Auf der Suche nach dem Schatten: Ein Klima-Rundgang in Schwandorfs Innenstadt

Wenn das Thermometer über 30 Grad klettert, wird die Schwandorfer Innenstadt schon am Vormittag zum Backofen. Es gibt sie zwar, die schattigen, kühlen Plätze, und es gibt auch Bäume und kleine grüne Inseln zum Verweilen. Doch manche Straßenzüge gleichen eher einer Steinwüste. Die Schwandorfer Regionalgruppe der Omas/Opas for Future hat sich Gedanken gemacht, wie man das ändern könnte, und zum Klima-Rundgang eingeladen – vom Marktplatz bis zur Bahnhofstraße und zurück.
Treffpunkt zum Ortstermin ist am späten Vormittag bei 27 Grad am Oberen Marktplatz. Gekommen sind Gudrun Brunner-Deml, Christine Baringer und Elisabeth Hirzinger von der Regionalgruppe Stadt und Landkreis Schwandorf der Omas/Opas for Future, die im Februar vergangenen Jahres gegründet wurde. Noch ist die Zahl der Mitstreiter überschaubar, vielleicht ein Dutzend mögen es sein. Aber sie haben Ideen, wie sich die Welt in Zeiten des Klimawandels ein bisschen besser – oder vielleicht: erträglicher – gestalten ließe. Und das fängt gleich vor der eigenen Haustür an, zum Beispiel in Schwandorfs guter Stube.

Platanen für die Freisitze am Oberen Marktplatz
Erste Station. Es ist 10.30 Uhr, und am Oberen Marktplatz beginnt sich die Luft über dem Kopfsteinpflaster aufzuheizen. Die Freisitze der Restaurants sind mit Sonnenschirmen geschützt, aber zu dieser Tageszeit noch spärlich besetzt. „Hier könnten genauso gut Platanen stehen, dann wäre für Schatten und Abkühlung gesorgt“, sagt Elisabeth Hirzinger. Der Baumbestand am Marktplatz ist nach ihren Worten niucht gerade üppig und teilweise auch in schlechtem Zustand. Größere Pflanzbereiche und robuste Arten wie Silberlinde, Feldahorn, Baumhasel oder eben Platanen könnten nach ihren Worten eine Alternative sein. Und man sollte sie nicht einzeln pflanzen, als Solitärbäume, sondern in kleinen Grüppchen.

Idee: Ein grünes Dach für den Fahrradabstellplatz
Station Nummer zwei liegt nur einen Katzensprung entfernt, am Unteren Marktplatz. Die Bäume leiden ganz offensichtlich unter der Hitze, teilweise sind die Blätter am Verdorren. Auch hier sollten Flächen großzügig entsiegelt und neue Bäume gepflanzt werden, findet die Gruppe. Vielleicht müsse man dazu auch den ein oder anderen Parkplatz opfern. Und für den Fahrradabstellplatz am südlichen Ende schwebt den Omas/Opas for Future eine grüne Überdachung vor.
Noch Luft nach oben im Pocket-Park am Stettnerplatz
Ein paar Häuser weiter, am Stettnerplatz, spenden die großen Bäume endlich Schatten. Doch der von der Stadt angelegte Pocket-Park ist in den Augen der Klimaschützer durchaus ausbaufähig. Das kahle Eisengerüst zur Naabuferstraße könnte begrünt, das Rankgerüst daneben überdacht, mit Sitzgelegenheiten und möglicherweise auch einem Wasserbassin ergänzt werden, so ihre Idee.

Schlesierplatz: Für Klimaschützer ein abschreckendes Beispiel
Ein abschreckendes Beispiel ist für die Omas/Opas for Future vor allem der Schlesierplatz, der von der Stadt von Grund auf umgestaltet wurde. Nicht nur der Straßenbelag wurde erneuert, sondern auch ein Freisitz an der Einmündung von Schwaiger- und Bahnhofstraße geschaffen. Doch gesessen wird hier eher selten, schon gar nicht bei 28 Grad wie jetzt um 11.10 Uhr. Die Rankhilfe spendet keinen Schatten, die ganze Konstruktion hat den „Charme einer Busstation“, wie Elisabeth Hirzinger es formuliert.
Der Vorschlag der Klimaschützer: Das Areal entsiegeln, den Bereich hinter der Betonmauer erweitern und mit drei Platanen bepflanzen. Auch ein Trinkbrunnen oder Wasserspiele wie in der Kreuzbergallee könnten in die Sitzgruppe integriert werden, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern.

