Ziel eines Berchinger Unternehmers: Häuser bezahlbar machen

Von Bernhard Neumayer · 23. Juni 2023 um 15:00

Der Traum vom Eigenheim scheint für viele aktuell unmöglich. Josef Schmidt aus Berching (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) will ihn wieder für mehr Menschen verwirklichen. Dafür will der Maschinenbauer in einer anderen Branche Fuß fassen – im Alter von 63 Jahren.

„Es kann nicht sein, dass sich nur noch Reiche ein Haus leisten können“, sagt der 63-Jährige aus der Großgemeinde Berching. Sein Sohn Sebastian habe es am eigenen Leib erfahren müssen, wie teuer Grundstück und Haus seien. 600.000 Euro, 700.000 Euro, 800.000 Euro für ein Einfamilienhaus: „Das muss günstiger gehen“, sagt der Unternehmer.

Modulhaus aus Erasbach soll 195.000 Euro kosten

Der Erfinder präsentiert nun ein Modulhaus, das seinen Angaben zufolge für 195 000 Euro brutto zu haben ist. Ein Beispielhaus hat er für Interessierte im Industriepark Erasbach aufgestellt.

Für knapp 200.000 Euro könne sich ein Kunde ein Grundmodulhaus, bestehend aus drei Modulen, mit einer Wohnfläche von 75 Quadratmetern errichten lassen. Innerhalb eines Tages soll das fertige Modulhaus, das über Stromanschluss, Sanitäranlagen, Fenster und Türen verfügt, am Bauplatz zusammengesteckt werden. Standardmäßig werden die Modulhäuser von Josef Schmidt mit Infrarotstrahlern geliefert. Es sei aber auch eine Wärmepumpe denkbar oder eine Solaranlage. Dann werde es aber insgesamt teurer.

Mehr Geld müssen Kunden auch für ein Satteldach bezahlen. Beim Grundpreis von 195.000 Euro rechnet Schmidt mit einem Flachdach und mit drei Modulen. Standardmäßig sind die Module je 9,50 Meter lang, drei Meter breit und 2,80 Meter hoch. Sein Beispielhaus in Erasbach besteht aus drei Modulen, einem Grundmodul mit Haustüre, Eingangsbereich, Badezimmer inklusive Sanitäranlagen und Kinderzimmer. Die beiden weiteren Module beinhalten Wohnzimmer, Küche und Schlafzimmer.

Aufbau eines Modulhauses der Firma avelux

„Die Häuser können aber nach eigenen Wunsch zusammengestellt werden“, betont Schmidt. Es seien auch vier oder fünf Module nebeneinander möglich. Identisch dagegen ist der Aufbau eines Moduls. Es besteht aus einem Stahlrahmen, mit dem die einzelnen Module miteinander verbunden werden. Die Module werden in Erasbach gefertigt und anschließend mit Lastwagen zum Bauplatz transportiert. Dort werden die Module zusammengesteckt. „Wie Lego-Bausteine“, sagt Schmidt.

Eine Betonplatte sei vor Ort nicht nötig. Die Häuser werden auf Erdanker gestellt und könnten bei Bedarf schnell wieder aus der Verankerung gehoben werden. Schmidt kann sich neben Wohnhäusern auch etwa Arztpraxen in Modulbauweise vorstellen. Seine Vision: „Landwirte könnten ihre Grundstücke vermieten statt zu verkaufen, um dort Platz für Modulhäuser zu schaffen.“

Die notwendige Stabilität verleiht den Häusern der Stahlrahmen. Für sein Modulhaussystem hat der Erfinder 2020 ein Patent angemeldet. Das Besondere an Schmidts Erfindung sei der Stahlrahmen mit Holzbalken. Aktuell liegt das Patent mit dem Titel „Raumzelle für ein Modulhaus und Verfahren zum Aufbau einer Raumzelle für ein Modulhaus“ beim Patentamt in München aus. Abgeschlossen ist das Verfahren noch nicht.

Auch mit seiner neuen Firma steht Schmidt noch am Anfang. Unter dem Firmennamen avelux sollen die Häuser gefertigt werden. Aktuell besteht das Unternehmen, das Schmidt im Juli 2021 gegründet hat, nur aus ihm selbst.

Josef Schmidt hat sich mit Firma autronix in Erasbach verwirklicht

Ursprünglich kommt Schmidt aus einer anderen Branche: Der 63 Jahre alte Mann ist Konstrukteur und hat sich vor 30 Jahren mit der Firma autronix selbständig gemacht. Die Firma, die sich im Industriepark in Erasbach angesiedelt hat, fertigt Sondermaschinen für Kunststoffteile. Diese werden in der Automobilindustrie verwendet. Zu den Kunden des Betriebs, den Josef Schmidt mit seiner Frau Stilla leitet, zählen auch Schaeffler und Siemens. Die Firma autronix mit fünf Mitarbeitern laufe wie bisher weiter.

Zusätzlich will Schmidt mit avelux durchstarten. Warum tut er sich das mit 63 Jahren noch an? „Er ist ein Erfinder und hat sich die Modulhäuser in den Kopf gesetzt“, beantwortet seine Frau Stilla diese Frage. Zudem stehe sein 38-jähriger Sohn Sebastian als möglicher Nachfolger parat, sich in fernerer Zukunft um die Modulhäuser zu kümmern.

Firma avelux aus Erasbach sucht einen Investor

Bisher hat Josef Schmidt für seinen neuen Traum nur ein Büro in den Räumen seiner Firma autronix. Ab Herbst wolle er über eine große Halle verfügen, in der die Module gefertigt und gelagert werden können. Dann plant er auch, Aufträge für Modulhäuser anzunehmen.

Um schneller zu wachsen, ist Schmidt auf der Suche nach einem Investor, der sich an avelux beteiligt.

Bürger, die sich sich für ein Modulhaus interessieren, können jeden Samstag von 10 bis 13 Uhr im Industriepark Erasbach B6 das Beispielhaus besichtigen – inklusive Beratung von Josef Schmidt.

Nachhaltigkeit sei Josef Schmidt wichtig, weshalb er gerne mit Holz arbeitet. Die Wände können auf Wunsch aber auch aus verputzten OSB-Platten bestehen. Foto: Neumayer