreuzung bei der SAD9) errichtet wurde.

„All diese Maßnahmen haben auf jeden Fall schon etwas gebracht“, loben Falter und Bemmerl. Doch eine tiefgreifendere Veränderung sei nach wie vor nötig. Und die steht nun bevor, wie Björn Letz, Abteilungsleiter beim zuständigen Bauamt Amberg-Sulzbach, auf Nachfrage der Mittelbayerischen bestätigt. Gerade tüfteln die Planer an einer sogenannten Versatzlösung, die in den Gemeinderatssitzungen in Wackersdorf und Steinberg jeweils vorab nicht öffentlich vorgestellt und als sehr positiv empfunden wurde.

Doch wie sieht diese Versatzlösung in der Praxis aus? Laut Letz wird die vierastige Lohbauer-Kreuzung in zwei Einmündungen aufgeteilt. Das geschieht dadurch, dass die SAD9, die von Steinberg in die Lohbauer-Kreuzung führt, 250Meter vor der Kreuzung nach links versetzt und dann wieder in die B85 eingebunden wird. „So werden aus 18 Konfliktpunkten fünf“, sagt Letz. Die alte SAD9 wird an der betreffenden Stelle dann zurückgebaut. „Die Abstimmungen laufen bereits“, informiert Letz. Auch Ausgleichsflächen müssten geschaffen werden, weil durch die Verlegung der SAD9 auch Teile eines Schutzwaldes gerodet werden müssten. „Wir hoffen, die Voraussetzungen bis Jahresende schaffen zu können“, sagt Letz. Somit könnten die Arbeiten zeitnah beginnen. Finanziert werde das Ganze aus Mitteln des Bundes.

Verkehrsgutachten ist in Arbeit

Auch die beiden Bürgermeister Harald Bemmerl und Thomas Falter halten diese kurzfristige Lösung für vielversprechend. „Wir haben das als sehr praktikabel befunden. Es wäre wünschenswert, wenn die Maßnahme bis spätestens 2025 umgesetzt werden könnte“, sagt Bemmerl. „Das ist ein erster Schritt für eine kurzfristige Entschärfung, den wir sehr begrüßen. Auch wenn eine langfristige Lösung nicht aus den Augen verloren werden darf“, ergänzt Falter.

Denn ein weiterer Ausbau der B85 steht aus und ist auch im Bundesverkehrswegeplan verankert. Das Staatliche Bauamt hat nun Kapazitäten zur langfristigen Planung freigemacht. Derzeit läuft eine Verkehrsuntersuchung für den langfristigen Ausbau. Dabei werden die Verkehrsqualität und auch das Querschnittskonzept untersucht. Das Gutachten soll bis Ende 2023 vorliegen und muss dann mit dem Bundesministerium abgestimmt werden. Danach werden die Kommunen sofort einbezogen, heißt es.

Die Loubauer-Kreuzung

Name: Die Lohbauer-Kreuzung hat ihren Namen vom gleichnamigen Autohaus in Wackersdorf-Heselbach.

Lage: An der Kreuzung schneiden sich die Kreisstraße SAD 9 von Steinberg am See über Heselbach bis Freihöls sowie die B85.

Gefahrenstellen: Auch an den Einmündungen der Franz-Schubert-Straße und der Bodenwöhrer Straße in die B 85 in Heselbach kracht es häufiger.

Entschärfung: Tempo 70 in beide Richtungen bis Rasthaus Meldau, Linksabbiegespur beim Gasthaus Besenhardt, geplante Versatzlösung (neu)