Brachfläche hinter dem Rewe in Schwandorf: Pläne abgespeckt, neuer Partner an Bord

Von Philipp Breu · 21. Juli 2026 um 19:00

Dieses Großprojekt beschäftigt die Stadt Schwandorf schon seit Jahren: Das ehemalige Tonwarenfabrik-Gelände hinter dem Rewe-Markt soll bebaut werden. Immer wieder wurden Investoren vorstellig und präsentierten ihr Pläne. Realisiert wurde bis heute jedoch nichts. Nun gibt es neue Entwicklungen.

Rund ein Hektar Brachfläche in zentraler Lage, viele Einkaufsmöglichkeiten direkt vor der Haustüre. Kein Wunder, dass in den vergangenen Jahren einige Investoren ein Auge auf das Areal hinter dem Rewe-Markt geworfen hatten, auf dem einst die Tonwarenfabrik stand. Immer wieder bekamen die Schwandorfer Stadträte teils ambitionierte Pläne zu hören. Einst sollten hier beispielsweise drei Mehrfamilienhäuser mit je sechs Wohneinheiten und 14 Doppelhäuser entstehen. Doch aus diesem Projekt ist, wie auch aus vielen anderen Vorhaben, nichts geworden.

Der Grund: Immer wieder bemängelten die Räte unter anderem die Dimensionen des Gesamtprojekts, die geplante Anzahl der Parkplätze und die Anbindung des neuen Wohngebietes an das bestehende Straßennetz. Auch Anwohner der benachbarten Zenger- und Vogelstraße hatten erhebliche Bedenken, vor allem aufgrund der Parksituation.

Bebauungsplan wurde im März 2025 einstimmig genehmigt

Richtig Bewegung in die Sache kam im März 2025. Damals hatte die Aurora Immobilien GmbH mit Sitz in Auerbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) zusammen mit weiteren Projektplanern ein Konzept vorgestellt, das im städtischen Planungs- und Umweltausschuss Anklang fand. Auf dem rund einen Hektar großen Areal sollten in sieben Blocks 98 geförderte Wohnungen samt Kita entstehen.

Zusätzlich hatte man 168 Parkplätze geplant – teils oberirdisch, teils in der Tiefgarage – wovon ein Teil auch öffentlich zur Verfügung stehen sollte. Auch die überarbeitete Verkehrsführung mit einer weiteren Erschließung über die Zengerstraße wurde von den Räten positiv bewertet. Dementsprechend setzte das Gremium den Zug planungsrechtlich aufs Gleis und genehmigte den vorhabenbezogenen Bebauungsplan Mehrgenerationenwohnen Tonwarenfabrik einstimmig.

Investoren haben Pläne für Tonwarenfabrik-Gelände nochmals angepasst

Doch dann passierte erstmal nichts mehr. Am Montag stand das Areal nun abermals auf der Tagesordnung des Planungs- und Umweltausschusses. Die Investoren hatten sich nämlich in der Zwischenzeit dazu entschlossen, die Planungen des Großprojekts nochmals anzupassen. Wie Johannes Smola im Namen der Aurora Immobilien GmbH erklärte, hätten sich die wirtschaftlichen, demografischen und energietechnischen Rahmenbedingungen inzwischen geändert. Die ursprünglich genehmigte Planung sei aufgrund geänderter Marktbedingungen wirtschaftlich nicht mehr nachhaltig umsetzbar. Zudem habe man bei den Projektpartnern auf die falschen Pferde gesetzt. Viele Firmen seien insolvent gegangen.

„Wir kommen bei den ursprünglichen Planungen wirtschaftlich auf keinen grünen Zweig mehr“, fasste Smola zusammen. Man habe sich als Grundstückseigentümer und Vorhabensträger dennoch entschieden, am Projekt festzuhalten, die Pläne jedoch entsprechend anzupassen. Außerdem habe man sich einen neuen, starken und lokalen Partner mit ins Boot geholt. Die Wahl fiel schließlich auf die Weigl Unternehmensgruppe mit Sitz in Schwandorf, die fortan als Bauträger und Projektentwickler fungiert.

Deren Geschäftsführer Maximilian Weigl stellte schließlich die neuen Pläne vor. Das Wichtigste schickte er gleich vorneweg: die Grundzüge des Projekts blieben erhalten. Das Vorhaben werde insgesamt jedoch etwas abgespeckt. Statt sieben Gebäuden sollen nur noch sechs am ehemaligen Tonwarenfabrik-Gelände entstehen. Das schaffe mehr Grünflächen und weniger Versiegelung.

