Wenn der Gasverbrauch explodiert: Das sollten Mieter wissen

Von Mittelbayerische Zeitung · 19. Februar 2023 um 12:37

Eine Neumarkterin verbraucht viel Gas, obwohl sie beim Heizen spart. Ein Immobilienmakler erklärt, welche Ursachen das haben kann und wie Mieter in so einem Fall handeln können, um die Kosten zu senken.

Seit 17 Jahren lebt Hannelore M. in ihrer Wohnung am Rande der Neumarkter Altstadt. Nie hatte sie etwas dazu veranlasst, zu vergleichen, wie viel Gaskosten sie Jahr für Jahr bezahlt. Erst die aktuelle Situation rund um die Energiekrise brachte sie dazu, ihren Verbrauch einmal zu prüfen. Und siehe da: Obwohl es die 63-Jährige in ihren eigenen vier Wänden gar nicht so warm braucht und sie deshalb nur sehr wenig heizt, verbraucht sie doppelt so viel Kilowattstunden wie ein durchschnittlicher Singlehaushalt.

Am Zähler oder der Therme liege es nicht, sagt Hannelore M. Beide seien in Ordnung, das habe sie vom Heizungsinstallateur checken lassen. Trotzdem verbrauchte sie als Alleinstehende im vergangenen Jahr satte 12 000 Kilowattstunden Gas. Zum Vergleich: Ein Einpersonenhaushalt nimmt ihrer Aussage nach durchschnittlich 5000 bis 8000 Kilowattstunden in Anspruch.

Müssen Vermieter den Dachboden dämmen?

Eines Tages sah sich Hannelore M. auf dem Dachboden über ihrer Dachgeschosswohnung um. Ihr fiel auf, dass zwischen der Lattung die Dachziegel zum Vorschein kommen. Isolation? Fehlanzeige. „Ich heize mehr oder weniger zum Dach raus“, vermutet die Neumarkterin. Sie glaubt, dass es vielen Mietern so ergeht und fragt sich, ob Vermieter nicht eigentlich dazu verpflichtet wären, das Dach zu dämmen.

Der Neumarkter Immobilienmakler Hans Werner Gloßner kennt keine solche gesetzlichen Vorschrift. Lediglich wenn ein Haus verkauft werde, müsste der Neueigentümer bestimmte Heizungen erneuern, die bereits 30 Jahre alt seien. Auch andere Sanierungspflichten gehen damit einher – unter anderem müssen Hauskäufer, die eine Immobilie nach dem 1. Februar 2002 erworben haben, die oberste Geschossdecke oder wahlweise das darüber liegende Dach dämmen. Das schreibt das sogenannte Gebäudeenergiegesetz vor.

Das Gebäudeenergiegesetz

Vorgaben:Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) enthält laut Bundesbauministerium Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden, die Erstellung und die Verwendung von Energieausweisen sowie an den Einsatz erneuerbarer Energien in Gebäuden.

Energieausweis:Das GEG legt auch Regelungen zum Energieausweis fest. Dieser informiert über die energetischen Eigenschaften eines Gebäudes. Er enthält allgemeine Angaben zum Gebäude sowie Daten zur Energieeffizienz.

Nutzen:Wer ein Gebäude oder eine Wohnung kaufen oder mieten will, kann anhand des Energieausweises und des sogenannten Vergleichswerts einen Eindruck von der baulichen und anlagentechnischen Qualität des Gebäudes erhalten.

Doch nicht immer ist eine fehlende Isolierung verantwortlich für einen außergewöhnlich hohen Gasverbrauch. Eine weitere Ursache kann sein, dass Mieter in benachbarten Wohnungen nicht oder nur sehr wenig heizen. „Wir Immobilienleute sprechen von einem Sozialschmarotzertum“, sagt Gloßner.

Denn im Gegenzug müssten die Nachbarn mehr heizen, um ihre eigene Wohnung auf die gewünschte Temperatur zu bekommen – und erwärmen dadurch die benachbarten vier Wände, in denen die Heizung kalt bleibt, indirekt mit. „Dieses Phänomen beobachte ich immer wieder, wenn Mieter zu mir kommen, die einen exorbitant hohen Verbrauch haben“, sagt Gloßner.

Manchmal passiert das aber auch unbeabsichtigt – und zwar in umgekehrter Weise. Beispielsweise hätten es Mieter automatisch wärmer, deren Nachbarn einen höheren Heizbedarf hätten. Denn folglich würden die eigenen Decken oder Fußböden ebenfalls erwärmt und sie müssten selbst weniger heizen.

Von einem geringeren Verbrauch kann Hannelore M. nur träumen. Sie fragt sich, was sie tun kann, damit die Wärme nicht komplett durch das Dach verschwindet. Zumal sie aller Voraussicht nach noch mehr Gas verbrauchen wird, wenn sie in Rente geht und meistens zuhause ist, allerdings weniger als die Hälfte ihres jetzigen Gehalts zur Verfügung hat. „Ich muss jetzt schon einen Haufen Abschlag zahlen, wo es doch so teuer geworden ist.“

Gasverbrauch senken: Tipps vom Immobilienmakler

Mietern wie ihr empfiehlt Gloßner ein anderes Heizverhalten und noch mehr Energie zu sparen, als sie es ohnehin schon tun. Zum Beispiel, in dem sie Räume unterschiedlich stark beheizen und Türen schließen. Außerdem rät er, stoß zu lüften statt Fenster gekippt zu lassen, da dies Schimmel anziehe.

Der Neumarkter Immobilienmakler erinnert an die Energiekrise in den 1970er Jahren zurück. In Zeiten des Sonntagsfahrverbots hätten Mieter ihre Decke abgehängt, um das Heizvolumen zu verkleinern und zusätzliche Isolierungen wie zum Beispiel Styropor anzubringen. Dies sei insbesondere in Altbauwohnungen mit Deckenhöhen um die 2,80 Meter ratsam, um Energie zu sparen. Solange Mieter den ursprünglichen Zustand beim Auszug wieder herstellten, könnten sie sich entsprechendes Dämmmaterial besorgen, es von einem Maler aufkleben und die Decke neu verputzen lassen.

Hannelore M. sieht beim Energiesparen grundsätzlich jedoch nicht nur die Mieter, sondern auch die Vermieter in der Pflicht. Sie findet, beide Seiten müssten etwas dafür tun, und richtet einen eindringlichen Appell an die Vermieter: „Es kann nicht alles am Mieter hängen bleiben.“

Gloßner kann sich durchaus vorstellen, dass sich die Gesetzgebung in Zukunft ändern und von Vermietern mehr einfordern wird. Doch auch er weiß: „Des Gesetzes Mühlen mahlen langsam.“ Jeder müsse sich an die eigene Nase fassen, wenn es darum gehe, Energie einzusparen. Im Sinne der Gesamtsolidarität seien hier auch die Vermieter gefragt. „Jeder hat für das Gemeinwohl eine Verantwortung.“