Regensburgs neuer Planungsreferent will Begeisterung für die Stadtbahn wecken

Von Rainer Wendl · 12. Oktober 2023 um 15:00

Viele neue Gesichter waren beim vierten Dialogforum zur Stadtbahn zu finden. Eines davon gehört Regensburgs neuem Chef-Planer.

„Wer ist heute zum ersten Mal mit dabei?“, wollte der Moderator des vierten Stadtbahn-Dialogforums am Mittwochabend wissen. Die erstaunlich vielen in die Höhe gestreckten Hände sind ein Indiz dafür, dass das Interesse an Regensburgs Mega-Projekt in Sachen Mobilität nochmals deutlich angezogen hat. Der prominenteste Neuling im vollbesetzten Saal des Parkside am Stadtpark saß in der ersten Reihe: der frischgebackene Planungs- und Baureferent Florian Pajer.

Auf der Bühne mit Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer betonte er, erst seinen „fünften effektiven Arbeitstag“ zu haben und zunächst vor allem zuhören zu wollen. Klare Botschaften hatte er dennoch. Nach der allgemeinen Feststellung, dass ein hochwertiger und leistungsfähiger öffentlicher Nahverkehr ein wichtiger Baustein zur Erreichung der Klimaziele sei, sagte Plajer: „Ich wünsche mir, Begeisterung für dieses Projekt zu wecken.“

Bei der Stadtbahn gehe es nicht nur darum, Schienen in Längsrichtung zu verlegen, sondern den Straßenquerschnitt neu zu gestalten. „Da liegt ein riesiges Potenzial zu bergen“, warb der Planungsreferent für diesen Stadtumbau. Der ideale Zeitpunkt zum Einstieg sei jetzt – „nicht dass wir in zehn bis 15 Jahren feststellen, dass wir ein noch größeres Mobilitätschaos haben.“

Plajers Worte sorgten für den ersten Applaus bei der dreistündigen Veranstaltung, die Unmengen an Informationen, Fragen und Emotionen zu bieten hatte. Deren Einordnung und letztgültige Bewertung bleibt anspruchsvoll und hängt auch wesentlich davon ab, wie festgelegt man bereits ist.

OB „rettet“ ihren Amtsleiter

Das beste Beispiel dafür lieferten am Mittwoch zwei „Zufallsbürger“. Ludwig Wittmann und Stefan Aumüller sind zwei von 1750 Regensburgern, die zur Teilnahme am Planungsprozess eingeladen worden waren. „Ich bin vom Skeptiker zum nachhaltigen Befürworter geworden“, beschrieb Wittmann seine Erfahrung. Vor allem die im März durchgeführte Exkursion nach Freiburg bezeichnete er als Aha-Erlebnis, weil hier seine Bedenken hinsichtlich des Lärms einer Stadtbahn zerstreut worden seien.

Der Ansatz von Aumüller ist ein gänzlich anderer. Er ist erklärter Stadtbahn-Gegner, hat einen umfangreichen Aufsatz dazu verfasst und fleißig unters Volk gebracht. Zur Stadtbahn selbst sagte er daher am Mittwoch gar nichts mehr, lediglich die Einbindung der Bürgerschaft bei der Stadtbahn-Planung kritisierte er: „Wir sind gut informiert worden, doch das ging nur in eine Richtung. Teilhabe hat zwei Wege.“

Ausgerechnet der hochumstrittene Streckenabschnitt Sandgasse scheint ihn zu widerlegen. Hier sind die Planer sehr wohl auf die kritischen Hinweise der Gegner eingegangen und haben fünf alternative Routen untersucht, von denen drei noch im Rennen sind. Dies macht die Anwohner freilich nicht zu Befürwortern, doch unter vier Augen räumte einer von ihnen ein: „Die Streckenführung entlang der Pilsen-Allee könnte tatsächlich sinnvoll sein – sofern der Vorschlag wirklich ernst gemeint ist.“

Der Hauptangriffspunkt der Kritiker war am Mittwoch aber sowieso ein anderer. Sie konfrontierten den städtischen Amtsleiter Thomas Feig mit der Prognose, dass die Stadtbahn in Spitzenzeiten alle 75 Sekunden die kompletten vier Fahrspuren der Nibelungenbrücke blockieren würde.

Ehe Feig zu sehr in die Enge getrieben werden konnte, sprang kurzentschlossen die Oberbürgermeisterin auf die Bühne und hob zu einer kurzen Grundsatzrede an: Der Individualverkehr solle durch die Stadtbahn nicht verdrängt oder behindert werden, nur in bestimmten Fällen werde er verengt oder kurz unterbrochen. „Aber er wird fließen. Wenn wir jedoch mit dem öffentlichen Verkehr nicht in eine höherwertige Situation kommen, wird er nicht fließen, sondern stehen. Im Stau.“

„Politisch immer schwerer“

Zur konkreten Situation auf der Nibelungenbrücke verwies Maltz-Schwarzfischer auf bereits in Arbeit befindliche Verkehrssimulationen. Sollten diese die vorgesehene Streckenführung der Stadtbahn als nicht praktikabel entlarven, werde umgeplant.

