Neumarkter Sparkassen-Chef: Das eigene Haus bleibt für viele ein Traum

Von Josef Wittmann · 5. April 2023 um 12:24

Stefan Wittmann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neumarkt-Parsberg, erläutert im Gespräch mit unserer Zeitung die derzeitige Lage für Bauwillige. Zudem spricht er über die aktuelle Situation der Bank und neue Wege, um Kosten zu sparen.

Es mache nach wie vor Spaß, Vorstand der Sparkasse Neumarkt zu sein, sagt Stefan Wittmann lachend. Obwohl der Alltag anstrengender geworden sei. Nicht nur weil er die Aufgaben, die früher ein dreiköpfiges Vorstandskollegium schulterte, heute zu zweit mit seinem Kollegen Wolfgang Meier bewältigen muss. Sondern weil die Zeiten sich auch für die Neumarkter Banker geändert haben.

Stefan Wittmann weiß, wovon er spricht, denn er hat das Sparkassengeschäft von der Pike auf gelernt. 1988 sei er dem fürsorglichen Rat seiner Eltern gefolgt, „etwas Vernünftiges in einem sicheren Unternehmen“ zu lernen“ und begann die Lehre bei der Sparkasse am Oberen Markt. Nach einigen Wanderjahren bei der Bayerischen Landesbank und als Verbandsprüfer bei den bayerischen Sparkassen kam der Familienvater, der mit Frau und Kindern in Berg wohnt, 2007 wieder als Leiter der Kreditabteilung in seine Heimatsparkasse zurück. Seit 13 Jahren gehört er dem Vorstand an, dem er seit 2016 auch vorsteht.

Kreditgeschäft: Sparkassenchef präsentiert „stolze Zahl“

Auf die Frage, ob er froh sei, dass es in der Sparkasse seit kurzem auch wieder Zinsen gebe, antwortet er: „Ich freue mich, dass wir wieder in der normalen Welt angekommen sind, wie sie auch die Kunden kennen.“ Für Tagesgelder zahle die Sparkasse inzwischen wieder ein Viertelprozent und mit Sparkassenbriefen und anderen Produkten des Hauses sei auch deutlich mehr drin. Ganz zu schweigen von den Wertpapieren und Fonds im Köcher seiner Berater.

„Die Jahre, in denen es am Kapitalmarkt und bei der Zentralbank negative Zinsen gab, waren auch für die Sparkasse etwas ganz Neues. Wir konnten sie auch nicht vollständig weitergeben und haben die Last in hohem Maße aus unserer Ertragskraft und unsern Reserven für die Kunden kompensiert.“ Trotzdem habe seine Sparkasse auch im abgelaufenen Geschäftsjahr einen ordentlichen Betriebsgewinn erzielt.

„Rechnerisch haben wir jeden Tag 1,3 Millionen Euro Kredite ausgegeben.“Stefan Wittmann, Vorstand der Sparkasse Neumarkt-Parsberg

Besonders auf das Kreditgeschäft im vergangenen Jahr könne sein Haus stolz sein. „Rechnerisch haben wir jeden Tag 1,3 Millionen Euro Kredite ausgegeben.“ In bunter Mischung sei davon etwa gleich viel an Gewerbetreibende und für den Wohnungsbau valutiert worden. „Das ist eine stolze Zahl, mit der wir viel im Landkreis bewegt haben.“ Vom Erfolg profitiere die ganze Neumarkter Zivilgesellschaft. „Wir geben aus unserem Gewinn etwa 500.000 Euro an soziale Zwecke, Vereine, Kindergärten und Schulen weiter.“

Stefan Wittmann kritisiert „verfehlte Zinspolitik“ der EZB

Obwohl die Sparkasse also gut durch die schwierigen Jahre gekommen ist, beklagt der Sparkassenchef „die verfehlte Zinspolitik“ der EZB. „Zu lange war sie zu locker und jetzt ist sie mit Nachteilen für die Konjunktur zu krass.“ Wegen der nach wie vor hohen Preise für Immobilien seien angesichts der Inflation und der vergleichsweise hohen Kreditzinsen für viele Kunden nun nicht mehr alle Bauwünsche realisierbar.

