Neues zur Regensburger Stadtbahn-Planung: Gewerbepark statt Sandgasse?

Bei der Planung zur Regensburger Stadtbahn gibt es interessante Trassenvarianten. Auch ein Termin für das geplante Bürger-Votum zeichnet sich ab.
Die Planungen für die Regensburger Stadtbahn nähern sich dem Gefrierpunkt. Das ist nicht stimmungsmäßig zu verstehen, sondern bezieht sich auf den Ablauf des Verfahrens. Um wie vorgesehen bis März belastbare Zahlen für die Nutzen-Kosten-Berechnung präsentieren zu können, müssen die Planungen für die elf Streckenabschnitte jetzt eingefroren werden. Neudeutsch spricht man dabei von einem „Freeze“.
Bei der Vorinformation zur Sitzung des Stadtbahn-Ausschusses am kommenden Dienstag betonten die Vertreter der Stadt gestern jedoch, dass nach wie vor nichts in Stein gemeißelt ist. „Nicht alles, was jetzt eingefroren wird, wird dann auch so gebaut“, erklärte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Nahezu bei allen Abschnitten sind im Zuge der nächsten Planungsschritte noch Änderungen drin – bei manchen nur im Detail, bei anderen ganz grundlegend.
Zu den zweitgenannten gehört nach wie vor der Verlauf in Burgweinting. Der dortige Bahnhaltepunkt kann entweder über die Obertraublinger Straße oder über den Park bei der Villa Rustica erreicht werden. Beide Varianten werden weiter untersucht, obwohl die erste den Nachteil von notwendigen Grundstückszukäufen hat und die zweite bereits im Bebauungsplan gesichert ist. Welche Route die Planer hier favorisieren, scheint klar.
„Reden Sie mal mit Seehofer“
Bei der Trasse für den Stadtnorden hingegen gibt es Bewegung. Die hochumstrittene Streckenführung durch die Sandgasse zum Bahnhaltepunkt Wutzlhofen bleibt zwar die Basis für die Kostenberechnung, wird aber selbst von der Oberbürgermeisterin wegen ihrer teilweisen Eingleisigkeit als „schwierig“ bezeichnet.
Die Alternativen: Entweder die Stadtbahn bereits an der Kreuzung Isar-/Lechstraße (Heilig-Geist-Kirche) enden lassen und die Konradsiedlung von dort per Bus anbinden oder den Gewerbepark mit dem Walhalla-Bahnhof zum Stadtbahn-Ziel machen. „Das wäre sinnvoll, weil wir da einen Bahn-Haltepunkt haben. Reden Sie mal mit dem Herrn Seehofer“, verwies Maltz-Schwarzfischer darauf, dass diese Wegführung mit dem Gewerbepark und seinem Geschäftsführer Roland Seehofer einen glühenden Verfechter mit guten Argumenten hat.
Doch auch diese Trasse müsse wie jede andere erst einer Verkehrswirksamkeits-Analyse unterzogen werden, betonte Thomas Feig, Leiter des Stadtbahnamts. Hinter diesem sperrigen Begriff verbirgt sich die Frage, welche positiven wie negativen verkehrlichen Folgen die Stadtbahn in den jeweiligen Bereichen hätte. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse fließen in die Nutzen-Kosten-Rechnung ebenso ein wie die Auswirkungen aufs Busnetz.
Dass dieses von einer Stadtbahn profitieren würde, steht für Sandra Schönherr außer Zweifel. Wie die Betriebsleiterin vom Stadtwerk Mobilität ausführte, würde das Busnetz weiterhin die gleiche Länge wie heute haben. Weil es aber keine Parallelfahrten zur Stadtbahn gebe, bliebe mehr Potenzial für Tangential- und Direktlinien – mit einer besseren Anbindung aller Stadtteile „mindestens im 20-Minuten-Takt“.
„Europa-Wahl wäre optimal“
Diesen übergeordneten Nutzen stellte auch Planungsreferent Florian Plajer heraus. Grundsätzlich müsse die Mobilität in der Stadt in den kommenden Jahrzehnten völlig neu gedacht werden. Quasi nebenbei biete die Stadtbahn noch ein „Riesen-Potenzial“ für die Neugestaltung des Straßenraums. „Das ist ein Gewinn an städtebaulicher Qualität.“
Doch was sind abgesehen von dieser Zukunftsmusik die handfesten Daten für das Jahr 2024? Die Oberbürgermeisterin legte sich fest, dass die Kosten-Nutzen-Untersuchung im März vorliegen wird. Dann wäre auch die Basis für das vorgesehene Votum der Regensburger in Form einer Bürgerbefragung oder eines Bürgerentscheids geschaffen. „Die Europawahl wäre optimal dafür“, so Maltz-Schwarzfischer. Diese findet am 9. Juni statt.
Das sagen die Stadtbahn-Gegner
CSU: Die größte Stadtratsfraktion trägt als Mitglied der Koalition zwar bislang alle Beschlüsse mit, sieht die Stadtbahn aber überaus kritisch. Jetzt hat sie einen großen Fragenkatalog vorgelegt und fordert „eine umfassende Analyse und fundierte Antworten“ für „eine transparente und ehrliche Diskussion“.
BI Gleisfrei: Hauptargument der Bürgerinitiative bleibt die Prognose, wonach der Motorisierte Individualverkehr in der Stadt nur um 1,1 Prozent abnehmen würde. Neben diesem fehlenden Nutzen der Stadtbahn moniert die BI zu hohe Kosten, fehlende Barrierefreiheit, zu viele Baumfällungen und unnötige Umstiege.