Grüne Oase am Adolf-Kolping-Platz
Wie das geht, kann am Adolf-Kolping-Platz besichtigt werden. Den halten die Omas/Opas for Future als grüne Oase in der Innenstadt für sehr gelungen. Große Bäume sorgen für ein angenehmes Mikro-Klima, das Wasserbassin kühlt die Luft noch zusätzlich. Und es gibt sogar einen Trinkwasser-Brunnen gegenüber an der Klosterstraße, wenn man ihn denn findet. Anders als am Stettnerplatz, kann man hier sogar eine Flasche auffüllen, wie Christine Baringer und Gudrun Brunner-Deml demonstrieren.

Devise: Statt Pflanztrögen lieber Bäume
Auf der anderen Seite gibt es in der Schwandorfer Innenstadt auch Bereiche, in den sich kaum ein Baum findet – an der Klosterstraße zum Beispiel. Auch an der Bahnhof-, Schwaiger- und Friedrich-Ebert-Straße würde mehr Grün nicht schaden, finden die Klimaschützer. „Wo jetzt große Blumentröge stehen, könnte vielleicht auch ein Baum gepflanzt werden“, sagt Elisabeth Hirzinger und nennt als mögliche Standorte unter anderem die Einmündung der Klosterstraße in den Schlesierplatz, die Bahnhofstraße und die Friedrich Ebert-Straße, etwa an der Ecke Neubäckergasse oder bei der Augenarztpraxis Dr. Lodes. Und es sollten weitaus mehr Fassaden begrünt werden, wie am Oberen Marktplatz oder am Schwandorfer Rathaus.

Dass dort Anfang des Jahres Rankgerüste angebracht wurden, halten die Omas/Opas for Future für vorbildlich, wie sie überhaupt die Bemühungen der Stadt durchaus anerkennen. Man begrüße die Anstrengungen, die auf dem Weg zu einer Verbesserungen des Klimas in der Innenstadt unternommen würden, wolle aber dennoch an alle Verantwortlichen appellieren, diese noch zu verstärken, heißt es bereits in der Einladung zum Ortstermin. Beim Rundgang selbst ist davon die Rede, man wolle „konstruktiv Kritik üben“. Die gesammelten Vorschläge seien als Anregungen zu verstehen – in der Hoffnung auf eine Realisierung.
Mehr Bäume, Wasser und entsiegelte Flächen
Viele Einzelvorschläge haben die Omas/Opas for Future für die Innenstadt ausgearbeitet, doch sie lassen sich auf einen einfachen Nenner bringen: „Bäume sind das A und O. Sie wirken wie eine natürliche Klimaanlage. Wir brauchen mehr Wasser in der Stadt. Und für mehr Grün müssen zusätzliche Flächen, auch Parkplätze, entsiegelt werden“, hat es Elisabeth Hirzinger schon zum Auftakt am Oberen Marktplatz formuliert. Eine gute Stunde später ist die kleine Abordnung wieder hier angelangt und der Klima-Rundgang beendet. Es hat 29 Grad, alles schwitzt und will jetzt nur noch eins – ab in den Schatten.
Das sind weitere Vorschläge der Omas/Opas for Future:
• Temporäre Fußgängerzone: Eine temporäre Fußgängerzone in den Sommermonaten könnte nach Ansicht der Klimaschützer zu einer Aufwertung der Innenstadt beitragen. Vom Volksfestplatz aus ließe sich als Zubringer ein Elektro-Shuttlebus einsetzen.
• TWF-Gelände: Die Bestimmungen des Bebauungsplans für das TWF-Gelände (Fassadenbegrünung und zusätzliche Bäume) sollten von der Stadt konsequent durchgesetzt werden.
• Sparkasse: Hier regen die Omas/Opas for Future eine Fassadenbegrünung an.
• Krankenhaus St. Barbara: Im Rahmen des Neubaus wurde den Klimaschützern zufolge „eine grüne Oase in eine Parkfläche verwandelt“. Sie appellieren deshalb an den Träger des Krankenhauses, auf dem Gelände für mehr Grün und Schatten zu sorgen.
• Weitergehende Forderungen: Sie umfassen unter anderem die Einführung einer Baumschutzverordnung für das ganze Stadtgebiet, das Verbot von Schottergärten und finanzielle Anreize für ihren Rückbau.