„Der Traum vom Einfamilienhaus bleibt momentan für viele leider ein Traum.“Stefan Wittmann, Vorstand der Sparkasse Neumarkt-Parsberg

„Seit Ende 2022 läuft im Baubereich alles deutlich langsamer, aber aktuell belebt es sich wieder“, macht Wittmann Hoffnung. „Aber der Traum vom Einfamilienhaus bleibt momentan für viele leider ein Traum. Obwohl der Bedarf für Wohnungen weiter da ist.“ Vieles werde momentan eine Stufe kleiner realisiert, als die Kunden es eigentlich gewollt hätten. Statt des Einfamilienhauses werde es nun öfter eine Eigentumswohnung.

Bauwillige benötigtenfür ihre Finanzierung deutlich mehr Eigenkapitalals noch vor einem Jahr, damit sie die Zinslast aufbringen könnten. „Oft legen da, wie früher, Eltern und Großeltern zusammen, damit der Kredit bezahlbar bleibt. Der Trend geht wieder zum Mehrgenerationenhaus.“

Sparkassen-Vorstand: Bausparen erlebt eine Renaissance

Das Bausparen erlebe in dieser Situation seine Renaissance. „Es sind immer noch LBS-Verträge aus der Vergangenheit mit 1,5 Prozent Darlehenszins im Umlauf. Das Finanzieren mit der Bausparkasse hat Zukunft.“

Wittmann ist stolz darauf, mit seiner gut 370 Köpfe starken Mannschaft das Sparkassenschiff und seine Kundschaft gut durch die Nullzinsphase und die Pandemiezeit manövriert zu haben. Die Stärke der Sparkasse sei immer noch die Nähe zum Kunden. Und dank einer „Spitzen-App auf bundesweit 14 Millionen Smartphones“ seien die Sparkassen nicht erst seit Corona sogar rund um die Uhr zu erreichen. Die Anzahl der Filialbesuche habe im gleichen Maß abgenommen, in dem das Onlinebanking boome.

Um Kosten zu sparen, gehe auch die die Sparkasse Neumarkt neue Wege. Nachdem es sich in Breitenbrunn und Hohenfels bewährt hat, teilt man sich nun auch in Mühlhausen eine Geschäftsstelle mit der örtlichen Raiffeisenbank. Denn das Pfund der Sparkasse solle die Beratung bleiben. Aber anders als bei sogenannten Direktbanken bräuchten sich die Sparkassenkunden auch künftig nicht zwischen online und den 19 Filialen zu entscheiden, versichert Stefan Wittmann. „Sie können das eine tun, ohne das andere zu lassen“.

Freie Ausbildungsplätze bei der Sparkasse für Herbst 2023

Wer die Beratung in der Geschäftsstelle von zu Hause aus in Anspruch nehmen will, für den setze der Berater in der Geschäftsstelle sogar sein Headset für eine Skype-Sitzung am Bildschirm auf. Besonders jüngere Sparkassenkunden schätzen das. „Jeder Kunde kann von Fall zu Fall entscheiden, auf welchem Weg er zu uns kommt. Wir bieten vom Telefon über das Internet bis zur Filiale immer alles an.“

Mit rund 200.000 Anrufen von Kunden im Jahr werde das Kundenservicecenter (KSC) der Sparkasse überdurchschnittlich gut genutzt. Es sei sozusagen seine größte Filiale, sagt Stefan Wittmann.

Der Fachkräftemangel sei auch in der Sparkasse angekommen, konstatiert Wittmann. Wie seit Jahr und Tag bemühe sich die Sparkasse, jedes Jahr zehn Auszubildende einzustellen. „Das klappt auch, aber während diese Plätze früher schon im Vorjahr besetzt waren, gibt es für den Herbst 2023 noch ein paar freie Plätze. Die Bewerbung lohnt sich, denn auch in Zukunft sind unsere Arbeitsplätze sicher und wir bieten eine duale Ausbildung bis hin zum Bachelor und Master“, lockt der Vorstand die nächste Generation.