Getränkebranche in Neunburg sortiert sich neu - Zwei Märkte werden geschlossen

Von Jan Lange · 26. Juli 2025 um 19:00

Wer Getränke kaufen möchte, hatte bisher in Neunburg (Landkreis Schwandorf) eine breite Auswahl an Händlern. Neben dem GeGro-Markt in der Vorstadt, dem Markgrafenmarkt in der Rötzer Straße und der Getränke Scharl-Filiale beim Eisernen Steg betreiben auch Netto und Rewe eigene Getränkemärkte. Nicht zu vergessen die Getränkeabteilungen der sechs Lebensmittel-Discounter. Nun sortiert sich die Branche aber neu.

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Nur noch wenige Tage ist die Filiale von Getränke Scharl geöffnet. Am 31. Juli wird der Markt am Rande der Altstadt für immer geschlossen. Eine kurze Mitteilung hängt seit einigen Tagen an der Eingangstür.

Getränke Scharl wurde aufgekauft

Die Teublitzer Firma Getränke Scharl war vor kurzem vom Getränkehaus Plöchl aus Kirchdorf im Wald aufgekauft worden. Danach war bekannt geworden, dass nicht alle Filialen weitergeführt werden. Für drei von neun Märkten gebe es keine Zukunft – darunter den in Neunburg.

Wirtschaftlich war die Entscheidung eindeutig, teilte Geschäftsleiter Ludwig Maximilian Plöchl auf Nachfrage mit. „Das Angebot in Neunburg spielt dabei eine Rolle, allerdings geben die Verbraucher in Neunburg den Großteil ihres Getränkeumsatzes in anderen Märkten aus“, so Plöchl weiter. „Letztlich entscheidet der Verbraucher, wer am Leben bleiben darf oder sterben muss, welcher Preis gerechtfertigt ist, und ob die Werbung auffällt oder eher im Hintergrund bleibt. Das ist auch gut so“, fügt der Chef vom Getränkehaus Plöchl hinzu.

Im Fall des Neunburger Marktes sei die Verkaufsfläche zu klein gewesen, um ein attraktives und zeitgemäßes Sortiment anzubieten. Auch der Umsatz hätte vervielfacht werden müssen, begründet Plöchl die Schließung. Die gleichen Gründe habe es auch in Burglengenfeld gegeben, wo ebenfalls eine ehemalige Filiale von Getränke Scharl nach der Übernahme geschlossen wurde. Insbesondere im Hinblick auf die Mitarbeiter falle die Entscheidung, einen Markt aufzugeben, doppelt schwer, so Plöchl. Es werde alles darangesetzt, die Mitarbeiter in anderen Märkten weiterzubeschäftigen oder ihnen eine Vermittlung anzubieten, ergänzt der Geschäftsführer.

Es gibt Interessenten für leere Geschäftsräume

In Neunburg gibt es damit einen weiteren Leerstand in exponierter Lage. Die Scharl-Filiale befindet sich unterhalb des Schlosses an einer der Hauptzufahrten in die Altstadt. In direkter Nachbarschaft zur Getränke Scharl-Filiale hatte im vergangenen Jahr auch eine Eisdiele geschlossen. Beide Objekte haben nach MZ-Informationen den gleichen Eigentümer.

Wie Neunburgs Bürgermeister Martin Birner (CSU) berichtet, gebe es für die Eisdiele Interessenten. Er hofft, dass sich auch für den Getränkemarkt baldmöglichst neue Nutzer finden. Das Gebäude würde sich für verschiedene Einzelhandelsgeschäfte eignen, findet der Rathauschef. Sollten sich potenzielle Mieter bei ihm melden, werde er diese gern an den Eigentümer vermitteln.

Ist bereits seit Dezember dicht: der Markgrafenmarkt in der Rötzer Straße. Für die Ladenräume gibt es laut Bürgermeister aber Interessenten. - Foto: Jan Lange

Es ist nicht die einzige Änderung in Neunburgs Getränkebranche. Auch den Markgrafenmarkt an der Rötzer Straße gibt es nicht mehr. Seit Dezember 2024 ist er bereits dicht. Sebastian Theissen, Prokurist der Markgrafen-Getränkevertriebs-GmbH aus Kulmbach, hatte damals gegenüber der MZ noch die Hoffnung geäußert, dass der Markt Anfang 2025 wiedereröffnet werden könne. Doch diese Hoffnung hat sich zerschlagen. Auch Monate später ist der Markt immer noch dicht. Mittlerweile wurden die Räumlichkeiten leergeräumt, wie beim Blick ins Innere zu erkennen ist.

„Wir werden ihn nicht mehr eröffnen“, bestätigt Theissen. Monatelang sei man auf der Suche nach einem neuen Betreiber gewesen, so der Prokurist. Es sei aber kein Personal gefunden worden, das den Markt im Sinne der Markgrafen-Getränkevertriebs-GmbH geführt hätte. Im Mai sei laut Theissen dann entschieden worden, die Suche zu beenden und den Standort in Neunburg aufzugeben. Das Kulmbacher Unternehmen bleibt trotzdem im Landkreis Schwandorf präsent, betreibt unter anderem noch Märkte in Oberviechtach, Pfreimd, Wernberg-Köblitz und Bruck.

Oberviechtach führt Sebastian Theissen auch als gutes Beispiel an, wo es eine „tolle Betreibermannschaft“ gebe. So könne man sich auch von den Mitbewerbern abheben. Das sei wichtig, erklärt Theissen, weil die großen Anbieter den Kunden größere Lockangebote machen könnten. Da sich für Neunburg kein ähnliches Team finden ließ, habe man sich lieber dafür entschieden, den Markt aufzugeben. Die große Konkurrenz in der Pfalzgrafenstadt habe bei den Betrachtungen auch eine Rolle gespielt, so Theissen.

Erst Ende 2021 wurde der Markgrafenmarkt eröffnet

Der Markgrafenmarkt war erst Ende 2021 eröffnet worden. Bei den Neunburgern war er gut angekommen. Der Standort Rötzer Straße 7a war aber auch schon als Getränkehandel bekannt – zuvor befand sich dort der GeGro-Markt, der in die Vorstadt umgezogen war. Der Markt in Neunburg befand sich zwischen Friedhof und Marienheim, neben dem Café Auszeit.

Bürgermeister Birner ist auch in dem Fall mit den Eigentümern in Kontakt und hat ihnen Anfragen von Interessenten weitervermittelt. Dass Neunburg gleich zwei Getränkemärkte verliert, beunruhigt ihn nicht. Die Neunburger seien immer noch gut versorgt, findet Birner.