Planung zur Regensburger Stadtbahn: Einfach wird es an keinem Abschnitt

Allen politischen Querelen zum Trotz geht es beim Thema Stadtbahn auf sachlicher Ebene weiter. Jetzt sind neue Streckendetails da.
Eine Woche später als ursprünglich geplant tritt am kommenden Donnerstag der Ausschuss für den Neubau einer Stadtbahn zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Ein Blick auf die umfangreiche Tagesordnung erklärt die Verzögerung. Es geht um die Planung von fünf großen Streckenabschnitten. Zwei davon (Wöhrdstraße und Burgweinting) kommen sozusagen auf Wiedervorlage ins Gremium, über drei weitere wird erstmals debattiert. Etliche Problemstellen sowie der schwindende politische Rückhalt für das Projekt lassen lange und spannende Diskussionen erwarten.
Zentrale Haltestelle statt Tankstelle beim DEZ
Unter dem Titel „Nordgaustraße“ wird der Abschnitt zwischen Isar- und Holzgartenstraße, also vom Alex-Center bis zum Donau-Einkaufszentrum, beplant. Der mit einer Breite von 31 bis 47 Metern durchgehend sehr großzügige Verkehrsraum verleitet zu der Annahme, dass die Streckengestaltung hier einfach sein könnte. Das Gegenteil ist der Fall.
Das hohe Verkehrsaufkommens – allein von der Nibelungenbrücke bis zur DEZ-Kreuzung sind täglich knapp 40 000 Kraftfahrzeuge unterwegs – „stellt die Planer des Stadtbahnprojektes vor große Herausforderungen“, heißt es in der Sitzungsvorlage. Insbesondere bei der DEZ-Kreuzung sind noch viele Fragen offen. Für diesen heute schon überlasteten Knotenpunkt läuft nämlich noch bis Ende 2023 eine Verkehrsuntersuchung, die zeigen soll, ob unabhängig von der Stadtbahn ein Umbau nötig ist.
Was die Stadtbahn selbst anbelangt, zeichnet sich eine Streckenführung am östlichen Fahrbahnrand ab. So wären Donau-Einkaufszentrum und Landratsamt direkt erreichbar, hier sowie beim Alex-Center sind auch Haltestellen geplant. Alle drei sollen „Verknüpfungsanlagen“ zum Busverkehr werden, vor dem DEZ könnte diese besonders groß ausfallen und den Raum der heutigen Tankstelle sowie der Wellenreit-Anlage einnehmen – sofern der Grundstückseigentümer mitspielt.
„Optimierte Variante“ für die Wöhrdstraße
Als im Dezember 2022 erstmals die mögliche Trasse durch die Wöhrdstraße vorgestellt wurde, war der Platzbedarf für die Stadtbahn nur mit der Hinzunahme von rund 500 Quadratmetern Privatgrund zu decken. Jetzt liegt eine „optimierte Variante“ vor. Gegenüber der Ursprungsplanung wurden in einzelnen Abschnitten die Geh- und Radwegbreiten reduziert. Dadurch „kann der Eingriff in Privatgrund fast vollständig vermieden werden“, lassen die Planer wissen. Zudem wurde auf beiden Straßenseiten Platz frei für eine jeweils 30 Meter lange Kurzpark- und Ladezone.
Autoverkehr nur noch zum Dachauplatz-Parkhaus
Auf dem knapp einen Kilometer langen Streckenteil zwischen Eiserner Brücke und Galgenbergbrücke soll die Stadtbahn ohne Oberleitung fahren. So viel war schon bekannt. Ansonsten waren weitere Einschränkungen für den Individualverkehr absehbar. Die Vorlage für Donnerstag bestätigt dies nun: „Für den betrieblich verlässlichen Ablauf des Stadtbahnverkehrs im Innenstadtkorridor ist eine Reduzierung der bestehenden Verkehrsbelastung erforderlich“, heißt es da.
Konkret soll der aus Richtung Adolph-Kolping-Straße und Minoritenweg kommende Individualverkehr nur noch bis zum Parkhaus am Dachauplatz fahren können, eine Weiterfahrt in Richtung Süden wird nicht mehr möglich sein. Wer von der Landshuter Straße kommt, kann an der Einmündung D.-Martin-Luther-Straße nur noch rechts abbiegen. Damit das Parkhaus am Petersweg weiterhin aus dieser Richtung erreichbar bleibt, soll die Luitpoldstraße in beide Fahrtrichtungen freigegeben werden. Noch ein Detail: Zur Durchfahrt unter dem Neuen Rathaus ist für die Stadtbahn der westliche Bogen reserviert.
Wie geht’s über den Hochschul-Campus?
Das vermeintlich größte Problem auf der Strecke vom südlichen Ende der Galgenbergbrücke bis zum Klinikum lauert ausgerechnet da, wo der meiste freie Raum zur Verfügung steht: im Bereich zwischen OTH und Universität. Die Stadtbahn-Planer wollen den Hochschul-Campus queren, was vom Freistaat Bayern als Eigentümer aber kritisch gesehen wird.
Neben befürchteten Lärmbelästigungen wird die Durchschneidung dieses Bereichs als Gegenargument ins Feld geführt. Weil auch die Alternative – eine Trassenführung durch die Uni-Unterführung – abgelehnt wird, haben die Vertreter des Freistaats laut Sitzungsvorlage darum gebeten, „die Notwendigkeit der Campusquerung nochmals zu prüfen“. Die Stadtbahn-Planer bauen derweil auf eine „gestalterische Integration der Trasse in die Freibereiche, bei der eine Trennungswirkung im Campusbereich vermieden wird“.
Burgweinting: Noch zwei Trassen im Rennen
Der erste Protest gegen die Stadtbahn war vor bald zwei Jahren in Burgweinting laut geworden. Die damals massiv kritisierte Trassenvariante „Baugebiet Südwest“, die unter anderem hinter Gärten am Käthe-Dorsch- und Aureliaweg vorbeigegangen wäre, ist mittlerweile mit dem Prädikat „Verworfen“ versehen. Noch im Rennen sind die Streckenführungen über die Obertraublinger Straße und die Villa Rustica.
Beide sind alles andere als frei von Problemen: In der Obertraublinger Straße würde die Stadtbahn Privatflächen beanspruchen, im Mischverkehr fahren und eine vergleichsweise geringe Erschließungswirkung haben. Mit der Variante Villa Rustica könnten weitaus mehr Anwohner „abgeholt“ werden, allerdings würde in ein Naherholungsgebiet eingegriffen werden. Es bleibt also kompliziert – wie an fast allen Streckenabschnitten.