Immobilien werden immer teurer: Wer kann noch ein Haus bauen?

Bauen ist teuer geworden. Neumarkter Experten spüren daher Zurückhaltung unter Bauwilligen. Kommt es durch die sinkende Nachfrage zu einem Preisverfall auf dem Immobilienmarkt?
Immobilien werden immer teurer, sowohl die Mieten, als auch die Kaufpreise. Beim Bau von Einfamilienhäusern kommen zu den Grundstückpreisen die Kosten für benötigte Materialien und Energie hinzu. Das wird auch in Neumarkt immer deutlicher, denn auch hier mussten bereits begonnene Bauvorhaben wegen der gestiegenen Kosten abgebrochen werden.
Laut Andreas Gimpel, Mitarbeiter der Baufirma Kellermann in Neumarkt, sind bei dem Bauunternehmen seit Oktober nur noch wenige Anfragen zum Bau von Einfamilienhäusern eingegangen. Das Unternehmen habe jedoch noch keine geschlossenen Verträge aufkündigen müssen.
Dies ist nicht überall der Fall, berichtet Oliver Melde, Leiter im Bereich Marktunterstützung der Raiffeisenbank in Neumarkt. So seien mehrere geplante Bauvorhaben in der Stadt abgebrochen worden. Als Gründe sieht er einerseits die gestiegenen Zinsen und andererseits Unsicherheiten bei der Lieferung von Baumaterialien.
Auch der Heizungstechniker Jochen Scharrer von der Firma Scharrer Sanitär- und Heizungstechnik aus Neumarkt berichtet, dass er an vier Bauvorhaben beteiligt gewesen sei, die aufgrund gestiegener Kosten wieder abgebrochen wurden, wodurch für den Handwerker finanzielle Einbußen entstanden.
In Beratungsgesprächen spüre Melde die Auswirkungen. Viele stellten während des Gespräches fest, dass sie sich einen ausreichend hohen Kredit für einen Hausbau nicht leisten könnten. „Dann muss ich Interessenten an Einfamilienhäusern sagen, dass 200000 Euro für ein Grundstück und einen Neubau einfach nicht reichen. Da müssten dann oft noch 300000 Euro draufgelegt werden“, berichtet Melde aus der Praxis.
Unsicherheit bei Bauherren
Bei größeren Apartmenthäusern ist die Situation laut Gimpel anders. Diese Aufträge gehen bei der Baufirma weiterhin ein. Melde verzeichnet allerdings auch bei diesen Kunden einen Rückgang.
Den begründet er mit der Unsicherheit, die für die Bauherren bestehe, da es nicht abzusehen sei, ob es wieder zu Lieferschwierigkeiten von Baumaterialien kommen könnte, die dann teurer beschafft werden müssten. Aus diesem Grund hielten Baufirmen mittlerweile in ihren Verträgen fest, dass der Preis in solchen Fällen schwanken könnte.
Für den einflussreichsten Faktor hält Melde die gestiegenen Zinsen. Diese haben sich für Baukredite seit Anfang letzten Jahres teilweise vervierfacht. Dabei ist das Zinsniveau ungefähr so hoch wie vor ca. 15 Jahren, jedoch verändern sich die Zinssätze mittlerweile in einem beschleunigtem Tempo.
Darin sieht Melde durch die Zinsbindung in den Kreditverträgen allerdings keine große Gefahr für die Kunden. Die Bindung dauert in Deutschland meist über zehn Jahre, wodurch die Sicherheit wiederum besteht.
Wer nun auf einen Preisverfall auf dem Immobilienmarkt hofft, wenn die Nachfrage durch die hohen Preise sinkt, wird erneut enttäuscht werden.
Keine Entlastung in Sicht
Sebastian Koller, Leiter der Immobilienabteilung der Sparkasse Neumarkt-Parsberg sieht auch keine Entlastung für die Kunden. Da der Bedarf an Wohnraum steige, wäre höchstens eine leichte Preisanpassung in den nächsten Jahren möglich. „Wenn das Bauen teurer wird, kann es sogar zu einer erhöhten Nachfrage an gebrauchten Immobilien kommen“, sagt Koller.
Auch Raiffeisenbank-Mann Oliver Melde glaubt nicht an einen Preisverfall in Neumarkt, da die Stadt durch ihre Lage zwischen Nürnberg und Regensburg einfach zu attraktiv sei. „Wer Eigentum haben möchte, der muss schon der oberen Mittelschicht angehören“.