Trotz Neubautätigkeit in Schwandorf: Günstige Wohnungen bleiben Mangelware

Der Mieterverein Schwandorf und Umgebung hat mit 1800 Mitgliedern ein Allzeithoch erreicht. Für sechs Wohnungen in einem Neubau in Schwandorf bewerben sich 200 Interessenten. Und im Juli spricht ein Aktionsbündnis in einer öffentlichen Mitteilung davon, dass in Schwandorf in den vergangenen zehn Jahren die Mieten um 67 Prozent gestiegen seien. Was ist los auf dem Wohnungsmarkt in der Großen Kreisstadt?
Anlässlich eines bundesweiten Aktionstages im Juli für einen Mietenstopp schlägt ein unter anderem vom DGB getragenes „Bündnis in Schwandorf“ Alarm: „Die Zahlen unterstreichen den Ernst der Lage: In den vergangenen zehn Jahren sind die Angebotsmieten in Schwandorf um rund 67 Prozent gestiegen. Im Jahr 2016 lag der Quadratmeterpreis im Median noch bei 5,92 Euro, Anfang 2026 bereits bei 9,86 Euro. Wenn das so weitergeht, verlieren immer mehr Menschen ihr Zuhause oder werden aus ihren Vierteln verdrängt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Große Kreisstadt – ein Hotspot bei den Mietpreisen?
Schwandorf ist „kein Ausreißer nach oben“
Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Fakt ist: Bayernweit stiegen die Angebotspreise bei Neuvermietungen von 2015 bis 2025 im Schnitt um gut 40 Prozent. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag vom Juni hervor. Abweichungen nach oben gibt es, aber Stadt oder Landkreis Schwandorf sind in diesem Zusammenhang nicht aufgeführt. Konkrete Zahlen fehlen, die Quellenlage ist schwierig.
Schwandorf liegt grundsätzlich im bayernweiten Trend, auch wenn es einen gewissen Nachholeffekt gegeben hat.Michael Müllner, Remax-Geschäftsführer
Michael Müllner, Geschäftsführer des Immobilienmaklers Remax, schätzt den Anstieg der Mietpreise in der Großen Kreisstadt in den vergangenen zehn Jahren auf rund 30 bis 40 Prozent. „Das ist absolut kein Ausreißer nach oben“, sagt er. Schwandorf liege grundsätzlich im bayernweiten Trend, auch wenn es einen „gewissen Nachholeffekt“ gegeben habe. Dass Wohnraum gleichwohl knapp ist, liegt laut Müllner an der zurückhaltenden Bautätigkeit, aber auch an zwei weiteren Faktoren: Schwandorf hat nach seinen Worten eine exzellente Verkehrsanbindung und ist deshalb auch für Interessenten von außerhalb attraktiv. Und es gibt zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe, deren Beschäftigte ja auch irgendwo wohnen wollen.
Dazu passt eine Erfahrung, die Heiner Duscher vom Wackersdorfer Immobilienbüro Baumgärtner & Duscher erst kürzlich gemacht hat: „Als wir sechs Wohnungen in einem Neubau für zehn Euro pro Quadratmeter angeboten haben, gab es 200 Interessenten. Die Leute kamen bis aus Roding“, berichtet er. „Der Bedarf in Schwandorf ist groß, aber überhitzt ist der Markt nicht“, so seine Einschätzung. Die Preissteigerungen der vergangenen Jahre orientierten sich grundsätzlich an der Inflation, so Duscher. Und die summierte sich laut amtlichen Quellen im Zeitraum von 2015 bis einschließlich 2025 bei rund 27 Prozent. In gängigen Immobilienportalen wiederum werden für die vergangenen fünf Jahre Preissteigerungen zwischen elf und 17 Prozent ausgewiesen.
Im Schnitt zehn Euro bei Neuvermietungen
Für eine neu vermietete Wohnung in Schwandorf werden nach Angeboten von Immobilienportalen aktuell im Schnitt rund zehn Euro pro Quadratmeter fällig. Im Bestand liegen die durchschnittlichen Mieten in Schwandorf laut Remax-Geschäftsführer Müllner zwischen sieben und 9,50 Euro, bei Neubauten zwischen neun und 11.50 Euro Nettokaltmiete pro Quadratmeter. In der Spitze darf es auch etwas mehr sein: Heiner Duscher weiß von Angeboten in Schwandorf zu berichten, bei denen „bis zu 13 Euro pro Quadratmeter aufgerufen und auch bezahlt wurden“. Zum Vergleich: In Amberg liegt der aktuelle Höchstwert laut Duscher bei 14 Euro, in Regensburg Stadt sogar bei 20 bis 22 Euro. Kleinere Wohnungen sind tendenziell teurer, bei größeren Unterkünften werden im Schnitt etwas geringere Quadratmeterpreise verlangt. Die Nebenkosten sind bei allen diesen Angaben noch gar nicht einmal berücksichtigt.

