Stadtbahn: Wie viel Verkehrswende trauen sich Regensburgs Stadträte?

Von Rainer Wendl · 14. Juli 2023 um 17:00

Viereinhalb Stunden debattierten Stadträte am Donnerstagabend über die Regensburger Stadtrat. Ein kleiner Abriss über ein großes Thema.

Wer keine Bereitschaft zum Bohren wirklich dicker Bretter hat, kann mit dem Thema Stadtbahn wenig bis nichts anfangen. AfD-Stadtrat Erhard Brucker zum Beispiel hat daher für sich persönlich die Sitzung des Stadtbahn-Ausschusses am Donnerstagabend wesentlich abgekürzt.

„Wir unterhalten uns über ein Projekt, das hoffentlich eh nie realisiert wird“, sprach er und ward nach zwei von insgesamt fünf Beschlüssen nicht mehr gesehen. Alle anderen Stadträte machten es sich nicht so leicht und hielten die vollen viereinhalb Stunden durch.

Nicht nur in zeitlicher Hinsicht war der Aufwand groß. Es brauchte auch reichlich Hirnschmalz und Vorstellungskraft, um sich durch die Details der fünf vorgestellten Trassenabschnitte zu kämpfen.

Rat an CSU: Immer mitfahren

Vor allem der Bereich „Innenstadt“ zwischen Eiserner Brücke und Galgenbergbrücke war fordernd. Die Planung, wonach das Parkhaus am Dachauplatz zwar von allen Seiten erreichbar bleibt, eine Durchfahrt von Nord nach Süd aber nicht mehr möglich sein wird, bedurfte wiederholter Erklärungen.

Dabei wurde deutlich, dass die Stadtbahn tatsächlich eine Verkehrswende mit sich bringen würde. „Wir müssen neue Prioritäten bei den Verkehrsträgern setzen, es wird sehr eng“, sagte dazu SPD-Stadtrat Klaus Rappert. Benedikt Suttner (ÖDP) stimmte ihm zu: „Die Altstadt verträgt keine Durchgangssituation für Autos mehr.“

Auch in der Wöhrdstraße müsse „den Autos der Platz weggenommen werden“. Als mögliches Mittel zur weiteren Verkehrsreduzierung formulierten Monir Shahedi (Grüne) und Irmgard Freihoffer (Linke) unisono den Gedanken, das Parkhaus am Dachauplatz mittel- bis langfristig zur reinen Quartiersgarage zu machen.

Kathrin Fuchshuber ging dies alles viel zu weit: „Die Altstadt ist bereits verkehrsberuhigt“, betonte die CSU-Stadträtin. Die Planung der Stadtbahn im Zentrum habe sie schon bisher an den berühmten „Kamel durch ein Nadelöhr“-Vergleich erinnert. „Doch jetzt wird es langsam ein kleiner Elefant.“

Ihre Skepsis begründete Fuchshuber auch mit der Sorge, ob die von der Stadtbahn ausgelösten Erschütterungen innenstadtverträglich seien. Während Planungsreferentin Christine Schimpfermann auf bald anstehende Messungen verwies, fühlte sich Maria Simon (Grüne) zu einem kleinen Seitenhieb veranlasst.

Denn in Freiburg, wohin der Stadtrat im März eine Exkursion unternommen hatte, seien alle Fragen zum Thema Erschütterungsmanagement beantwortet worden. „Immer mitfahren!“, lautete daher ihr Rat an die CSU-Fraktion, die sich den Info-Trip gespart hatte.

Am Streckenabschnitt Universitätsstraße in Richtung Neuprüll und Klinikum stieß die Vorstellungskraft von Tom Mayr (Brücke) an ihre Grenzen. Er fragte, wohin Hunderte von beidseits am Straßenrand parkende Autos ausweichen sollten, wenn dort die Stadtbahn geführt wird. Schimpfermann antwortete mit Parkhaus-Plänen der Uni.

Das größere Problem stellt für die Planungsreferentin die Haltung des Freistaats in Sachen Campus-Querung dar. „Ich bin zuversichtlich, dass es eine Lösung gibt“, meinte sie zwar, verwies aber auch auf die ungeliebte Alternative, die Stadtbahn über den Galgenberg gerade hinauf bis zum Jahnstadion zu führen.

Auf das Wohlwollen von Grundstückseigentümern sind die Planer schließlich auch in der Nordgaustraße angewiesen, wo zwei große Verknüpfungspunkte mit dem Busverkehr entstehen sollen. Kathrin Fuchshuber zweifelte erneut: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass das DEZ bereit ist, auf Parkplätze zu verzichten.“

Scherze zum Abschluss

Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) hielt dagegen, dass bereits erste Gespräche liefen: „Das DEZ hat natürlich großes Interesse daran, eine Umsteigestelle zu bekommen – ich bin daher gar nicht unoptimistisch.“

Sie verwies auf die Möglichkeiten zur Stadtgestaltung, die durch die überbaubaren Verknüpfungspunkte an der Nordgaustraße entstehen würden. „Da machen wir das Bürgerbüro Nord rein“, lautete hierzu ein Geistesblitz von CSU-Fraktionschef Jürgen Eberwein. „Oder die CSU-Zentrale. Mit großer Leuchtschrift am Dach“, entgegnete die Oberbürgermeisterin. Mit diesen Gags endete die Mammut-Sitzung um kurz vor 21.30 Uhr.