Trotz guter Integration: Syrischen Pflegern aus Schwandorf droht die Abschiebung

Dass ihnen die Arbeit im Elisabethenheim Spaß macht, sieht man den fünf jungen Syrern sofort an. Bei Kollegen und Bewohnern sind sie beliebt. Und dennoch treibt Youssef Jomaa, Bader Aldin Aldif, Mohamad Tayar, Ali Almohamad und Nour Aldin Al Falaha eine große Sorge um: Dürfen sie in Deutschland bleiben oder müssen sie zurück nach Syrien. Alle fünf haben einen Abschiebebescheid erhalten. Etwas Hoffnung gibt es aber noch.
Im September wird der 28-jährige Youssef eine Ausbildung zum Pflegefachhelfer beginnen. Da er bereits seit zwei Jahren in dem Schwandorfer Pflegeheim arbeitet, kann er sich nun ein Jahr lang weiterbilden. Für Youssef ein großer Schritt. 2023 war er von Syrien nach Deutschland geflüchtet – ohne die fremde Sprache zu beherrschen und ohne einen Schulabschluss in der Tasche.
Klage gegen Abschiebebescheid eingereicht
Der junge Syrer lernte in der Folge fleißig Deutsch und suchte sich auch einen Job. Den fand er im Elisabethenheim in Schwandorf. Als Pflegehelfer übernimmt er die komplette Grundpflege der Bewohner, beschäftigt sich mit ihnen oder bringt sie innerhalb der Einrichtung von A nach B. Auch für ein kleines Schwätzchen ist immer Zeit. Für Youssef überhaupt kein Problem mehr. Wie geht es Ihnen heute? Soll ich Ihnen einen Kaffee bringen? Alles Sätze, die ihm ganz leicht über die Lippen kommen. Den jungen Syrer kann man durchaus als ein Paradebeispiel für gelungene Integration bezeichnen.
Dennoch hat Youssef Jomaa im Januar einen Abschiebebescheid erhalten. Dagegen wurde Klage eingereicht. Auch deshalb ist der 28-Jährige immer noch in Deutschland. Gegen die drohende Abschiebung des beliebten Pflegers hatten seine Kollegen Unterschriften gesammelt, beim „Tanz für Toleranz“ wurde öffentlich über sein Schicksal berichtet und auch Bundestagsabgeordnete wurden kontaktiert.
Trotz der enormen Solidarität bleibt die Unsicherheit. Youssefs Fall liegt beim Verwaltungsgericht, wo letztlich über sein Verbleiben in Deutschland entschieden wird. Wann das Gericht verhandeln wird und zu einer Entscheidung kommt, sei derzeit noch völlig offen, erklärt Norbert Wagner, Betreuer im Elisabethenheim. Wagner kümmert sich nebenbei um die jungen Syrer, aber auch um andere ausländische Mitarbeiter, hilft ihnen bei der Suche nach einer Wohnung oder der Ausstellung von Papieren, unterstützt sie aber auch bei der Klage gegen die Abschiebung.

Denn das Elisabethenheim als Arbeitgeber ist sehr daran interessiert, dass der junge Syrer in Deutschland bleiben kann. Er und auch die anderen jungen Syrer seien unverzichtbare Mitarbeiter, betont Geschäftsführerin Galina Klein. Deshalb ermöglichen sie Youssef auch die einjährige Ausbildung zum Pflegefachhelfer – mit der Zusicherung, dass er auch danach weiter im Elisabethenheim tätig sein kann. Das könnte vielleicht etwas Luft verschaffen. Denn mit dieser Ausbildung könnte der 28-Jährige eine sogenannte Ausbildungsduldung bekommen.
Rund 60 Prozent der Mitarbeiter haben Migrationshintergrund
Das gilt genauso für Bader (22) und Nour (28), die eine Ausbildung zum Pflegefachmann begonnen haben oder in Kürze beginnen werden. Drei Jahre wird die Ausbildung der beiden dauern. Auch Bader und Nour haben Abschiebebescheide erhalten und dagegen Klage eingereicht. Die drei jungen Syrer Youssef, Bader und Nour gehören zu insgesamt zehn Azubis, die heuer ihre Ausbildung im Elisabethenheim starten. Seit es vor einigen Jahren einen Aufnahmestopp wegen Personalmangel gab, setzt die Heimleitung intensiv auf die eigene Ausbildung. Und ausländische Kräfte spielen dabei eine wichtige Rolle.
Wie überhaupt im gesamten Heim: Rund 60 Prozent der etwa 200 Mitarbeiter hat einen Migrationshintergrund, wie die Geschäftsführerin erklärt. Sie kommen unter anderem aus dem Iran, aus Eritrea, aus Vietnam, China, Tunesien, der Ukraine, aber auch aus Polen, Tschechien und Italien – und eben aus Syrien. Im Elisabethenheim in Schwandorf arbeiten Menschen aus 29 Nationen. Laut der Geschäftsführerin werden es eher mehr als weniger. „Ohne unsere ausländischen Mitarbeiter würde es nicht mehr funktionieren“, erklärt sie.
Sollten die fünf jungen Syrer tatsächlich abgeschoben werden und das Elisabethenheim auf einmal mehrere Vollzeit-Hilfskräfte verlieren, könne die Pflege der Bewohner nicht mehr gewährleistet werden, ergänzt Galina Klein mit Nachdruck. Während das Heim Youssef, Bader und Nour mit der Ausbildung etwas mehr Sicherheit bieten kann, sind Mohamad Tayar und Ali Almohamad weiterhin als Hilfskräfte tätig, weil sie derzeit noch nicht die Voraussetzungen für eine Ausbildung erfüllen. Ein Job allein reiche aber meistens nicht aus, um vor einer Abschiebung geschützt zu sein, weiß Norbert Wagner aus Erfahrung. „Sie geben alles, bemühen sich, arbeiten fleißig und haben trotzdem das Gefühl im Nacken, dass es nicht reicht und irgendwann morgens die Polizei vor ihrer Tür steht und sie abschiebt“, so Wagner.
Ähnlich sieht es Galina Klein: „Ein Abschiebebescheid bedeutet für unsere Mitarbeiter weit mehr als den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Sie müssen mit einer Frist von 30 Tagen ihre Wohnung aufgeben und das Leben zurücklassen, das sie sich hier aufgebaut haben.“ Besonders schwer nachvollziehbar sei dies bei Menschen, die sich erfolgreich integriert und Deutsch gelernt haben, hier arbeiten und längst Teil ihres sozialen Umfelds geworden sind. „Sie zahlen Steuern und Sozialabgaben und leisten gerade in der Pflege einen wichtigen Beitrag für unsere Gesellschaft“, betont die Geschäftsführerin des Elisabethenheims.
Die Regierung vergesse manchmal, dass in der Pflege nicht nur Fachkräfte benötigt werden, so Klein. Auch ungelernte Hilfskräfte wie eben Mohamad und Ali seien wichtig, sagt sie mit Nachdruck. Unverständlich sei für sie, dass erfahrene Pfleger abgeschoben werden, während die Politik parallel in Nicht-EU-Staaten um neue Pfleger werbe. Auch das Elisabethenheim habe an solchen Anwerbeprogrammen schon teilgenommen und damit nicht nur gute Erfahrungen gemacht.