„Löst Verkehrsprobleme nicht“: Dieser Regensburger Unternehmer hadert mit der Stadtbahn

Von Christian Eckl · 20. Juni 2023 um 05:00

Der Regensburger Stefan Aumüller kann nicht glauben, wie die Stadt die vermeintliche Verkehrswende mit dem Projekt betreiben will. Aus veröffentlichten Daten leitet er ab, dass die Stadtbahn nur ein Reinfall werde.

Politiker ist Stefan Aumüller nicht. Aber der Unternehmer engagiert sich gegen ein Mega-Projekt, das die Stadt unbedingt umsetzen will: die Stadtbahn. Aumüller hat sich in das Thema vertieft: Er hat das Gutachten gelesen, das die Grundlage für den Stadtratsbeschluss war, ein eigenes Amt einzurichten. Dieses soll die Stadtbahn auf die Schienen bringen – doch löst diese wirklich die Verkehrsprobleme Regensburgs? „Keinesfalls“, sagt Aumüller.

„Die Probleme, die Regensburg hat, werden davon kaum berührt.“ Der Unternehmer hat seine Präsentation schon vor Regensburger Unternehmern gehalten, aber auch vor Stadtratsfraktionen. Seine Eindrücke sind unterschiedlich: „Bei der CSU hatte ich den Eindruck, dass man eigentlich nicht mehr hinter dem Projekt steht“, sagt Aumüller.

Fraktionen sind gespalten

Die Regensburger Oberbürgermeisterin habe ablehnend auf seine Kritik reagiert. Bei den Grünen habe er „ideologisches Festhalten an dem Projekt“ erlebt. Doch was sind eigentlich seine Argumente gegen die Stadtbahn? „Täglich kommen mehr als 90000 Pendler in die Stadt“, sagt Aumüller, „hinzu kommen 25000 Auspendler. Viele davon sitzen allein im Auto. Die werden durch eine Stadtbahn, wie sie jetzt geplant wird, überhaupt nicht abgeholt.“ Die hohe Zahl der Pendler aber sei das Kernproblem in Sachen Verkehr – dort müsse man aber ansetzen.

Auch Vergleiche mit anderen Städten hinken seiner Ansicht nach. Er wirft Streckenpläne auf die Leinwand, die beeindruckend sind: Montpellier in Südfrankreich beispielsweise. Doch schnell wird klar, wo der Unterschied zur Stadtbahn in Regensburg liegt: Die Stadt mit 275000 Einwohnern hat ein Streckennetz von 60 Kilometern. Regensburgs Netz, das in Y-Form von Wutzlhofen nach Burgweinting und Graß führen soll, hätte 14,5 Kilometer. „Das ist nicht vergleichbar“, findet Aumüller. Und er zählt weitere Beispiele auf. Etwa die Stadt Freiburg, die immer wieder Besuch aus Regensburg bekommt, weil dort eine Straßenbahn fährt. Die ist aber ist historisch gewachsen und hat wohl auch deshalb ein Netz von 44 Kilometern – auch in der Altstadt.

Wo Regensburg in den 60er Jahren die Schienen abbaute, baute man in Freiburg immer weiter aus. Dem Argument, das zunächst angedachte Netz in Y-Form sei ja nur der Anfang und man wolle eine dritte Strecke quer durch Regensburg verlaufen lassen, entgegnet Aumüller: „Die Passagierzahlen sind ab dem Krankenhaus der Barmherzigen Brüder viel zu gering.“ Zudem sei eine Trassenführung über den Bismarckplatz aus seiner Sicht nicht umsetzbar.

Doch wen soll die Stadtbahn eigentlich abholen? Seit Jahren wird in Regensburg über den Ausbau der Fahrradstrecken diskutiert. Aumüller ist selbst leidenschaftlicher Radler. Und: Er hat die Strecken abgefahren, die auch die Stadtbahn zurücklegen soll. Von Wutzlhofen an die Uniklinik brauchte er 36 Minuten, in die andere Richtung 31. Die Stadtbahn brauchte 24. Von Wutzlhofen zum Bahnhof Burgweinting benötigte er mit dem Rad 30 – die Stadtbahn soll die Strecke in 22 Minuten schaffen. Aumüller fuhr ohne Elektro-Unterstützung.

Steigen Radfahrer um?

Überhaupt ist das für ihn das schlagendste Argument gegen die Stadtbahn. Laut Gutachten von komobile aus 2018, die Grundlage für den Stadtratsbeschluss pro Stadtbahn, würde die Bahn lediglich 1,1 Prozent der bisherigen Autofahrer abholen und von einem Wechsel des Verkehrsmittels überzeugen – aus dem Landkreis sind es nur 0,5 Prozentpunkte. Wahrer Gewinner ist seit Jahren der Radverkehr: Der Anteil an den genutzten Verkehrsmitteln nahm von 19,1 auf 24 Prozent zu. Im Herbst soll der Masterplan für die Stadtbahn vorliegen. Befürworter der Stadtbahn begegnen Aumüller mit dem Hinweis, er solle doch diesen Masterplan erst einmal abwarten.

Für ihn gäbe es längst andere Verkehrsansätze: Eigene Spuren nur für E-Busse beispielsweise. Oder das Robo-Taxi, das in Hamburg betrieben werden soll. Die Seilbahn-Idee findet Aumüller gar nicht so abwegig oder das sogenannte Blue Lane, das es beispielsweise in Israel gibt: Fahrspuren, auf denen beispielsweise nur Autos mit mehr als einem Insassen oder nur Elektroautos fahren dürfen. „Konzepte gibt es viele und gute“, sagt Aumüller.

Die Stadtbahn gehört für ihn nicht zu denen, die Regensburgs Verkehrsprobleme löst.

KOMMENTAR: Bitte keine Schnellschüsse

Seit Monaten liefern sich die Gegner und Befürworter einer Stadtbahn ein Bietergefecht der Argumente. Nun hat ein Regensburger Unternehmer Ordnung in die der Ablehner gebracht: Ohne Schaum vor dem Mund hat Stefan Aumüller abgewogen, Positives gewichtet und mit Negativem in Relation gesetzt. Er hat die Zahlen zusammengetragen und abgewogen.

Man muss Aumüller nicht darin folgen, dass er die Stadtbahn ablehnt. Aber schönrechnen darf man sich die Bahn auch nicht. Klar, so, wie der Verkehr in Regensburg gerade läuft oder stockt, kann es nicht weitergehen. Aber löst die Stadtbahn diese Probleme wirklich? Wer den Vortrag von Aumüller gehört hat, kann daran ernsthafte Zweifel hegen. Nicht von der Hand zu weisen ist beispielsweise, dass man kaum Menschen aus dem Landkreis in die Bahn bringt, die aber jeden Tag nach Regensburg einpendeln. Die Stadtpolitik sollte wirklich noch mal nachdenken: Lohnt sich das alles überhaupt?

Der Unternehmer Stefan Aumüller. Foto: Eckl