Neumarkter Haubner Group plant Werk für Serienproduktion von Hausmodulen

Von Eva Gaupp · 12. März 2023 um 17:30

Treppen Haubner ist seit Jahrzehnten eine Marke. Immerhin gehört der Familienbetrieb zu den Branchenriesen auf dem deutschen Markt. Doch seit kurzem produziert das Neumarkter Unternehmen auch Häuser in Modulbauweise und plant dafür eine Millioneninvestition.

Zu wenig Handwerker, steigende Zinsen, dafür hohe Energiekosten und weniger staatliche Zuschüsse: Jahrelang hat die Baubranche geboomt – jetzt bricht die Nachfrage massiv ein. Die Haubner Group stellt sich gezielt auf diese Kehrtwende ein und nutzt ihr Know-how aus dem Stahl- und Holzbau, um Holzhäuser aus Modulen zu bauen. Günstiger, schneller, nachhaltig und zu 95 Prozent in einer Halle vorproduziert. So lautet ihre Devise.

„Es geht darum, im Risiko die Chance zu erkennen“, sagt Stefanie Haubner. Die 30-Jährige hat wie ihr zwei Jahre jüngerer Bruder Mario Prokura im Unternehmen, das ihr Vater Wolfgang 1996 gegründet hat und Mama Ursula in der Personalabteilung komplettiert.

Schon jetzt werden in den Hallen im Pöllinger Gewerbegebiet Treppen, Carports, Garagen sowie Gartenhäuser in Modulbauweise produziert. In gut einer Woche starten die Arbeiten für die ersten Wohnhäuser. Bei einer Ausschreibung hat das Unternehmen jetzt außerdem den Zuschlag für sechs Häuser mit zwölf Wohneinheiten aus insgesamt 30 Modulen für Asylbewerber in Nordrhein-Westfalen bekommen. Auftragsvolumen: 3,8 Millionen Euro.

Haus wird aus Modulen zusammengebaut

„Das ist ein Meilenstein“, freut sich Stefanie Haubner. Aber nicht nur in der eigenen Firmengeschichte. Die drei Unternehmer sind sich sicher, dass immer mehr Häuser künftig in Modulbauweise errichtet werden. Das heißt: Ein Haus wird aus definierten Würfeln zusammengebaut.

Diese werden in großen Hallen komplett mit Fliesen, Fußboden, Sanitäreinrichtung, Einbauschränken, Elektrik und Anschlüssen vorproduziert, so dass sie auf der Baustelle nur noch montiert werden müssen. Weder von außen noch von innen seien am Ende Unterschiede zu einem Haus in Massivbauweise erkennbar, sagen die drei Haubners.

Trotzdem gebe es entscheidende Unterschiede: „Die Module sind bis auf den Euro kalkulierbar“, sagt Wolfgang Haubner. Der Bauherr brauche also gerade in der heutigen Zeit keine Angst zu haben, dass ihm die Kosten davonlaufen. Außerdem werde so sehr viel Zeit und Geld gespart, weil Handwerker nicht x-mal auf die Baustelle fahren müssten und Material nicht einzeln angeliefert werden müsse.

Das Arbeiten bei Wind und Wetter auf der Baustelle und die Arbeitszeiten sind seines Erachtens zwei wesentliche Gründe, weshalb sich immer weniger junge Leute für einen handwerklichen Beruf entscheiden. „Das Handwerk an sich ist nicht unattraktiv“, sagt Wolfgang Haubner.

Werden die Hausmodule aber in trockenen warmen Hallen produziert, fallen diese Nachteile weg – nur noch eine Handvoll Mitarbeiter ist für wenige Tage tatsächlich auf der Baustelle im Einsatz. Darüber hinaus könnten in der Produktion viel leichter Quereinsteiger angelernt werden. Dafür wollen die Haubners ihr Schulungszentrum erweitern. Bisher bildeten sie vor allem in den Bereichen Holz und Metall aus, nun sollen Fliesenleger, Holzbauer und andere notwendige Berufsbilder hinzukommen.

Neumarkter Haubner Group kooperiert mit Semodu AG

Denn die Haubner Group hat Großes vor: Zusammen mit der international agierenden Semodu AG mit Sitz in München, die modulare Gebäude nach seriellen Methoden entwickelt, will sie in Neumarkt ein neues Werk errichten.

