Generalmajor mit Neunburger Wurzeln: „Ich bereue keinen Tag, als Soldat zu dienen“

Digitalisierung spielt auch beim Militär eine große Rolle – gerade mit Blick auf künftige Kriegs- und Operationsführung. Das Kommando Cyber- und Informationsraum versteht sich als Treiber der Digitalisierung der Bundeswehr. Zu dessen Team gehört Generalmajor Armin Fleischmann, der aus Neunburg (Landkreis Schwandorf) stammt.
Herr Fleischmann, Sie sind als 18-Jähriger 1983 in die Bundeswehr eingetreten ...
Armin Fleischmann: ... richtigerweise bin ich mit 17 zur Bundeswehr gekommen. Das liegt daran, dass damals Anfang Juli eingezogen wurde und ich erst Ende Juli Geburtstag habe. Insofern mussten meine Eltern für mich unterschreiben, da ich ja noch minderjährig war.
War für Sie früh klar, eine Karriere als Soldat zu starten?
Fleischmann: Nicht unbedingt. Das Hobby meines Vaters war Amateurfunk. Dieses Hobby faszinierte auch mich, vor allem die Technik dahinter. Mit 14 Jahren meldete mich mein Vater bei der Postdirektion in Regensburg zur Amateurfunkprüfung an. Die Prüfung schloss ich als jüngster Funkamateur in Bayern ab. Besonders angetan hatten es mir die „neuartigen“ Computer. Meine Eltern kauften mir 1980 einen. Dieser kostete damals noch ein ganzes Monatsgehalt. Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar.
Aber gab es einen besonderen Anlass für Ihre Entscheidung?
Fleischmann: In meinem zwölften Schuljahr sprach mich ein guter Freund an – er war Leutnant und studierte an der Bundeswehr-Uni –, dass man Funkamateure mit diesem Computerwissen bei der Bundeswehr gebrauchen könnte. So kam es, dass ich mich neben einem Studienplatz in Regensburg bei der Bundeswehr beworben habe. Dort wurde mir sofort eine Offizierlaufbahn mit Studium angeboten – und ich dachte: Probier´s doch mal. Durch Werbung oder sonst irgendwie wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, zur Bundeswehr zu gehen. Hätte es das Treffen mit dem Freund nicht gegeben, hätte ich Informatik studiert.
Danach hätten sie noch zur Bundeswehr gehen können ...
Fleischmann: Das denke ich eher nicht. Heute haben die wenigsten draußen ein technisches Studium absolviert und kommen dann zur Bundeswehr. Die Bundeswehr bildet sich ihren Nachwuchs, gerade was technische Studienfächer betrifft, lieber selber aus.
Die Bundeswehr hatte für uns immer was Positives, weil es ja in Neunburg zwei Panzerartilleriebataillone gab und die Soldaten fest in der Gesellschaft integriert waren.
Armin Fleischmann, Generalmajor
Ihr Vater war ein „weißer Jahrgang“, das heißt er musste nicht zur Bundeswehr, da ihr Opa im 2. Weltkrieg an der Front gefallen war. Wie war die Reaktion auf Ihre Entscheidung?
Fleischmann: Meine Eltern nahmen es positiv auf. Die Bundeswehr hatte für uns was Positives, weil es ja in Neunburg zwei Panzerartilleriebataillone gab und die Soldaten fest in der Gesellschaft integriert waren. Es fanden oft Tage der offenen Tür statt, bei denen ich da war und mir die Panzer angeguckt habe. Aber das war nichts für mich. Ich überspitze mal – weil da kein Computer drin war.
Sie sind zur Luftwaffe gegangen. Was hatte für Sie den Reiz der Luftwaffe ausgemacht?
Fleischmann: An der Offizierbewerberprüfzentrale der Bundeswehr hat man mich damals gefragt, warum nicht zum Heer – in Neunburg gäbe es doch Panzer. Aber da waren halt keine Computer im Spiel. In der Nähe gab es in Kötzting eine Luftwaffeneinheit. Die Einheit an der Grenze zu Tschechien hat technisch top ausgerüstet fernmeldeelektronische Aufklärung betrieben. Das hat mich begeistert und genau dafür wurde ich schließlich in die Bundeswehr eingezogen. Hier hatte ich bisher stets tolle Verwendungen. Ich bereue bis heute keinen einzigen Tag meine Entscheidung, als Soldat der Bundeswehr zu dienen.
