Neue Spur nach Bank-Bluttat in Regensburg? Polizei durchsucht erneut Tatort beim Rennplatz Zentrum

Ein Meer aus Blumen, Kerzen und Engeln steht am Tatort im Regensburger Westen, wo vor einer Woche ein 58-jähriger Bankmitarbeiter sein Leben verlor. Eine Frage ist allgegenwärtig: Warum ein junger Deutscher mit einem Messer tötete, versteht niemand. Am Donnerstagmorgen rückt erneut die Polizei am Tatort an. Die Ermittler suchen nach etwas Bestimmtem.
Bei der Bankfiliale im Rennplatz Zentrum (REZ) an der Stromerstraße ist nur noch der schmale Eingang frei. Die Automatiktüre aber ist nach wie vor versiegelt. Der Briefkasten der Bank ist mit silberfarbenem Panzertape zugeklebt. Eine aufgeklebte Nachricht verweist darauf, dass kein Einwurf möglich ist; Belege sollen unfrankiert an die Zentrale in München gesendet werden, steht da zu lesen.
Immer wieder verharren Menschen auch kurz ganz still vor den großen Schaufenstern der Bank. Ein Hausmeister kratzt das Wachs der Kerzen auf dem Gehweg weg, während unweit davon Beamte die nähere Umgebung durchkämmen. Auch vielen Besuchern des Rennplatz Zentrums fällt der neuerliche Polizeieinsatz auf.
Polizei bestätigt „Absuchmaßnahmen“ am REZ in Regensburg
Laut Michael Zaschka, Pressesprecher am Polizeipräsidium Oberpfalz, finden am Donnerstagvormittag Absuchmaßnahmen statt, die im Zusammenhang mit der Bluttat in der Bankfiliale von vergangener Woche stehen. Das sei in solchen Fällen üblich, sagt er. Kurz nach 11 Uhr rücken die Beamten in mehreren Mannschaftsbussen dann bereits wieder ab. Ob sie fündig geworden sind, bleibt offen.
Nach was genau die Unterstützungskräfte der Regensburger Mordermittler suchten, lässt der Polizeisprecher offen. Von größerem Interesse dürfte, das bestätigen Recherchen der Mediengruppe Bayern, das Mobiltelefon des 20-jährigen Tatverdächtigen sein. Das könnte womöglich neue Ansatzpunkte zu den Hintergründen der schrecklichen Tat geben. Doch von dem Handy fehlt bis dato jede Spur.

Am Donnerstag vergangener Woche war der 20-Jährige mit einem Messer in der Bank aufgetaucht. Er zeigte einen Schmierzettel vor, auf dem „etwas von Überfall und Bankraub“ gekritzelt war, und stach dann auf einen Bankmitarbeiter ein. Noch während der für Regensburg beispiellose Großeinsatz am hermetisch abgeriegelten Rennplatz Zentrum lief, starb das 58-jährige Opfer in einer Regensburger Klinik.
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Letztlich wurde der 20-Jährige von Elitebeamten eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) auf der Toilette in dem Gebäude verhaftet. Drei Stunden waren das Rennplatz Zentrum und das nähere Umfeld quasi Sperrgebiet; am Himmel schwebte stundenlang ein Polizeihubschrauber. Etwa eine Stunde vor dem finalen Zugriff waren zwei Mitarbeiter, die sich in einem Büro in der Bank verschanzt hatten, befreit worden. Auch Kunden waren in dem Kreditinstitut, als der junge Mann den versuchten Bankraub startete.
Tödlicher Messerangriff in Regensburg: Schuldfähigkeit des Deutschen (20) ist fraglich
Tags drauf erging schließlich Haftbefehl gegen den jungen Angreifer wegen Mordes und versuchter schwerer räuberischer Erpressung. Am Dienstag wurde dieser dann wieder aufgehoben – der 20-Jährige wurde in eine Psychiatrie verlegt. Ein Sachverständiger kam in einem vorläufigen Kurz-Gutachten zu dem Schluss, dass die „Schuldfähigkeit des Beschuldigten bei der Tatbegehung zumindest erheblich vermindert gewesen“ ist, wie die Staatsanwaltschaft später auch bestätigte.