Mieterverein hat so viele Mitglieder wie noch nie
Die Menschen auf Wohnungssuche haben ohnehin andere Sorgen als die Statistik. Das weiß keiner besser als Franz Schindler, seit 30 Jahren Vorsitzender des Mietervereins Schwandorf und Umgebung. Der hat inzwischen rund 1800 Mitglieder – soviele wie noch nie. Die Leute kommen sogar aus dem Chamer Raum oder der Stadt Weiden zur wöchentlichen Sprechstunde in Schwandorf.
„Der Beratungsbedarf steigt“, der Verein arbeite an der Kapazitätsgrenze, sagt Schindler. Sein Befund: „Der Wohnungsmarkt ist sicher nicht entspannt, aber er ist auch nicht dramatisch zugespitzt. In Schwandorf gibt es alles, von fünf bis 13 Euro. Doch ob das Angebot auch mit den Bedürfnissen und den finanziellen Möglichkeiten zusammenpasst, ist eine ganz andere Frage.“
Klassische Sozialwohnungen gibt es nicht mehr
Woran es in der Großen Kreisstadt besonders fehlt, sind nach den Worten Schindlers Wohnungen für den eher schmalen Geldbeutel. Sozialwohnungen im herkömmlichen Sinne, in denen die Vermieter keinerlei Gewinn abschöpfen durften, gebe es „überhaupt nicht mehr“. Und auch die klassischen Eigentümer, „die ihre Wohnungen noch für fünf, sechs Euro anbieten“, seien längst die absolute Ausnahme. Eine „gewisse Entlastung“ sieht der Vorsitzende des Mietervereins immerhin in den EOF-geförderten Wohnungen, die in den vergangenen Jahren in Schwandorf entstanden sind.
Stadt plant neue geförderte Wohnungen auf dem Weinberg
Bei der EOF (Einkommensorientierte Förderung) bekommen Investoren einen Zuschuss, aber auch Mieter mit geringem oder normalem Einkommen, die dazu einen Wohnberechtigungsschein vorweisen müssen. Solche geförderten Wohnungen wurden zuletzt unter anderem an der Dachelhofer und Ettmannsdorfer Straße, an der Libourne-Allee oder – in städtischer Regie – an der Gebrüder-Grimm-Straße auf dem Weinberg gebaut. In der unmittelbaren Nachbarschaft will die Stadt hier noch zwölf weitere geförderte Wohneinheiten errichten, wie Pressesprecher Andreas Hofmeister informiert. Auf rund 3,4 Millionen Euro wird die Investitionssumme geschätzt. Insgesamt verfügt die Stadt aktuell über rund 80 eigene Wohnungen, bei denen die Nettokaltmieten laut Hofmeister von 5,10 bis 6,20 Euro pro Quadratmeter reichen – „je nach Wohnobjekt und Förderstufe“. Entsprechend lang sind die Wartelisten.

Kommt neuer Anlauf für eine Stadtbau?
Franz Schindler, Mietervereinschef und SPD-Urgestein, fordert weitere Anstrengungen. „Die Stadt ist dafür zuständig, dass es günstige Wohnungen gibt. Das steht sogar in der Bayerischen Verfassung“, sagt er und bedauert, dass die SPD-Forderung, eine Art Stadtbau für die Große Kreisstadt zu gründen, vor Jahren keine Mehrheit im Stadtrat fand.
„Die Stadt ist dafür zuständig, dass es günstige Wohnungen gibt. Das steht sogar in der Bayerischen Verfassung“Franz Schindler, SPD-Stadtrat und langjähriger Vorsitzender des Mietervereins Schwandorf und Umgebung
Stadtrat Tobias Mainka, dessen Partei „Die Linke“ bei ihrer Sozialberatung immer wieder mit dem Thema Wohnen konfrontiert wird, will nach eigenen Worten noch einmal einen Anlauf unternehmen: „Wir erleben es doch tagtäglich: Die Mieten steigen stark an, und der Bedarf an preiswertem Wohnen auch. Die Stadt sollte Verantwortung übernehmen.“