Auf 40000 Quadratmetern sollen Module für den Hausbau in Serie entstehen – „quasi am Fließband wie Fahrzeuge in der Automobilindustrie“, erklärt Mario Haubner. Dafür seien Investitionen in Höhe von rund 30 Millionen Euro geplant. 60 bis 100 Mitarbeiter könnten so jährlich bis zu 180000 Quadratmeter Wohnfläche fertigen. Bei der Immobilienmesse in Cannes nächste Woche sollen erste Gespräche mit Investoren geführt werden.

Auch die Regierung der Oberpfalz und die bayerische Staatsregierung sollen mit ins Boot geholt werden, sagt Stefanie Haubner. „Die Politik fordert 400000 neue Wohnungen. Das ist in Massivbauweise nicht zu schaffen.“ Weder zeitlich noch finanziell.

Häuser aus Modulen – vor allem aus Holz – seien leichter und könnten so beispielsweise auch auf Supermärkte gesetzt werden, damit kein weiterer Boden versiegelt werden muss, fügt ihr Vater an. Darüber hinaus reduziere sich die Entstehungszeit eines Gebäudes um bis zu 50 Prozent.

Wohnen verändert sich in der Zukunft

Und nachhaltig seien nicht nur die Baustoffe, sondern sei auch die Bauweise, erklärt der gelernte Metallbaumeister und Schweißfachmann: Die Häuser ohne Keller kämen ohne Betonfundamente aus, sondern würden auf Pfählen im Boden verankert. „So können sie jederzeit rückgebaut und anderswo aufgestellt werden.“ Auch das entspreche dem Wohnen der Zukunft. „Früher hat man ein Haus gebaut und ein Leben lang darin gewohnt. Das ist in den jüngeren Generationen anders.“

Derzeit sind die Haubners auf der Suche nach einem geeigneten Grundstück für das neue Werk. Es wäre dann das vierte nach den beiden in Pölling und im tschechischen Bor. Auch in Pölling haben die Haubners schon einen hohen Grad an Digitalisierung und Automatisierung erreicht.

So sind beispielsweise alle Aufträge digital erfasst, so dass nicht nur die Mitarbeiter einen Überblick haben, sondern auch die Kunden jederzeit abrufen können, in welcher Phase der Fertigung sich ihr Produkt befindet. Laser und CNC-gesteuerte Maschinen sorgten für eine Millimeter genaue Arbeit, unterstreicht Mario Haubner. Das könne man bei Handarbeit auf einer Baustelle nicht überall garantieren. An der neuen Produktionsstätte käme auch Robotik zum Einsatz.

Mit dem neuen Geschäftszweig „Haubner Home“ wird die Haubner Group sich auch intern etwas umstrukturieren, was ihre traditionelle Treppen-Sparte angeht. Nach wie vor soll die Produktion in Neumarkt und Bor stattfinden. Künftig werden die Produkte nicht nur montiert, sondern auch in Komponenten zur Eigenmontage angeboten.

Die großen Veränderungen und Investitionen tragen die beiden Generationen Haubners zusammen. „Die Verantwortung tragen wir als Familie“, sagt Stefanie Haubner.

Die Haubner Group ist ein Familienunternehmen. An der Spitze stehen Vater Wolfgang Haubner mit Stefanie und Mario.
Mit Treppen und den selbst entwickelten „SolidStep-Stufen“ ist die Neumarkter Firma groß geworden. -Foto: Melanie Schmidt
Die Haubner Group hat im Pöllinger Gewerbegebiet Grünberg mehrfach erweitert. -Foto: Melanie Schmidt
Die Haubner Group bildet im firmeneigenen Schulungszentrum auch in verschiedenen Berufen aus. -Foto: Melanie Schmidt
Die Haubner Group hat in den vergangenen Jahren die Digitalisierung und die Automatisierung in ihren werken vorangetrieben. -Foto: Melanie Schmidt
Die Module für Garagen oder später auch für Häuser werden detailliert vorgeplant und anschließend im Werk produziert. -Foto: Melanie Schmidt
Streppen aus Stahl und Holz sind das traditionelle Geschäft der Neumarkter Haubner Group. -Foto: Melanie Schmidt