Auch wenn die Wohnungsgrößen und Grundrisse neu überdacht wurden, ändert sich an der Anzahl der Wohneinheiten nicht viel. 96 Eigentumswohnungen sollen in den sechs Gebäuden gebaut werden. 40 davon sollen nicht größer als 50 Quadratmeter sein, 44 haben eine geplante Größe zwischen 50 und 80 Quadratmetern. Lediglich zwölf Wohnungen sollen größer als 80 Quadratmeter werden. Weigl begründete diese Aufteilung unter anderem damit, dass größere Wohnungen derzeit einfach nicht mehr so gefragt seien. Das habe sich zumindest bei seinen vorherigen Bauprojekten herauskristallisiert. Mit dem Wohnungsmix sollen alle Zielgruppen angesprochen werden – von Singles über junge Familien bis hin zu Senioren. Weigl betonte in diesem Zug, dass alle Gebäude auch mit Aufzügen versehen werden.

Tiefgarage muss aus Kostengründen weichen

Die zweite große Änderung betraf die geplante Tiefgarage. Diese würde aus Kostengründen gestrichen. Durch die Reduzierung der Gebäudezahl von sieben auf sechs könnte der Verlust an Parkplätzen jedoch aufgefangen werden, zumindest weitestgehend. Statt ursprünglich 168 stehen den neuen Planungen zufolge 156 Stellflächen zur Verfügung.

Ebenfalls entfallen wird laut Weigl auch der geplante Kinderhort. Einerseits aus Kostengründen, andererseits auch deshalb, weil der Bedarf in Schwandorf einfach nicht mehr gegeben sei. Weigl erinnerte in diesem Zug auch an die kürzliche Entscheidung der Stadt Schwandorf, das geplante Kinderhaus am Ortseingang von Krondorf aufgrund des Geburtenrückgangs und der zusätzlich geschaffenen Kindergarten- und Krippenplätze in anderen Einrichtungen nicht zu realisieren.

Eine kleine Änderung soll es auch bei den Dächern geben. Anstatt der vorher angestrebten Flachdächer sollen die Wohngebäude nun mit Walmdächern versehen werden. Außerdem sollen die Gebäudehöhen leicht reduziert werden, damit sich das Projekt besser in die Umgebung einfügt.

Scharfe Kritik von SPD-Stadtrat Franz Schindler

Bei den Stadträten sorgten die überarbeiteten Pläne für gemischte Gefühle. Zwar freute man sich im Kollektiv darüber, dass auf der Brachfläche endlich etwas voranzugehen scheint. Doch es gab auch mehrere Kritikpunkte. So bezeichnete es die CSU-Fraktion beispielsweise als schade, dass die geplante Tiefgarage wegfällt und sich die Zahl der Parkplätze dadurch reduziert. Man werde den Änderungen aber trotzdem zustimmen, wie Andreas Wopperer ankündigte.

Seriös wäre es eigentlich gewesen, nun komplett von vorn zu beginnen.Franz Schindler, SPD-Stadtrat

Wesentlich schärfere Worte wählte Franz Schindler von der SPD. Er sprach von einem komplett neuen Projekt. Die Pläne würden nun erheblich von denen abweichen, die im März 2025 im Planungs- und Umweltausschuss einstimmig befürwortet worden seien. „Seriös wäre es eigentlich gewesen, nun komplett von vorn zu beginnen“, sagte Schindler. Der langjährige Stadtrat, der auch Vorsitzender des Mietervereins ist, machte zudem keinen Hehl daraus, dass er die Weigl Unternehmensgruppe für den falschen Partner halte.

Kosten belaufen sich schätzungsweise auf 23 Millionen Euro

Carmen Müller von der AfD konnte sich mit den Wohnungsgrößen nicht so recht anfreunden. Sie vermiete selbst zwei Objekte und habe die Erfahrung gemacht, dass kleinere Wohnungen viel schlechter an den Mann zu bringen seien als größere. Thomas Borcuch (ebenfalls AfD) hatte Bedenken, dass hier Luxuswohnungen gebaut würden. Dabei brauche es in Schwandorf doch vor allem bezahlbaren Wohnraum. Maximilian Weigl beteuerte, dass sich die angestrebten Preise im „unteren Mittelfeld“ bewegen würden.

Grundsätzlich rechnet er nach eigenen Worten damit, dass rund ein Drittel der 96 Wohnungen für den Eigenbedarf gekauft werde; der Rest werde nach dem Kauf vermietet. „Wir sorgen für neuen, modernen Wohnraum“, fasste Weigl kurz zusammen. Die anschließende Abstimmung war dann deutlich. Gegen drei Stimmen (Müller von der AfD, Schindler von der SPD und Tobias Mainka von Die Linke) wurde die 1. Änderung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Mehrgenerationenwohnen Tonwarenfabrik beschlossen.

Wie Maximilian Weigl am Rande der Sitzung informierte, könnte die Erschließung in der zweiten Jahreshälfte 2027 beginnen. Die Wohnhäuser sollen dann in drei Bauabschnitten entstehen. Ende 2028, Anfang 2029 könnte das Projekt abgeschlossen sein – sofern alles glatt läuft. Die Kosten dürften sich nach ersten Schätzungen Weigls auf etwa 23 Millionen Euro belaufen.