Drittes Projekt realisiert: Chamer Unternehmer investieren immer wieder in Neunburg

Von Jan Lange · 9. August 2026 um 05:00

Neunburg ist für Ingrid und Hans Seebauer inzwischen zur zweiten Heimat geworden. Das Chamer Unternehmerpaar hat mit dem Bistro Zeitlos nun ihr drittes Projekt in der Pfalzgrafenstadt verwirklicht. Ein Zufall brachte sie einst hierher.

Es ist, als hätten die Neunburger sehnsüchtig darauf gewartet, dass die frühere Eisdiele am Eingang zur Altstadt wieder eröffnet. Kaum hatte das Bistro Zeitlos seine Tür aufgesperrt, war der Kundenansturm enorm. Das liegt nicht nur an dem zentralen Standort, sondern auch an den Inhabern Ingrid und Hans Seebauer. Die Unternehmer aus Cham haben sich in Neunburg über die Jahre einen guten Ruf erarbeitet. Denn das Bistro Zeitlos ist längst nicht ihr einziges Geschäft, das sie in der Pfalzgrafenstadt betreiben. Vor zehn Jahren haben sie mit dem Café Auszeit begonnen, vor vier Jahren kam dann das Auszeit-Center dazu.

Vor zehn Jahren investierten die Seebauers erstmals in Neunburg

Die Seebauers hatten zuvor Tankstellen in Cham und Chamerau betrieben. Die Neunburger Stadträtin Margit Reichl (CSU) kannte Ingrid Seebauer über die Handwerkskammer und sprach sie an, ob sie nicht eine dritte Tankstelle übernehmen möchten. Denn für die Tankstelle an der Rötzer Straße wurde damals ein neuer Pächter gesucht und die Neunburger unterstützten die Suche tatkräftig, weil sie die Tanke gerne erhalten wollten.

„Wir haben uns die Tankstelle dann vor Ort angesehen und mein erster Gedanke war, wenn wir es machen, dann nur mit einem Cafe“, erinnert sich Ingrid Seebauer. Eine Idee, die so ähnlich auch die Neunburger hatten. Es war die Geburtsstunde vom Cafe Auszeit. Für die Seebauers war es Neuland, denn ein Cafe hatten sie bisher noch nicht betrieben. Vor zehn Jahren, genau am 50. Geburtstag von Ingrid Seebauer, wurde der Vertrag unterschrieben.

Mit dem Cafe Auszeit und der dazugehörigen Tankstelle fing alles an. - Foto: Jan Lange

Im Cafe Auszeit kommen Alt und Jung zusammen, treffen sich die Neunburger zum Stammtisch oder zum Karten spielen, genießen die Gäste schnell einen Kaffee und frühstücken ausgiebig. Auch am Sonntag – das Café Auszeit ist sieben Tage die Woche geöffnet – kommen viele Kunden vorbei, um sich hier frische Brötchen zu holen. „Ohne das Café würde es die Tankstelle heute nicht mehr geben“, sagt Ingrid Seebauer. „Es ist ein Café, bei dem man auch tanken kann“, beschreibt sie die Gewichtung der beiden Betriebsteile. Auch Bürgermeister Martin Birner findet, dass das Café Auszeit ein „absoluter Gewinn“ für Neunburg gewesen sei.

Alte Halle wurde durch einen mehrgeschossigen Neubau ersetzt

Mit der Tankstelle hatten die Seebauers auch eine alte Halle in direkter Nachbarschaft erworben. Der Eigentümer wollte das Grundstück nur komplett verkaufen, während die Seebauers gern nur die Teilfläche mit der Tankstelle erworben hätten. Doch der Besitzer beharrte darauf, nur alles zusammen zu verkaufen. Im Nachhinein erwies sich das als Glücksgriff. Die Halle, in der sich früher ein Baumarkt befand, war anfangs noch leer, doch dann zog ein Getränkemarkt ein.