Haben Sie heute noch Kontakte nach Neunburg?
Fleischmann: Mein Vater ist leider vor zwei Jahren mit 84 verstorben. Aber es gibt dennoch Verbindungen nach Neunburg. Meine Frau kommt auch aus Neunburg und wir sind mittlerweile seit 36 Jahren immer noch glücklich verheiratet, haben zwei tolle Kinder, die bereits verheiratet sind. Wir heirateten in Neunburg/Katzdorf und unsere Kinder sind ebenfalls dort getauft. Unsere Eltern, meine Mutter und meine Schwiegereltern, und alle unserer Verwandten, etwa 20 bis 30, wohnen noch vor Ort. Wir sind daher oftmals zu Besuch und fahren heute auch wieder hin, um in Neunburg meinen Geburtstag zu feiern. Meine Mutter wird bald 78 und sie ist dankbar, nicht mehr so weit reisen zu müssen, um uns im Raum Bonn zu besuchen.
Wie oft sind Sie in Neunburg?
Fleischmann: Vier bis sechs Mal im Jahr.
Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Kindheit in Neunburg?
Fleischmann: Es war eine tolle Kindheit. Ich habe dort großartige Schulen besucht, die übrigens damals schon Programmier- und Computerkurse anboten. In Neunburg war ich schon als Teenager im Fußball- und Wanderverein. Man war oft in der Umgebung unterwegs. Ich hatte eine schöne Kindheit, die ich nicht missen möchte.
Wie haben Sie die Neunburger Soldaten als Kind erlebt?
Fleischmann: Man hatte die Soldaten im Stadtbild integriert, daher ist mir das damals gar nicht aufgefallen. Für mich war das selbstverständlich und gehörte einfach dazu.
Übrigens fühle ich mich nicht wie 60.
Armin Fleischmann über seinen runden Geburtstag am Freitag
Sie werden am heutigen Freitag 60. Könnten Sie sich vorstellen, als Ruheständler nach Neunburg zu ziehen?
Fleischmann: Diese Frage stellt man mir häufig. Übrigens fühle ich mich nicht wie 60 und ich habe noch fünf Jahre in der Bundeswehr. Zur Frage Ruhestand: Neunburg besuchen, ja – wieder zurückzuziehen, nein. Nach der Generalstabsausbildung 1999 sind wir ins Rheinland gezogen. Dort sind unsere Kinder zur Schule gegangen und haben Karriere gemacht. Der Großteil unserer Freunde wohnt in der Bonner Umgebung. Seit 2002 besitzen wir hier eine Immobilie und ich bin fortan gependelt. Wohnen im Raum Bonn hat den Vorteil, dass der Großteil der für mich in Frage kommenden Verwendungen in der Umgebung liegen. Daher sehen wir unseren Lebensmittelpunkt im Rheinland. Zudem engagiere ich mich in Bonn ehrenamtlich als Vorsitzender in einem der größten IT-Vereine in Deutschland.
Das Gespräch führte Jan Lange.
Kurze Vita
• Geburt: 25. Juli 1965 in Neunburg
• Wohnort: Meckenheim (NRW)
• Beruflicher Start: 1983 Eintritt in die Bundeswehr, bis 1984 Ausbildung zum Offizier an der Offiziersschule der Luftwaffe in Fürstenfeldbruck, 1984 bis 1988 Studium der Nachrichtentechnik an der Bundeswehr-Uni in München
• Dienststationen als General: von 2017 bis 2021 Abteilungsleiter Planung/ Digitalisierung im Kommando Cyber- und Informationsraum in Bonn, 2021 bis 2022 Leiter des Aufstellungsstabes Zentrum Digitalisierung der Bundeswehr und Fähigkeitsentwicklung Cyber- und Informationsraum im gleichen Kommando in Bonn, ab Oktober 2022 als Unterabteilungsleiter CIT I im Bundesverteidigungsministerium in Berlin tätig, seit September 2024 Kommandeur Unterstützung und Abteilungsleiter Planung CIR und Digitalisierung im Kommando Cyber- und Informationsraum
• Auslandseinsätze: 2009ISAF, Chief CJ 6 RC North in Mazar-E-Sharif (Afghanistan); 2010 bis 2012 DEU Projektleiter Afghanistan Mission Network AMN (Kurzeinsätze AFG)