Trotz politischer Querelen: Der Elan der Stadtbahn-Planer in Regensburg ist intakt

Kontinuierlich weiterarbeiten und Fortschritte erzielen – das ist ungeachtet des Gegenwinds gegen das Projekt die Devise der Regensburger Stadtbahn-Planer.
In dieser Woche erreicht das Regensburger Stadtbahn-Projekt einen kleinen Meilenstein. „Für alle elf Abschnitte des Kernnetzes liegen jetzt Planungen vor“, erklärte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer am Montag, warum die Sitzung des Ausschusses für den Neubau einer Stadtbahn am Donnerstag etwas Besonderes ist.
Auch in Sachen Umfang ragt die Tagesordnung heraus. Wie bereits berichtet, geht es um nicht weniger als fünf Streckenabschnitte. Bemerkenswert ist zudem, dass sich an einem besonders umstrittenen Routenpunkt, der Wöhrdstraße, ein massives Problem scheinbar in Luft aufgelöst hat.
Stadtbahn Regensburg: „Bedarf einer vertieften Planung“
Dies alles war für das Stadtoberhaupt und die Planer Grund genug, erstmals vor einer Ausschusssitzung mit zusätzlichen Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen. „Es besteht an jedem einzelnen Abschnitt der Bedarf einer vertieften Planung, um letztendlich die Lösung zu finden“, sagte Maltz-Schwarzfischer mit Blick auf die Wöhrdstraße.
Planungsreferentin Christine Schimpfermann führte dann genauer aus, was so eine „vertiefte Planung“ bringen kann: „Wir haben weitergearbeitet und sind auf die Anregungen der Bürger eingegangen.“ Das Ergebnis bezeichnete sie als „rundes Bild“. So gibt es nun nicht nur 30 Meter lange Lade- und Haltebuchten pro Fahrtrichtung, vor allem sind keine Eingriffe in Privatgrundstücke mehr nötig.
Bei der ersten, im Dezember 2022 vorgestellten Planung war diesbezüglich noch von 500 Quadratmetern Platzbedarf, aufgeteilt auf mehrere zur Abgabe unwillige Eigentümer, die Rede. „Jetzt brauchen wir nichts mehr von Privatgrundstücken, nur noch ein bisschen was vom Jugendherbergswerk“, erläuterte Stadtbahnamt-Chef Thomas Feig und bezifferte die verbliebene Zukaufsfläche auf 20 Quadratmeter.
Regensburg: Dachauplatz-Parkhaus bleibt erreichbar
Nicht verändert hat sich indes die Absicht, den Auto-Durchgangsverkehr in der Wöhrdstraße weitgehend zu eliminieren. „Damit bekommt die Straße eine ganz andere Wertigkeit“, zeigte sich Schimpfermann überzeugt.
Frank Steinwede, Betriebsleiter vm Stadtwerk Mobilität (SMO), rückte den größeren Zusammenhang ins Blickfeld: „Es soll ja eine Verkehrswende stattfinden, und damit muss man irgendwo sinnhaft anfangen – das ist in der Wöhrdstraße.“ Jedenfalls soll die Fahrt über den Unteren Wöhrd zum Bahnhof und dann weiter zur Uni künftig nicht mehr möglich sein. Am Dachauplatz-Parkhaus, das aus allen Richtungen erreichbar bleibt, ist Schluss.
An einer anderen Stelle des Streckennetzes muss die Stadt derweil um die Durchfahrbarkeit für die Stadtbahn bangen. Dem Freistaat Bayern wäre es nämlich am liebsten, wenn die Stadt auf die Querung des Hochschul-Campus verzichten würde. „Wir sind in guten Gesprächen mit dem Freistaat, wir wollen nichts unversucht lassen“, sagte die Planungsreferentin dazu nur. Die Frage, ob im Notfall auch eine alternative Streckenführung geradeaus den Galgenberg hinauf bis zum Jahnstadion in Frage käme, ließ sie daher unbeantwortet.
Auf die Kooperation mit Grundstückseigentümern ist die Stadt auch in der Nordgaustraße angewiesen. Beim Donau-Einkaufszentrum, beim Landratsamt oder auch dazwischen sollen große Verknüpfungspunkte zwischen der Stadtbahn und dem Busverkehr entstehen. Laut Schimpfermann laufen die ersten Gespräche mit den Grundstückseigentümern schon.
Bau-Akzente als Lockmittel für Grundstückeigentümer
Die Stadt kann dabei mit der Möglichkeit für neue bauliche Akzente locken – denn die Verknüpfungspunkte beanspruchen nur die ebenerdige Fläche, darüber sind der Fantasie zur Errichtung von Gebäuden aller Art kaum Grenzen gesetzt. „Das sind Möglichkeiten zur Stadtentwicklung – grandios!“, schwärmte Steinwede.
Der Elan der Stadtbahn-Planer ist also weiter intakt. Dass sie politische Querelen und eine kontroverse Ausschuss-Sitzung am Donnerstag auf den Boden der Tatsachen zurückholen könnten, fürchten sie offenbar nicht. Im Gegenteil: „Wir sind jetzt frühzeitig mit den Informationen draußen und wollen Anregungen.“