Als das Gebäude immer maroder wurde, entschieden sich die Seebauers zum Abriss und für einen Neubau. So entstand das Auszeit-Center. Die Seebauers wollten aber nicht einfach nur eine neue Halle, sondern gleich ein dreigeschossiges Gebäude errichten. Unten sollte wieder ein Markt einziehen, gleichzeitig waren Räume für eine Eisdiele vorgesehen. Im ersten Obergeschoss entstanden Praxisräume und darüber Wohnungen.

Mit einer Physiotherapie und einem Augenarzt waren schnell zwei Mieter gefunden. Auch die Wohnungen waren schon vor ihrer Fertigstellung alle vermietet. Der bisherige Getränkemarkt zog zwar nicht wieder im Erdgeschoss ein, dafür fanden die Seebauers einen anderen Getränkehändler, der eine Zweigstelle in Neunburg eröffnete. Das Auszeit-Center ging schließlich Mitte 2022 an den Start. Mit der Eröffnung ihrer eigenen Eisdiele „Eiszeit“ war das Auszeit-Center dann ein knappes Jahr später komplett ausgebucht. Die Eiszeit ist immer von April bis zum Ende der Schulferien geöffnet.

Im Dezember hatte Tedi eine Filiale im Auszeit-Center in Neunburg eröffnet. - Foto: Jan Lange

Zwar hatte der Getränkehändler zwischenzeitlich seinen Markt wieder geschlossen, aber mit dem Non-Food-Discounter Tedi haben die Seebauers inzwischen einen Nachmieter gefunden. Im Dezember 2025 war Eröffnung. Bürgermeister Birner ist überzeugt, dass die Tedi-Filiale eine Aufwertung für die Stadt sei. Es war auch eine der wenigen Neueröffnungen in der Pfalzgrafenstadt, der Neunburger Einzelhandel war zuletzt eher von Schließungen geprägt.

Auch in der kalten Jahreszeit soll der Betrieb weiterlaufen

Martin Birner war es auch, der die Seebauers anfragte, ob sie nicht auch die Eisdiele in der Altstadt übernehmen würden. Diesmal hätten sie etwas länger überlegt, erzählen Hans und Ingrid Seebauer. Letztlich sagten sie auch Ja zu diesem Projekt. Auch, weil ihnen der Vermieter erstmal nur einen Ein-Jahres-Vertrag als Testphase angeboten hatte.

Die etwas dunkle Inneneinrichtung, die noch von der Vormieterin stammte, wurde etwas aufgehübscht. Nun wirkt alles heller und frischer. Allein schon durch kleine Gardinen an den Fenstern ist eine ganz andere Atmosphäre als vorher entstanden.

Eine reine Kopie ihrer Eisdiele an der Rötzer Straße sollte es aber nicht werden. Neben dem selbstproduzierten Eissorten gibt es hier auch Kaffee und eine größere Getränkeauswahl. Zudem bieten sie ab 17 Uhr kleine Brotzeiten an. Das Bistro-Angebot soll Schritt für Schritt erweitert werden. Ab Herbst soll es dann eine größere Speisenauswahl geben. Denn die Seebauers wollen das Zeitlos auch in der kalten Jahreszeit weiterbetrieben.

Zu Weihnachten wollen sich die Seebauers zusammensetzen und Bilanz ziehen. Doch Ingrid Seebauer ist sich nach den ersten zwei Monaten bereits sehr sicher, dass sie den Vertrag verlängern werden. Dass das Bistro so gut angenommen wird, liegt vielleicht auch an ihrem Mitarbeiter Saladin. Ingrid und Hans Seebauer haben den Tunesier auf einem Kreuzfahrtschiff kennengelernt. Spontan hatte Hans Seebauer dem Kellner angeboten, mit nach Bayern zu kommen, wo sie ein Café betreiben.

Saladin habe erst mal gegoogelt und festgestellt, dass die Seebauers tatsächlich ein Café haben. Und so nahm alles seinen Lauf. Bei einer weiteren Kreuzfahrt hatten die Seebauers den Arbeitsvertrag in der Tasche und nun ist Saladin bei ihnen im Bistro Zeitlos angestellt. „Er hat erstmal nur eine Arbeitserlaubnis bis Dezember bekommen, aber wir wollen gern, dass er dauerhaft bei uns arbeiten kann“, sagt Hans Seebauer.