Auf eine solche Herangehensweise setzt auch „Zufallsbürger“ Wittmann „Wenn man was nicht will, findet man 1000 Gründe – wenn man was will, findet man einen Weg“, sagte er und appellierte an die anwesenden Politiker: „Es geht um die Zukunft der Stadt. Bitte machen Sie die Stadtbahn nicht zum Wahlkampfthema.“

Doch genau das wird passieren, wie ein anwesender Stadtrat hinter vorgehaltener Hand unkte. „Politisch wird das immer schwerer“, meinte er angesichts der Umstände, dass es bei Vorliegen der Nutzen-Kosten-Untersuchung nur noch zwei Jahre bis zur nächsten Kommunalwahl sind und sich die CSU eh längst von der Stadtbahn verabschiedet hat. Dem Vernehmen nach stehen allenfalls noch zwei der 13 Mitglieder der stärksten Stadtratsfraktion hinter dem Projekt.

Auch mit dieser Begebenheit wird Planungsreferent Plajer bald Bekanntschaft machen.

Vorentscheidung beim Streckenabschnitt Burgweinting?

Vorgeschichte: Die Pioniere des Widerstands gegen die Regensburger Stadtbahn sitzen in Burgweinting. Hier formierte sich bereits im Sommer 2021 der erste Protest, zu einem Zeitpunkt also, als die meisten Regensburger das Thema überhaupt noch nicht auf dem Schirm hatten. Die Ablehnung richtete sich damals in erster Linie gegen eine eingleisige Streckenführung zwischen Gärten, die zu Einfamilienhäusern am Käthe-Dorsch- und Aureliaweg gehören. Diese Planung ist längst verworfen.

Favorit: Von den untersuchten Streckenalternativen sind noch zwei übrig. Eine führt über die Obertraublinger Straße, die andere über den Bereich der Villa Rustica. Weil die Obertraublinger Straße an manchen Stellen zu eng für Stadtbahn und Radweg ist und Leitungen im Untergrund die Trassenführung erschweren, favorisieren die Planer offenbar die Villa Rustica. Weiterer Vorteil: Es gibt einen rechtsgültigen Bebauungsplan, der die Führung einer Stadtbahn in diesem Bereich vorsieht.

Protest: Beim Dialogforum am Mittwoch wurde einmal mehr deutlich, dass auch diese Trasse reichliche Gegnerschaft hat. Sie führt nämlich durch ein beliebtes Naherholungsgebiet und würde die Fällung von schätzungsweise 45 Bäumen erfordern. Die Stadtbahn-Planer sagten am Mittwoch zu, vor einer Entscheidung jeden einzelnen dieser Bäume auf seine Wertigkeit und erwartete Restlebenszeit hin zu untersuchen und überdies umfangreiche artenschutzrechtliche Gutachten erstellen zu lassen.

Vorgeschichte: Die Pioniere des Widerstands gegen die Regensburger Stadtbahn sitzen in Burgweinting. Hier formierte sich bereits im Sommer 2021 der erste Protest, zu einem Zeitpunkt also, als die meisten Regensburger das Thema überhaupt noch nicht auf dem Schirm hatten. Die Ablehnung richtete sich damals in erster Linie gegen eine eingleisige Streckenführung zwischen Gärten, die zu Einfamilienhäusern am Käthe-Dorsch- und Aureliaweg gehören. Diese Planung ist längst verworfen.

Favorit: Von den untersuchten Streckenalternativen sind noch zwei übrig. Eine führt über die Obertraublinger Straße, die andere über den Bereich der Villa Rustica. Weil die Obertraublinger Straße an manchen Stellen zu eng für Stadtbahn und Radweg ist und Leitungen im Untergrund die Trassenführung erschweren, favorisieren die Planer offenbar die Villa Rustica. Weiterer Vorteil: Es gibt einen rechtsgültigen Bebauungsplan, der die Führung einer Stadtbahn in diesem Bereich vorsieht.

Protest: Beim Dialogforum am Mittwoch wurde einmal mehr deutlich, dass auch diese Trasse reichliche Gegnerschaft hat. Sie führt nämlich durch ein beliebtes Naherholungsgebiet und würde die Fällung von schätzungsweise 45 Bäumen erfordern. Die Stadtbahn-Planer sagten am Mittwoch zu, vor einer Entscheidung jeden einzelnen dieser Bäume auf seine Wertigkeit und erwartete Restlebenszeit hin zu untersuchen und überdies umfangreiche artenschutzrechtliche Gutachten erstellen zu lassen.